Erinnerung durch Alkohol vernebelt?

Gericht: 36-Jähriger soll mit dem Messer auf Freundin eingestochen haben - Versuchter Totschlag angeklagt

Aschaffenburg
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We­gen ver­such­tem Tot­schlag muss sich ein 36-Jäh­ri­ger vor dem Aschaf­fen­bur­ger Land­ge­richt ver­ant­wor­ten: Der Mann soll am 27. No­vem­ber 2014 ge­gen 17 Uhr in der Asyl­be­wer­ber-Un­ter­kunft in der Schwein­fur­ter Stra­ße sei­ne acht Jah­re äl­te­re Freun­din mit dem Mes­ser im Ge­sicht ver­letzt ha­ben.
Der Angeklagte äußerte sich bisher nicht. Ein 30-jähriger Zeuge, der bei der Attacke anwesend war, bestätigte am Donnerstag nach einigem Zögern die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Das Opfer will sich an die entscheidenden Momente nicht mehr erinnern können: Obwohl ein Alkoholtest eine Stunde nach der Tat bei der Frau gerade mal 0,66 Promille ergab, blieb sie im Gericht dabei: Sie wisse nicht, was genau passiert ist. Der Angeklagte und sie hätten an diesem Nachmittag sehr viel Rum und Bier getrunken. Allerdings ist aktenkundig, dass die Frau den 36-Jährigen in der Vergangenheit schon mehrfach angezeigt hatte: Der Mann habe sie immer wieder misshandelt.
Strafbefehl und Haft
Der Versuch, den Angeklagten bei der Ermittlungsrichterin reinzuwaschen, ist für die beiden Zeugen in der Vergangenheit schon einmal schief gegangen: Die Frau bekam wegen der uneidlichen Falschaussage einen rechtskräftigen Strafbefehl über 900 Euro, der Mann wegen eines Meineids eine Haftstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.
In der Anklage wird das Geschehen vom 27. November 2014 so geschildert: Der Angeklagte habe in seinem Zimmer zunächst mit seiner Freundin gestritten. Plötzlich soll der Mann ein auf dem Tisch liegendes Küchenmesser genommen und auf die auf dem Bett sitzende Frau eingestochen haben. Vorher habe er der sich heftig wehrenden Frau gedroht: Er werde ihr das Gesicht zerschneiden und sie töten. Tatsächlich hatte die Frau Schnittverletzungen an der Innenseite ihrer linken Hand erlitten, als sie seinen Angriff abwehrte.
Oberstaatsanwalt Helmut Hasenstab geht offenbar davon aus, dass der Angeklagte das Gesicht seines Opfers in Glasscherben hin und her bewegt hatte. Der Zeuge hat das nach eigenen Angaben aber nicht gesehen.
Der Angeklagte habe sie im Streit aufs Bett gedrückt, sagte die 44-jährige Frau: Dabei sei sie wohl durch dort liegende Scherben verletzt worden. Dass der Angeklagte ein Messer benutzt habe, habe sie nur gesagt, weil sie auf den Mann sauer gewesen sei.
In Glasscherben gefallen
Der 30-jährige Zeuge war bei der Ermittlungsrichterin trotz intensiver Belehrung dabei geblieben war: Er habe beim Angeklagten kein Messer gesehen. Die Frau sei wohl verletzt worden, weil sie während einer Rangelei mit dem Angeklagten in Glasscherben gefallen sei.
Heute gibt der 30-Jährige zu Protokoll: Der Angeklagte habe ihn zu dieser Aussage »überredet«. Der Mann habe ihn zwar nicht direkt bedroht, ihm aber zu verstehen gegeben, dass er ihm helfen könnte.
Der Prozess wird am 8. Dezember fortgesetzt.
Wolfgang Dreikorn
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