Fest Brüderschaft der Völker: Von Aschaffenburg für Aschaffenburg

Vom 19. bis 21. Juli auf dem Volksfestplatz – Stadtjugendring zum zehnten Mal Ausrichter

Aschaffenburg
5 Min.

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Der Samstag beim Fest Brüderschaft der Völker 2018.
Foto: Thomas Minnich
Der Samstag beim Fest Brüderschaft der Völker 2018.
Foto: Thomas Minnich
Der Samstag beim Fest Brüderschaft der Völker 2018.
Foto: Thomas Minnich
Am Wochenende steigt auf dem Volksfestplatz wieder ein buntes Miteinander der Kulturen: Unter dem Motto »Aschaffenburg – Eine Stadt, eine Welt« findet vom 19. bis 21. Juli das 36. Fest Brüderschaft der Völker statt. Es ist ein kleines Jubiläum für den Aschaffenburger Stadtjugendring (SJR), der das Fest seit zehn Jahren für die Stadt ausrichtet.

Für Burkard Fleckenstein, Leiter des Kulturamts, war es eine gute Entscheidung, die Organisation des Brüderschaftsfests dem Stadtjugendring zu übertragen. Bis 2009 war die Stadt dafür zuständig; das Fest wurde 1983 von Michael Narloch ins Leben gerufen, den Boden bereitet haben Werner Wunderlich vom Kulturamt, der das Fest 26 Jahre lang gemanagt hat, Kollegin Hille Blum hat ebenfalls einen großen Teil dazu beigetragen.

Über 120 Gruppen

Die Basis des Festleitbilds, zu dem Integration und sozialer Frieden gehören, wurde vom Stadtjugendring weiterentwickelt. Unter anderem, so Fleckenstein, habe man es gemeinsam mit dem SJR geschafft, mehr junge Leute aufs Fest zu holen. »Die Umsetzung dieses Wunsches ist geglückt«, sagt Andrea Hefter, beim Stadtjugendring zuständig für Partizipation, Inklusion und interkulturelle Arbeit. Mittlerweile, so schätzt sie, seien etwa ein Viertel der Besucher jünger als 30.

Fest Brüderschaft der Völker Aschaffenburg 2017
Quelle: Moni Münch

Die Stadt schätzt die Arbeit des SJR sehr«, so Burkard Fleckenstein. Es gehe immerhin nicht nur darum, drei Tage lang Party zu machen, sondern die unterschiedlichen Gruppen zusammenzubringen. Der SJR habe wichtige Kontakte zu Vereinen und Organisationen und einen guten Draht zu den mittlerweile über 120 Gruppen, die am Fest teilnehmen.

Friedliches Zusammenleben

»Auf dem Brüderschaftsfest feiern verschiedenste Ethnien friedlich zusammen, ganz gleich was in ihren Heimatländern für Konflikte bestehen.« Dass das Fest eine große Bedeutung für ein friedliches Zusammenleben und Demokratie hat, ist der Stadt laut Fleckenstein 80 000 Euro, dem Stadtjugendring 50 000 Euro wert. Zudem, so Fleckenstein, sei das Fest ein Alleinstellungsmerkmal. »Wir wollten keine normale Eventreihe, wie es sie in anderen Städten gibt.« Auch Hamza Wasfy, der sich unter anderem um die Vorbereitungstreffen der teilnehmenden Gruppen kümmert, ist mit der Entwicklung des Festes zufrieden. Die Qualität sei »hundert Prozent nach oben gestiegen, was Stimmung, Organisation und Teilnehmer angeht.« Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren natürlich gewachsen für das Brüderschaftsfest, zu dem übers Wochenende durchschnittlich 30 000 Besucher kommen. »Wir müssen schauen, dass alle Gruppen einen guten Platz bekommen, sind Dienstleister für Vereine, bieten Schulungen zur Sicherheit an«, so Hefter. Gleichzeitig sei man als Stadtjugendring auch Ideengeber und halte Kontakt zu jungen Leuten. Nicht so einfach sei auch, dass man alle ein bis zwei Jahre meistens neue Leute in den Ablauf einweisen müsse, sagt Andrea Hefter. Grund: Vereine und Organisationen wählen ihre Vorstände neu.

