Experten prüfen Blaulicht-Szenen in Film und Fernsehen - Was stimmt und was stimmt nicht?

Aschaffenburg
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Mehr zum Thema: Irrtum in Serie
Irrtum in Serie*: In Film und Fernsehen werden immer wieder Irrtümer gezeigt. Paradebeispiel: Schock bei Herzstillstand. Wir konfrontieren Experten aus dem Blaulichtbereich mit Szenen, die sie für uns bewerten. Klinikum Aschaffenburg, York Zausig © Harald Schreiber © Harald Schreiber
Foto: has
In unserer Video-Reihe schauen wir gemeinsam mit Experten Filme und Serien. Ein Arzt, ein Polizist und ein Gefängnisleiter stellen klar, was in Film und Fernsehen stimmt – und was nicht. Den Anfang macht Mediziner York Zausig.

Der Monitor neben dem Patienten zeigt eine durchgängige gerade Linie und piepst schrill – jeder Fan von Krankenhausserien weiß, was das heißt: Herzstillstand. Jemand ruft um Hilfe. Aus allen Ecken rennen Leute herbei. Ein Arzt brüllt Anweisungen durch den Raum und schockt den Patienten.

Wir haben York Zausig gefragt, ob diese und andere Medizin-Szenen in Film und Fernsehen realistisch sind. Und er muss es wissen: Er ist Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau.

In unserer vierteiligen Video-Reihe »Irrtum in Serie« erklären Experten wie York Zausig, was in Film- und Fernsehszenen richtig ist – und was nicht. Neben dem Chefarzt stehen der Leiter der Justizvollzugsanstalt in Aschaffenburg, Frank Dickmann, und in zwei Folgen der Sprecher der Polizei Unterfranken, Michael Zimmer, Rede und Antwort. Den Anfang zur Serie macht Mediziner Zausig. Aus rechtlichen Gründen haben es die folgenden beiden Szenen nicht ins Video geschafft. Vorenthalten wollten wir sie Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, aber trotzdem nicht.

Adrenalinspritze ins Herz

Viele kennen die Szene aus dem Tarantino-Film »Pulp Fiction«: Uma Thurman liegt nach einer Überdosis regungslos auf dem Boden und John Travolta rammt ihr eine Adrenalinspritze mitten ins Herz. Und es funktioniert: Thurman schreit wie am Spieß, springt auf. Sie lebt.

Der Tarantino-Streifen gehört zu Zausigs Lieblingsfilmen. Trotzdem gibt es Kritik: Sie hätte reanimiert werden müssen. Doch von »Prüfen, Rufen, Drücken« ist nichts zu sehen. »Die Patientin hätte leider keine Überlebenschance gehabt«, ist sich der Arzt sicher.

In »The Abyss« ist eine junge Frau bewusstlos. Sie atmet nicht. Ihr Team will ihr helfen. Einer will sie mit einem Defibrillator schocken, ein anderer stoppt ihn: »Das geht nur auf nackter Haut.« Auch nach mehrfachen Schocks, auf-den-Brustkorb-Drücken und Beatmen reagiert sie nicht. Einer ihrer Kollegen schreit sie daraufhin an: »Fang an zu kämpfen!« Er ohrfeigt sie links, rechts – und sie wacht auf.

Irrtum in Serie (1): Was ein Aschaffenburger Chefarzt zu Medizin-Szenen sagt
Quelle: Veronika Schreck
Patienten wach-ohrfeigen?

»Das wäre ja schön, wenn das immer so wäre«, kommentiert Zausig trocken. Ob er schon Patienten wach-geohrfeigt hat? »Bis jetzt noch nicht, aber ich überlege, ob ich das einführe«, sagt er und lacht. Aber viele wichtige Aspekte habe er gesehen: Beatmen und Drücken im Wechsel. Es war zwar noch nicht ganz optimal. Das wäre 30 Mal Drücken und zweimal Beatmen, und das möglichst in der richtigen Frequenz – aber immerhin.

Das Video zu unserer Reihe gibt's in unserem Dossier "Irrtum in Serie".

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