Felix Kühne aus Wasserlos ist seit Oktober Ranger im Spessart

"Mittler zwischen Mensch und Natur"

Alzenau
4 Min.

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Felix Kühne aus Alzenau-Wasserlos ist Ranger im Spessart.
Foto: Lena Schwaiger
Felix Kühne aus Alzenau-Wasserlos ist Ranger im Spessart.
Foto: Naturparkverein Spessart
Felix Kühne aus Alzenau-Wasserlos ist Ranger im Spessart.
Foto: Lena Schwaiger
Seit ei­nem knap­pen hal­ben Jahr hat Fe­lix Küh­ne aus Al­zenau-Was­ser­los ei­nen neu­en Job: Er ist Spess­art-Ran­ger im Main-Spess­art-Kreis und wohnt mitt­ler­wei­le in Lohr. Wie hat er sich ein­ge­fun­den? Wel­che Auf­ga­ben hat er zu meis­tern? Un­ser Me­di­en­haus hat mit dem 24-Jäh­ri­gen ge­spro­chen.

Herr Kühne, Sie haben in Freiburg Waldwirtschaft und Umwelt studiert und anschließend in einem Forstrevier in Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen gearbeitet. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Spessart-Ranger wurden?

Ich war ein knappes Jahr in Lüdenscheid. Der Wald dort ist geprägt von Fichten-Monokulturen und der Problematik mit dem Borkenkäfer. Ich hatte einen Ein-Jahresvertrag - und die Möglichkeit, ihn zu verlängern.

Und wie sind Sie dann in den Spessart gekommen?

Ich komme aus Wasserlos und kenne natürlich den Spessart. Auf die Stellenausschreibung bin ich eher zufällig gestoßen. Ein Alzenauer Förster hat meine Eltern auf die freie Stelle als Spessart-Ranger beim Naturparkverein Spessart angesprochen und gesagt, das sei etwas für mich. Ja, und dann habe ich mich beworben.

Kommen Sie aus einer Familie, die mit Wald und Natur zu tun hat?

Mein Onkel ist Jäger. Als Kind war ich im Alzenauer Verein für Natur- und Vogelschutz aktiv; wir haben zum Beispiel Krötenschutzzäune gestellt und uns um Streuobstwiesen gekümmert. Auch meine Familie hat Obstbäume. Das Interesse an der Natur war also immer schon da. Nach dem Abitur am Alzenauer Spessart-Gymnasium bin ich dann auf den Studiengang Waldwirtschaft und Umwelt aufmerksam geworden, bei dem es vor allem um Waldbau und Ökologie geht.

Wie sah das Bewerbungsverfahren für die Ranger-Stelle aus?

Auf meine Bewerbung hin wurde ich zum Gespräch in die Zentrale des Naturpark-Vereins nach Gemünden eingeladen. Nach dem Gespräch gab es einen Tag Probearbeit. Der hatte es in sich.

Warum?

Es war ein Tag im Sommer 2021, unerträglich heiß. Zu dem Praxistag waren wir im Hafenlohrtal bei Windheim im Kreis Main-Spessart. Neben mir gab es noch drei Bewerber.

Was mussten Sie tun?

Ich musste auf die Schnelle ein Konzept für eine zehnminütige Naturführung erstellen. Dafür habe ich mir das Thema »Spuren im Wald - Tieren auf der Spur« ausgewählt. Das war naheliegend, weil ich auch Jäger bin. Ich habe eine Abwurfstange eines Rothirschs in den Wald gelegt - sie wurde mir vom Naturpark-Verein zur Verfügung gestellt. Anhand der Stange habe ich über das Rotwild informiert. Zusätzlich habe ich Fährten von Reh und Wildschwein erklärt. Dann ging es...

...ja?

um ein Rollenspiel. Um eine Konfliktsituation. Vorgegeben wurde, dass ich als Spessart-Ranger auf Wanderer stoße, die ihren Hund in einem Naturschutzgebiet frei laufen lassen - und zwar in der Setzzeit, in der sich zum Beispiel Rehe um die Aufzucht ihres Nachwuchses kümmern. Ich durfte die Wanderer, in dieser Szene Mitarbeiter des Naturpark-Vereins, freundlich, aber bestimmt darauf hinweisen, dass der Hund an die Leine gehört. Als Spessart-Ranger bin ich Mittler zwischen Mensch und Natur.

Hat's geklappt?

Es geht um autoritäre Ausstrahlung und Kommunikationsgeschick. Ich war wohl belehrend und forsch. Letztlich geht es darum, bestimmt aufzutreten und Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur zu wecken.