Die Hauptarbeit am Fest sind die Vorbereitungstreffen, die eigentlich schon nach dem letzten Event anfangen. Klar, dass da nicht immer alle einer Meinung sind. »Aber man muss auch Unterschiede aushalten«, sagt Melissa Erdei vom Integrationsbüro. »Sich in großen Gruppen auf einen Kompromiss einigen zu können, ist ein großer Mehrwert, den man aufs große Ganze übertragen sollte.«

An Herausforderung wachsen

Natürlich gab es auch die eine oder andere Herausforderung in all den Jahren, in denen das Fest schon existiert. Zum Beispiel, als es 1998 ausfallen musste, weil zeitgleich Whitney Houston auf dem Volksfestplatz aufgetreten ist, erinnert sich Burkard Fleckenstein. Oder als es Diskussionen darüber gab, ob Ditib Aschaffenburg teilnehmen dürfe. »Die Mediationsrunde vor einigen Jahren war sehr anstrengend«, erinnert sich Andrea Hefter. »Aber man wächst auch daran.« Bedeutend sei, überhaupt in den Dialog zu treten. Für Elisa Narloch, Vorsitzende des SJR, ist es nicht nur wichtig, auf Impulse der Jugend zu setzen, was Konfliktlösung betrifft. »Es braucht auch Erwachsene, die unterstützen, sonst werden die Jugendlichen womöglich nicht ernst genommen. Das merkt man ja an Fridays for Future.« Hauptsache sei, alle werden gehört und die Bereitschaft für Diskussionen sei da. »Wir sind schließlich ein Fest von Aschaffenburg für Aschaffenburg.«

 

Festprogramm 2019
Programm im Zukunftszelt

Freitag: 18 bis 19 Uhr Fridays for Future – Happening und Kundgebung, 19 bis 20 Disko mit DJ Böller und dem Rat für Behinderte, 20 bis 20.05 Uhr Gedenkminute, 20.05 – 21.30 Uhr Disko mit DJ Böller und dem Rat für Behinderte

Samstag: 12 bis 14 Uhr Öffentliche Sitzung des Aschaffenburger Jugendparlaments, 14 bis 15 Uhr Vorstellung der Ahmadiyya-Jugend Aschaffenburg, 15 bis 18 Uhr Drei Werkstätten zu Mitbestimmung, Klima und Brüderschafts-Themen, 18 bis 19 Uhr Gedankenüberprüfung – Die Chance für einen Perspektivenwechsel, 19 bis 20 Uhr Kastagnetten-Workshop mit Tanja la Gatita

Sonntag: 13 bis 16 Uhr Drei Werkstätten zu Mitbestimmung, Klima und Brüderschafts-Themen, 16 bis 17 Uhr Meet & Greet mit den Machern des Fests, 17 bis 18 Uhr Perspektivwechsel – Improtheater mit CreActing

Programm auf der Klangbrettbühne

Freitag: 18.30 Uhr Joana Volz, 19.10 Uhr Kant, 20 Uhr Gedenkminute, 20.05 Uhr Junges Kammerorchester, 20.45 Uhr Babaloda 23 Uhr Flashbaxx

Samstag: 13.15 Uhr Zirkus Namenlos, 13.45 Uhr Samiras Bauchtanzschule, 14 Uhr Breakdance, 15 Uhr Flying Steps, 15.10 Uhr Blechkatzerocker, 16.30 Uhr The Dusky Maiden, 17 Uhr Jetzt und Hier, 17.45 Uhr Vorstellung Zukunftszelt, 17.50 Uhr Edik, 18.15 Uhr Alles von Ed, 19.45 Uhr The Cash Crops, 21.15 Uhr Sirkus, 22.45 Uhr Amateur Funk Jan Kunz

Sonntag: 14 Uhr Tuishi Pamoja, 14.45 Uhr Vorstellung Zukunftszelt, 15.25 Uhr Horizonte Kids, 16 Uhr Pharao, 17.30 Uhr Steven Cole & The Sandwich, 19 Uhr Ten of a Kind

Programm auf der Mainbühne

Freitag: 18 Uhr Sambagruppe Musikschule Aschaffenburg und assyrischer Kulturverein, 18.30 Tanja La Gatita – Flamencotanz und -gesang, 19 Uhr Begrüßung durch Elisa Narloch, Vorsitzende SJR, 19.15 Uhr Halkevi Jugendchor, 19.50 Uhr Eröffnung durch Oberbürgermeister Klaus Herzog, 20 Uhr Gedenkminute, 20.10 Erkan Korkmaz, 21 Uhr Heinz Ratz – 1.000.000 Millionen gegen rechts

