Ein Dorf im Ferienmodus

Zu Fuß durch Heinrichsthal: Im Sommer scheint die höchstgelegene Spessartgemeinde Luft zu holen

Heinrichsthal
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Die Pfarrkirche St. Georg prägt das Ortsbild.
Foto: Alexander Bruchlos
Heinrichsthal Ortsschild
Foto: Alexander Bruchlos
Sie bestimmten die Landwirtschaft von anno dazumal: die historischen Landmaschinen der Freiluftausstellung am Rande des Gewerbegebiets.
Foto: Alexander Bruchlos
Ein Ort der Andacht: Die Grotte in Heinrichsthal.
Foto: Alexander Bruchlos
Auch im Miniaturformat schön anzusehen: Kirchennachbau am Ortseingang.
Foto: Alexander Bruchlos
Stephanie Axhaj leitet das Haus der offenen Tür.
Foto: Alexander Bruchlos
Erinnerung an die Anfänge der Gemeinde: Der Glasbläser-Brunnen in der Ortsmitte.
Foto: Alexander Bruchlos
So ein sc­hö­ner, son­ni­ger Tag, und dann das: »Ur­laub« liest der jun­ge Mann in Bau­ar­bei­ter­ho­se auf dem Schild der Hein­richstha­ler Bä­cke­rei. Ent­täuscht kehrt der Hand­wer­ker zu­rück zur Bau­s­tel­le am Kin­der­gar­ten. Da auch die ört­li­che Metz­ge­rei Som­mer­pau­se hat, trifft ihn die Sch­lie­ßung be­son­ders hart.

Erst nach den Ferien sind Brötchen, Wurst und Fleisch wieder verfügbar. In einer Gemeinde von der Größe Heinrichsthals sind eine eigene Bäckerei mit angeschlossenem Lebensmittelmarkt und eine Metzgerei keine Selbstverständlichkeit, das wissen die Menschen. In der Ferienzeit merken die Daheimgebliebenen, wie wichtig die Nahversorgung vor Ort ist.
An diesem Sommertag lassen sich Heinrichsthals Bürger nur vereinzelt blicken. Ein Anwohner im Wiesthaler Weg nutzt seinen Urlaub, um seinen Gartenzaun auf Vordermann zu bringen. In seiner Garage hat er eine provisorische Werkstatt eingerichtet.
An Geschichte erinnert
Am neu gestalteten Ortskern plätschern die Brunnen mit den Glasbläser-Figuren, die an frühere wirtschaftliche Schwerpunkte erinnern. »Heinrichsthal - Wo Leben ein Erlebnis ist«, prangt auf den drei stolzen Fahnen daneben. Die Bänke am Rande des Platzes sind an diesem Vormittag allerdings verwaist. Nur eine vergessene Trinkflasche erinnert daran, das der Platz zu anderen Tageszeiten offenbar belebter ist.
Die Geschichte des Dorfs ist auch Thema der Freiluft-Dauerausstellung am Rande des Gewerbegebiets. Rostrote Landmaschinen aus alter Zeit - darunter ein »Kartoffelhexe« genannter Schleuderroder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - geben einen Einblick in die Feldarbeit von anno dazumal. Ein Sitzbank lädt zum Verweilen. Ein Aschenbecher mit Zigarettenkippen zeigt, dass das Angebot auch angenommen wird.
Stephanie Axhaj ist eine der wenigen, die an diesem Sommermorgen in den Straßen des Dorfs unterwegs sind. In der Spessartstraße verteilt die 34-Jährige Programme für das von ihr geleitete Haus der offenen Tür (Hot), den im Dezember 2016 eröffneten Dorftreff. Zwar macht auch das Hot Sommerpause. Doch die Wochen bis zum Start der nächsten Saison vergehen schnell.
Axhaj, die in Heinrichsthal aufwuchs und nach drei Jahren am Chiemsee vor zehn Jahren in ihr Heimatdorf zurückkehrte, leitet das Hot und koordiniert die Angebote. Sie ist mit der Resonanz zufrieden. Der von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern unterstützte Treff spreche alle Altersgruppen an. Neben einem Treff für Senioren gibt es Bastelangebote für Kinder in der eigenen Werkstatt, Vorträge und Kochkurse. Auch die Bibliothek werde eifrig genutzt, sagt Axhaj.
Wunsch: Ein Biergarten
Ein Familienvater, der seit 20 Jahren im Ort lebt, möchte sich als »Noigeplackter« lieber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und daher seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Doch der gebürtige Johannesberger hat durchaus Wünsche: Eine Gaststätte mit Biergarten wäre nicht schlecht. Auch der Übergang zwischen Zug und Bus am neuen Bahnhalt in Heigenbrücken von und nach Heinrichsthal funktioniere längst nicht reibungslos, klagt der Vater. Wiederholt habe er seine Tochter mit dem Auto in Heigenbrücken abholen müssen, weil sie den Anschluss verpasste.
Das Brennholz ist in dem hochgelegenen Spessartort, in dem die Winter besonders kalt werden können, schon im Sommer ein Thema. In vielen Schuppen lagern schon die Stapel für die kalte Jahreszeit, die noch in weiter Ferne scheint.

bAlle Teile der Serie im Internet: www.main-echo.de

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