Gab es weitere Prüfungen?

Ja. Zum Beispiel musste ich anhand einer Karte einen Wander-Wegweiser im Wald finden. Außerdem wurde Artenkenntnis abgefragt - da ging es um Tiere und Pflanzen. Herr Kühne, wie groß ist das Gebiet, das Sie im Spessart als Ranger zu betreuen haben?Ich bin zuständig für den Kreis Main-Spessart. Meine Kollegin und mein Kollege kümmern sich um die Kreise Miltenberg und Aschaffenburg.

Als Ranger sind Sie ja wohl überwiegend im Spessart in der frischen Luft unterwegs, oder?

Nein. Etwa die Hälfte der Arbeitszeit verbringe ich am Schreibtisch.

Welche Büroaufgaben gibt's?

Führungen durch die Natur müssen vorbereitet werden. Jahresberichte über die Ranger-Arbeit wollen geschrieben werden - ebenso die Schadensmeldungen, wenn Wegweiser für Wanderer defekt sind. Wir erstellen Programmhefte und Flyer. Das Wassererlebnis-Haus in Rieneck wird im Mai zehn Jahre alt: Wir überlegen uns, das wir da Besonderes anbieten können.

Welche Aufgaben kommen - drinnen oder draußen - dazu?

Wir arbeiten mit den Gebietsbetreuern des Naturparkvereins zusammen, die sich etwa darum kümmern, dass Naturschutzgebiete wie das Hafenlohrtal zwischen Rothenbuch im Kreis Aschaffenburg und Hafenlohr im Kreis Main-Spessart nicht mit Büschen zuwuchern. Wir Ranger vom Naturpark unterstützen sie dabei. Die Umweltbildung ist ein weiteres Thema: Wir bieten Führungen an, betreuen ehrenamtliche Naturparkführer, gehen an Schulen. Wichtig ist natürlich auch die Wanderinfrastruktur: Wege, Wegweiser, Infotafeln, Lehr- und Erlebnispfade quer durch den Spessart. Gerade die Wegweiser sind eine Dauerbaustelle - der Naturpark-Verein hat die Aufgabe, sie instand zu halten. Allein im Kreis Main-Spessart gibt es 300 Pfosten.

Was hat Sie bislang am meisten an Ihrer neuen Aufgabe gestört?

Der Müll. Es ärgert mich, wenn die Leute achtlos ihren Müll in den Wald werfen.

Ihr schönstes Erlebnis?

Eine Obstbau-Pflanzaktion mit ehrenamtlichen Naturfreunden im Dezember bei Wiesthal. Diese Aufgabe hatte ich übernommen - es ist super gelaufen. Ich freue mich sehr darauf, im Sommer Naturführungen machen zu können - wenn Corona es zulässt.Haben Sie einen Lieblingsplatz in Main-Spessart?Mehrere. Hafenlohrtal, Weihersgrund, Sinntal. Die Bachtäler. Die Laubmischwälder mit Buchen und Eichen. Die Wiesen. Die Auen. Das alles macht den Spessart aus.

Zur Person: Felix Kühne

Seit 1. Oktober 2021 ist Felix Kühne aus dem Alzenauer Stadtteil Wasserlos Spessart-Ranger. Er arbeitet für den Naturpark-Verein bayerischer Spessart mit Sitz in Gemünden (Kreis Main-Spessart). Zuständig ist der 24-Jährige für den Main-Spessart-Kreis, deshalb ist er auch nach Lohr gezogen.

Laut Naturpark ist Kühne wie seine Ranger-Kollegen Victoria Schuler und Andreas Gries als »Mittler zwischen Mensch und Natur« im Spessart unterwegs.Hintergrund: Durch die »Naturoffensive Bayern« (2018) werden in allen 19 Naturparks im Freistaat Ranger eingesetzt. Ihre Stellen werden vom Umweltministerium gefördert. Im bayerischen Spessart gibt es derzeit drei Ranger. Felix Kühne hatte sich im vorigen Jahr um eine frei gewordene Stelle beworben - mit Erfolg.

Generell: Der Ranger ist kein Wildhüter oder Aufpasser mit hoheitlichen Befugnissen, sondern Vermittler, der Besuchern die Besonderheiten des Naturparks näherbringen soll. Aufgaben: Naturschutz, Landschaftspflege, Besucherlenkung, Bildungs- und Informationsarbeit, Mitarbeit bei Forschungen im Spessart.

Weitere Infos gibt es unter: www.naturpark-spessart.de

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