Samstag: 13.30 Uhr Amigos Latinoamericanos und Pachamama Bolivia, 14 Uhr Falun Gong, Meditationsleitung: Walter Reissmann, 14.30 Bambusflötist Gua Chen, 14.45 Uhr Orientfunken – Bauchtanz, 15 Uhr Trommelhaus Ensemble Würzburg, 15.45 Uhr Gospel Chor «Hope Of Glory Chapel”, 16.15 Uhr Assyrische Gemeinde - Tanz und Musik, 17 Uhr Mondperlen – Bauchtanz, 17.30 Uhr Colectivo del Nido de las Artes (Nicaragua), 18.20 Uhr Creacting Theaterprojekt, 19.30 Uhr Silvias Tanzschule – Breakdance and more, 20 Uhr Tyiatro Frankfurt – das Nichts und die Frau – erste Liebe, 20.20 Uhr Beitrag der armenischen Gemeinde, 21 Uhr Band der Aleviten Aschaffenburg, 22.20 Uhr Cibelle Dance Collective – American Tribal Style Bellydance, 22.30 Uhr Party an den Ständen

Sonntag: 12.30 Uhr MIPpies – inklusive Band, 14 Uhr Taskin – Kinderbauchtanz, 14.30 Uhr Iliria Tanzgruppe, 15 Uhr Ditib – Tanzvorführung, 15.30 Uhr Band der Aleviten Miltenberg, 16.45 Uhr »Wir für Aschaffenburg« – Preisverleihung, 17 Uhr Abschluss, 18 Uhr Tap Dance Factory – inklusiver Stepptanz, 18.30 Uhr March Mellows Streetband

Hintergrund: Neuigkeiten

Das Konzept des Pflegezeltes, das es erstmals im vergangenen Jahr gab, wurde erweitert. »Wir haben viel positives Feedback bekommen«, so Andrea Hefter. Auf dem Fest wird es diesmal zwei mit Pavillons geben, wo sich nicht nur Pflegebedürftige oder Menschen mit Behinderungen ausruhen, sondern auch Menschen mit Wahrnehmungsstörungen sich zurückziehen können. Das Sanitärzelt ist ausgestattet mit Pflegematerialien, Bett, Waschbecken und Stromanschluss.

Auch im Zukunftszelt ist alles neu: Dieses Mal lautet das Motto »Perspektivwechsel«. So gibt es Bauten, die dem Besucher erlauben, alles aus Kinderperspektive zu erleben. Außerdem soll durch Zeitleisten und einem Jahresrad verdeutlicht werden, wie viel eigentlich hinter dem Fest steckt. Natürlich kann man auch mit den Machern ins Gespräch kommen. Der Narloch-Preis wird dieses Jahr nicht ausgelobt: Das Geld, was Ute Narloch nach dem Tod ihres Mannes zur Verfügung gestellt hatte, dürfen die Ehrenamtlichen, die das Zukunftszelt stemmen, frei verwenden. »Sie haben zunächst in den Preis investiert, der Hintergrund war, Kontakte zu Vereinen zu knüpfen«, so Andrea Hefter. Jetzt wollen sie den Gästen zeigen, was das Fest alles bedeutet.

Die Sprach- und Kulturvermittler der Stadt Aschaffenburg haben auch einige Neuerungen am Stand, und das Integrationsbüro ein eigenes Zelt. Hier werden die verschiedenen Projekte vorgestellt. Mit dabei sind laut Melissa Erdei vom Integrationsmanagement unter anderem eine muslimische Mädchengruppe, die, ähnlich dem Projekt »Free Hugs«, Vorurteile durch Begegnungen abbauen will. Zu den neuen Gruppen, die am Fest teilnehmen, gehören in diesem Jahr unter anderem die Kenia Kids, die Freie Schule Aschaffenburg, der CAJ und die Schaffenburger.

Kostenloses Trinkwasser

Kostenloses Trinkwasser gibt es auch dieses Jahr wieder am Stand Nummer 29 (BRK Getränkestand) und am Stand der Firma Ferrum (Nummer 45). Auf dem Fest gekaufte oder mitgebrachte Flaschen bis zu 0,75 Liter können dort kostenlos aufgefüllt werden.

Trinkflaschen gibt es an den kostenlosen Trinkwasserständen und am Fest-Infopoint neben der Main-Bühne. Die Erlöse kommen der Weiterentwicklung des Festes zu Gute.

 

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