Ein Stück deutscher Geschichte

Kunst: Erben Siegfried Rischars schenken der Stadt das gestaltete Berliner Mauer-Element in der Grünewaldstraße

Aschaffenburg
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Aschaffenburg, Gentilhaus, Grünewaldstr. 20, Stadt erhält Teil
Voller Symbolkraft: Petra Rischar-Fechter (links) und Anette Faller schenken der Stadt Aschaffenburg das Teilstück der Berliner Mauer, das ihr Vater Siegfried Rischar (1924 bis 2009) gestaltet hat. Rechts: Oberbürgermeister Klaus Herzog. Foto: Bj
Foto: Björn Friedrich
Siegfried Rischar 1991 bei der Anlieferung des Mauerstücks.
Foto: Harald Schreiber
Seit 25 Jah­ren prägt das von Sieg­fried Ri­schar ge­stal­te­te Teil­stück der Ber­li­ner Mau­er den Gar­ten des Ate­liers in der Grü­ne­wald­stra­ße. Jetzt ha­ben die Er­ben des 2009 ge­s­tor­be­nen Aschaf­fen­bur­ger Kul­tur­p­reis­trä­gers das 3,25 Me­ter ho­he und 1,20 Me­ter brei­te, beid­sei­tig be­mal­te Werk der Stadt Aschaf­fen­burg ge­schenkt.
Die Schenkung sei der Wunsch ihres Vaters gewesen, betonte die Tochter des Künstlers Petra Rischar-Fechter, die mit ihrer Schwester Anette Faller zur Übergabe am Mittwoch gekommen war. Bis zuletzt hatte Rischar in dem Atelier in der Grünewaldstraße gearbeitet. Heute wird es von dem Bildhauer Konrad Franz genutzt.
Der Gründer des Berliner Mauermuseums »Haus am Checkpoint Charlie«, Rainer Hildebrandt, hatte dem Aschaffenburger das Mauerstück 1991 geschenkt. Es war zugleich Dankeschön und Erinnerung an Rischars Arbeiten für das Berliner Museum, das an die zahlreichen Fluchtversuche und Mauertoten erinnert.
Der Aschaffenburger Rischar hatte sich immer wieder mit der Teilung Berlins und Deutschlands auseinandergesetzt. Mit seinem Entwurf »Der Rosengruß« gewann er Jahre vor dem Mauerfall 1986 den dritten Preis des Wettbewerbs »Überwindung der Mauer durch Gestaltung der Mauer«.
Lebenslanger Berlin-Bezug
Eine Variante dieses Motivs prägt die Gestaltung des Aschaffenburger Mauer-Teilstücks. »Der Berlin-Bezug war für ihn zeitlebens von Bedeutung«, sagte der Leiter der städtischen Museen Thomas Richter am Mittwoch.
Seine Freundschaft mit dem Berliner Künstler und Organisator Ben Wagin führte Rischar seit den 1970-er Jahren immer wieder in die geteilte Stadt. In Galerien stellte er aus und schuf mehrere große Werke für den öffentlichen Raum, die noch heute in der Hauptstadt sehen sind, so Oberbürgermeister Klaus Herzog in seiner Dankesrede: etwa das Fassadenbild »Der Weltbaum« von 1975 und die Installation »Werden, Sein, Vergehen« am Berliner S-Bahnhof Savignyplatz, auch »Weltbaum II« 1986. Die Motive auf dem Aschaffenburger Mauerstück sind kraftvolle Symbole für den Kampf für Freiheit und Frieden: Während eine Seite einen Arm in Ketten zeigt, ist auf der dem Atelier-Hof zugewandten Fläche ein gemalter Riss in der Mauer zu sehen, mit Händen, die eine Rose überreichen. In Zeiten, in denen Länder weltweit die Errichtung von Grenzzäunen und Mauern erwägen, ist Rischars Symbolik noch immer aktuell.
Der 1924 geborene Künstler hatte den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen für Deutschland erlebt. Er wusste, was eine trennende Mauer für Menschen bedeutet. »Als ein wunderbares Zeichen und ein Stück deutscher Geschichte«, beschreibt Museumschef Richter das Werk. Um die Arbeit vor der Witterung zu schützen, soll ein Dach auf dem Mauerstück angebracht werden, kündigte der Museumsleiter an.
Alexander Bruchlos
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