Eine kurze Geschichte des Zweifels

Bühne: Ab-Art-Theater inszeniert Albrecht Syllas »Märtyrer« - Vorlage ist eine Erzählung - Uraufführung am Freitag

Aschaffenburg
2 Min.

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Sie spielen »Märtyrer« (von links): Schauspieler und Autor Albrecht Sylla, Thomas Amberg, Sabine Grant-Siedel und Carolin Meier.
Foto: privat
Glaube und Zweifel sind die Themen des Buchs »San Manuel Bueno, Märtyrer«, eine späte Erzählung des baskischen Autors Miguel de Unamuno aus dem Jahr 1933. Vom 25. bis 27. März bringt das freie Ensemble des Ab-Art-Theaters unter dem Titel »Märtyrer« eine dramatisierte Fassung der Erzählung im Aschaffenburger Stadttheater auf die Bühne. Eine Uraufführung:
Schauspieler und Autor Albrecht Sylla hat die Vorlage für das Theater umgeschrieben.
Der Aschaffenburger war 2003 während eines Sabbatjahres in einem Literaturseminar an der Universität von Granada auf den Text gestoßen. »Seitdem hat er mich beschäftigt«, sagt er. Das Thema, das in der 50 Seiten starken Erzählung sprachlich dicht und voller Symbolkraft behandelt wird, und der Dialogreichtum haben Sylla schließlich bewogen, den Text für die Bühne zu bearbeiten.
»Der Kern des Stücks ist der Zweifel am Glauben und an eigenen Überzeugungen.« In dem Stück ist es der Protagonist, der Priester eines kleinen spanischen Bergdorfs, der von genannten Zweifeln geplagt wird. Im Ort hilft er, wo er nur kann und wird von den Menschen entsprechend geliebt. »Er ist die Verkörperung des guten Menschen«, sagt Sylla. Nur von seiner Glaubenskrise ahnt kaum einer etwas. Ein zeitloses Thema, findet der Autor, der »Märtyrer« in einer nicht näher definierten Vergangenheit belassen hat.
Der Titel bezieht sich auf den ursprünglichen Sinn des Wortes: »Ein Märtyrer ist einer, der Zeugnis ablegt«. Auch das Leiden schwingt mit. »Es ist ein schillernder Begriff« bestätigt Regisseur Heinz Kirchner, der seit September mit seinem Ensemble an dem 70-minütigen Stück probt. Neben Sylla, der den Priester mimt, spielen Sabine Grant-Siedel, Carolin Meier und Thomas Amberg. Auf eine Person, die im Roman vorkommt, hat Sylla in seiner Bühnenfassung verzichtet, um die Beziehung zwischen den Figuren anschaulicher zu machen.
Das Bühnenbild ist - wie bei allen Ab-Art-Theaterstücken - möglichst einfach gehalten. »Das hat natürlich auch praktische Gründe«, sagt Regisseur Kirchner, dem nach den Durchläufen in einer Hösbacher Schulturnhalle nur zwei Probentermine an der Aufführungsstätte im Stadttheater verbleiben. Doch der Verzicht auf Effekte kommt der Intensität zugute, ist er überzeugt. Das Publikum konzentriere sich mehr auf das Spiel der Schauspieler. Und darauf komme es in »Märtyrer« an: Nicht ein mitreißender Handlungsstrang, sondern die sprachlichen Auseinandersetzungen stehen im Mittelpunkt. Obwohl auch in der Erzählung viele Dialoge zu finden sind, hat Sylla nur wenig Originalzitate Miguel de Unamunos verwendet und ins Deutsche übersetzt. »Was in Romanform funktioniert, ist auf das Theater nicht eins zu eins übertragbar«, sagt Sylla. »Man braucht die Zuspitzung auf der Bühne«, bestätigt Regisseur Kirchner. Dreimal hat Sylla den Text überarbeitet, bis die jetzige Fassung fertig war. Auch während der Proben tauchten immer wieder Stellen auf, die spontan geändert wurden.
Als Ergänzung hat Sylla Gedichte des spanischen Autors und Unamuno-Zeitgenossen Antonio Machado (1875 bis 1939) ausgewählt, die von einem Sprechchor rezitiert werden. Es ist nicht die einzige Uraufführung des Ab-Art-Theaters in diesem Jahr. In der Spielzeit 2011/2012 bringt es Heinz Kirchners Stück »Alte Männer in lächerlichen Outfits« auf die Bühne.
Alexander Bruchlos

Aufführungen: Freitag bis Sonntag, 25. bis 27. März, jeweils 20.30 Uhr im Stadttheater. Tickets unter Tel. 0 60 21/27 078. Theatergespräch im Martinushaus am Mittwoch, 30. März, um 19.30 Uhr.
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