Eine schillernde Dichterpersönlichkeit

Bühne: Heinz Kirchner inszeniert mit dem Abart-Theater das Leben Julius Maria Beckers - Uraufführung am 18. März

Aschaffenburg
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»Dalbergtauben«: In seinem aktuellen Stück setzt sich Heinz Kirchner mit dem Dichter Julius Maria Becker auseinander. Premiere ist am Donnerstag im Stadttheater.

Foto: Harald Schreiber
Die schillernde Persönlichkeit des Aschaffenburger Dichters Julius Maria Becker interessiert den Regisseur des hiesigen Abart-Theaters, Heinz Kirchner, schon seit langem. Bereits 2002 inszenierte er Beckers morbides Mysterienspiel »Der Brückengeist - Ein Spiel vom Tode«, danach organisierte er einen Becker-Lyrik-Abend.
In seinem aktuellen, selbst verfassten Stück »Dalbergtauben«, das am Donnerstag im Aschaffenburger Stadttheater Uraufführung hat, wagt Kirchner als Autor und Regisseur eine biografische Annäherung an den Dichter, der wegen seiner Nähe zu den Nationalsozialisten umstritten ist. Kirchner verzichtet dabei auf eine chronologische Erzählweise. »Ich setze biografische Schlaglichter«, so der Autor und Regisseur über sein Stück.
Damit das Publikum sich bei den 20 ständig in der Zeit springenden Szenen nicht im Dickicht der Chronologie verliert, wird eine Art Abreißkalender Orientierungshilfe bieten, so Kirchner. Dreh- und Angelpunkt ist die Beziehung Beckers zu seiner Frau Luise.
Kirchner genügen vier Schauspieler um das Leben Beckers bühnenaglich zu machen: Das junge Paar wird von Johanna Serg und Thomas Amberg gespielt. Den älteren Becker stellt Albrecht Sylla dar. Luise spielt Sabine Grant-Siedel.
Gedichte vertont
Ergänzt wird die Inszenierung von vertonten Gedichten, die Berthold Brunn mit Melodien versehen hat.
Als Grundlage für »Dalbergtauben« hat Kirchner Gerrit Walthers Becker-Biografie herangezogen, die anlässlich einer Ausstellung 1989 im Stadt- und Stiftsarchiv erschienen war.
In Julius Maria Beckers Leben spiegeln sich die Schrecken, Irrungen und Widersprüche der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde er am 29. März 1887 in der Dalbergstraße 30. An der Stelle seines Geburtshauses steht heute die Stadtloggia. Neben seinem Brotberuf als Volksschullehrer in Damm schreibt er zunächst Theaterkritiken für die Zeitung und veröffentlicht Gedichte.
Ein erster Erfolg war das expressionistische Drama »Das letzte Gericht«, das ihn deutschlandweit bekannt machte. Zwischen 1913 und 1948 erschienenen über 30 Dramen, die an Theatern in ganz Deutschland gespielt wurden. Sein größter Erfolg wird »Der Brückengeist«. Dieser erlebt 1929/30 über 50 Premieren und macht Becker kurzzeitig berühmt.
Misstrauen gegen die Moderne
Beckers tiefes Misstrauen gegen die Moderne, seine Nähe zu einem kleinbürgerlichen Katholizismus und seine Rückwärtsgewandtheit veranlassten ihn, 1933 in die NSDAP einzutreten, so Kirchners Deutung. Den Nazis waren die Dramen des Aschaffenburgers indes zu wenig kämpferisch. Seine Stücke wurden kaum noch gespielt. Becker wandte sich enttäuscht von den Machthabern ab.
Das nützte ihm nach dem Krieg nicht viel. »Den Ruf als Nazi-Becker wurde er auch posthum nicht mehr los«, so Kirchner. Im November 1948 erhält sein Drama »Das Mahl des Herrn« an Gustaf Gründgens’ Düsseldorfer Schauspielhaus vernichtende Kritiken.
Auch seine Heimatstadt wendet sich von ihm ab. »Welch ein neidisches, hässliches, undankbares, heimtückisches Pack, für das ich ein ganzes Leben der Provinzverschollenheit geopfert habe«, beschimpft er die Aschaffenburger, als 1947 nicht er, sondern der Maler Adalbert Hock zum Ehrenbürger der Stadt ernannt werden sollte. Ein halbes Jahr später, am 26. Juli 1949, stirbt Becker.
Alexander Bruchlos

Aufführungen im Stadttheater Aschaffenburg am 18., 19. und 20. März, jeweils 20.30 Uhr, Einführungsvortrag jeweils um 20 Uhr. Karten an der Theaterkasse, Tel. 0 60 21/2 70 78.
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