Freuden der Finsternis

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Das ist ver­stö­rend. Für Freun­de der Fins­ter­nis je­den­falls. Die bli­cken be­di­ent auf die Rück­kehr der Ge­la­tie­ri aus ih­rer ita­lie­ni­schen Hei­mat. In der Froh­sinn­stra­ße wird seit ei­ni­gen Ta­gen ge­wer­kelt und auch in der Wür­z?bur­ger Stra­ße steht die Küh­lung wie­der un­ter Strom. Nicht dass es et­was ge­gen ita­lie­ni­sches Eis zu sa­gen gä­be.

Im Gegenteil.

Aber wie die Krokusse und Schneeglöckchen, die im Schöntal ihre Köpfe der Sonne entgegen strecken, sind die Eismacher Boten des nahenden Frühlings. Protagonisten der hellen und warmen Jahreszeit. Jener Periode des Jahres, die die Mehrheit der Ascheberger vermutlich herbeisehnt.

Einer Minderheit stehen indes schwierige Monate bevor. Eine Zeit, die bis zum 22. Juni mit jedem Tag schlimmer wird. Denn bis dahin wird es immer heller. Am 22. Juni geht um Viertel nach fünf die Sonne auf. Um fünf nach halb zehn geht sie unter. Uff. Ein 16 Stunden und 20 Minuten langer Tag.

Quälend heiße Tage

Im Moment geht es ja noch. Dieser Samstag ist nur 10 Stunden und 55 Minuten lang - von 7.08 bis zum Sonnenuntergang um 18.03 Uhr. Und angenehm kühl ist es ja auch noch.

Furchteinflößend ist für Freunde der Finsternis die Nacht der Zeitumstellung am 28./29. März. Plötzlich ist es eine Stunde länger hell. Am 29. März schon bis zehn vor acht. Und warm wird es vermutlich auch schon sein. Der Klimawandel ist kein Freund jener Zeitgenossen, denen Regenwetter lieber ist als Rekordhitze.

Aber nichts zu machen. Am Wetter ist nichts zu ändern. So müssen die Verächter der warmen und hellen Jahreszeit sich schon bald wieder gewöhnen - an den Geruch von Gegrilltem, der über der Stadt hängt, an den Anblick von Fahrradstaus entlang des Mainufers und von Schlangen vor den Eisdielen. Ebenso an quälend heiße Tage, wenn nicht gar Wochen, die in Biergärten und auf Festen rauschend gefeiert werden. Schwungvoll begleitet von populären Radiosendern, deren Moderatoren von morgens bis abends von Sonnenschein und Feierabend als einzigen Heilsbringern predigen.

Dunkle Vergangenheit

Menschen, für die eine ordentliche Kältewelle und dunkle Winterabende heilsbringender sind, sei geraten, sich bald wahlweise gedanklich an der dunklen Vergangenheit festzuhalten oder sich in die winterliche Zukunft zu träumen. Denn das Dunkle kehrt zurück. Gnadenlos. Spätestens wenn am 25. Oktober die Winterzeit beginnt. Dann ist plötzlich schon um 17.11 Uhr mit Sonne Schicht im Schacht.

Und endlich wieder Zeit für die Freuden der Finsternis. Für Abende, in denen Genuss mehr verspricht als Weißbier, Gurken-Kaltschale und Tomaten mit Mozzarella. Enten, Gänse und Lebkuchen zum Beispiel.

Überhaupt Advent und Weihnachten. Eine Zeit, in der von der Dunkelheit Beseelte frohgemut mit kalten Nasen und warmen Herzen durch die festlich beleuchtete Herschelgass' stapfen und nach Geschenken suchen. Oder sich mit Freunden bei einem Glas Rotwein in die Dalberg-Wirtshäuser kuscheln. Oder zuschauen, wie in der Fasanerie die Bäume ihre Blätter abwerfen. Wie sich der Wald stillschweigend und mit gerupften Ästen in den diesigen Winterhimmel bohrt. Wie der See des Parks vor dieser Kulisse in Melancholie versinkt. Die Zeit wird kommen. Bestimmt.

Hintergrund

Jürgen Overhoff

über die Rückkehr

des Lichts

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