Erstmals gibt es einen »Rat der Menschen mit Behinderung«

Julia Frank, Udo Liebmann und Wolfgang Lauermann gewählt

ASCHAFFENBURG
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Die Lebenshilfe Aschaffenburg hat erstmals einen »Rat der Menschen mit Behinderung« gewählt (von links): Jule-Stine Schmitt (Stellvertreterin), Udo Liebmann, Hubert Volland (Vorstand Lebenshilfe), Günter Fries (Ehrenamtlicher, Lebenshilfe), Gerhard Reisert (Wahlleiter), Thomas Wohlfarth, Manuel Izer (beide Stellvertreter), Wolfgang Lauermann und Julia Frank. Foto: Petra Reith
Foto: Petra Reith
Zum ersten Mal seit Gründung der Lebenshilfe e.V. Aschaffenburg vor gut 50 Jahren gibt es nun einen »Rat der Menschen mit Behinderung«. Für die nächsten vier Jahre werden nun Julia Frank, Udo Liebmann und Wolfgang Lauermann als Selbstvertreter die Anliegen der Frauen und Männer mit geistiger Behinderung im Verein noch deutlicher zur Sprache bringen.

Gewählt wurden die drei Mitglieder und ihre drei Stellvertreter in geheimer Abstimmung am Freitag im evangelischen Jugendzentrum. Als Stellvertreter wurden Jule-Stine Schmitt, Manuel Izer und Thomas Wohlfarth gewählt. Dass es diesen Rat nun tatsächlich gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Bereits vor vier Jahren wurde er auf Initiative von Günter Fries in die neugestaltete Vereinssatzung aufgenommen.

»Damals war aber noch kein Mitglied mit Behinderung bereit, sich aufstellen zu lassen«, erinnert sich Selma Mattern vom Bereich Freizeit, Begegnung, Bildung. Angst vor Überforderung, zu wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, zu viel Respekt vor dem Vorstand seien einige Gründe gewesen.

Intensive Vorbereitung

Das hat sich nun geändert, auch dank der intensiven Vorbereitung auf die Wahl durch eine eigens aufgestellte Planungsgruppe. Ihr gelang es, sechs Kandidatinnen und Kandidaten auf die Abstimmung vorzubereiten, sie auf ihre Stärken zu besinnen, ihnen Mut und Selbstvertrauen zuzusprechen.»Ein gutes Jahr lang hat das gedauert«, erinnert sich Heiko Knapp, Leiter Freizeit, Begegnung, Bildung. Alle Kandidaten arbeiten entweder in den Werkstätten oder auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz und haben bereits Erfahrung im ehrenamtlichen Engagement gesammelt, beispielsweise bei den »Engeln«, die regelmäßig bei Festen und Aktionen mithelfen. Oder beim Spieletreff, den Tanzgruppen, den Radiomakern und im Café Freitag. »Sie alle haben gelernt, mit Nicht-Behinderten auf Augenhöhe zu sprechen«, sagt Selma Mattern.

Aufregender Wahlnachmittag

Aufregend war er, der Wahlnachmittag im Jugendzentrum. Mit alkoholfreien Cocktails und belegten Brötchen, allesamt vorbereitet von Menschen mit Behinderung, wurde die Wartezeit verkürzt. Unter den derzeit 460 Mitgliedern der Lebenshilfe Aschaffenburg sind 36 Frauen und Männer, die an einer Behinderung leiden. Ausschließlich diese Gruppe war wahlberechtigt. Streng korrekt ging es zu, mit Gerhard Reisert und Günter Fries als Wahlleiter. »Unser Ziel ist es, eure Anregungen ernst zu nehmen, ihr sollt mit dem eigenen Kopf entscheiden«, fasste Reisert, der viele Jahre die Comeniusschule geleitet hatte, die Bedeutung des Rats zusammen.Hubert Volland, der die erkrankte Vorsitzende Kirsten Simon vertrat, dankte besonders Günter Fries: »Ohne Dich würde diese Wahl hier nicht stattfinden.« Fries erhielt die Verdienstmedaille des Vereins.

Jubel und Enttäuschung

Alle sechs Kandidaten stellten sich kurz vor, dann verteilte Michael Stoll, Leiter der offenen Hilfen, die Wahlzettel, die geheime Wahl in den eigens eingerichteten Kabinen begann. Als das Ergebnis verkündet wurde, war die Freude bei den drei Gewählten groß. Allerdings auch die Enttäuschung bei denen, die den Stellvertreterstatus erreichten.

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