Echt voll krasse Geschichten

Lesung und "Hohler Chaussee" Sechzig Gäste amüsieren sich in der rappelvollen "Lesekatze"

Schöllkrippen
2 Min.

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Echt voll krasse Geschichten
Als "Mädchen in lila Plastikstiefeln" traten in der "Lesekatze" Susanne Hasenstab (links), Autorin der Mundart-Kolumne "Hohler Chaussee,  und Tanja Bandhauer auf.
Foto: Doris Huhn
Alle waren sie da und das war auch gut so: Willi und Bernd, halb versackt in der Kneipe, Anastasia-Cheyenne und Romina in schreiend knall-lila Plastikstiefeln, Vater Herbert mit praller Kissen-Wampe, Sohn Ralf-Dieter am Rande der Verzweiflung und...
Wer am Freitagabend Susanne Hasenstabs Lesung aus ihrem Aschaffenburg-Roman "Der Zukunftsberg" besuchte, bekam einen zwerchfellerschütternden Doppelpack serviert. Denn im zweiten Teil des Abends trug sie gemeinsam mit Tanja Bandhauer, Stefan Fuchs und Emil Emaille fünf Szenen ihrer Mundart-Kolumne "Hohler Chaussee" live vor - und die etwa 60 Besucher in der rappelvollen "Lesekatze" amüsierten sich glänzend.

Turbulent und skurril In ihrem Erstling "Der Zukunftsberg" erzählt Susanne Hasenstab die Geschichte der 19-jährigen Marlies Rothenbücher, die sich nach ihrem Abitur einem schier unüberwindlichen Berg von Zukunfts-Möglichkeiten gegenübersieht und einen turbulenten Sommer voller Skurrilitäten erlebt. Mit Ironie und spitzer Feder beschreibt die 24-jährige Daxbergerin die Familienmitglieder von Marlies, stattet sie beim Lesen mit Stimmen in unterschiedlichen Höhen aus, mal hektisch plappernd, mal stoisch-langsam die Befindlichkeiten mitteilend.

Ihr detaillierter Blick auf den alltäglichen Wahnsinn im Kahlgrund und anderswo sorgt im Publikum für Wiedererkennungsmomente mit Schmunzel-Garantie, einige Szenen provozieren ein sattes Lachen. Da packt die Oma aus Mensengesäß ihrer Aschaffenburger Verwandtschaft nach der Abi-Feier von Marlies doch glatt ihre stinkenden Bioabfallsäcke in den Kofferraum, denn in der Stadt kost's ja nix.

Mundart mit Lust und Laune Die akribischen Schilderungen der Feier haben teilweise etwas Sezierendes an sich, ohne abstoßend zu wirken. "Um Mitternacht lagen überall lallende Leiber herum", liest die Autorin vor und beschreibt, wie Mittelalter-Fan Ingbert die 19-jährige Marlies "abschleppt". Susanne Hasenstab schaut den Leuten vor allem aufs Maul, um es drastisch zu sagen, und verwendet die Mundart mit Lust und Laune. "Der Zukunftsberg" ist dabei vordergründig ein amüsantes Buch, das aber sehr wohl Gesellschaftskritik übt.

Eine Premiere erlebten die Gäste anschließend. Erstmals wurden Szenen aus der "Hohler Chaussee"? in der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei lasen die vier Akteure den Text zwar ab, durch Mimik und Gestik, Verkleidung, Requisiten und vor allem die mitreißenden Vortrage-Qualitäten des Quartetts entstand aber der Eindruck einer zündenden Kahlgrund-Comedy.

"Haste das gehört vom Ding?" fragt Willi seinen Kumpel Bernd in der Kneipe. Emil Emaille und Stefan Fuchs spielen die vor ihren Biergläsern bereits halb versackten Typen überzeugend und verstricken sich in der fast aussichtslosen Suche nach - dem Ding halt.

Emil Emaille moderiert die kleinen Pausen zwischen den fünf Szenen und betont, dass man die Geduld des Publikums bei dem fünfstündigen Programm (Achtung, das war ein Gag!) "nicht übertapezieren" möchte. Er informiert, dass die "Hohler Chaussee"-Kolumnen in der Fachzeitschrift "Die Tür ins Nichts" als "grausamer Einblick in fremde Lebenswelten" bezeichnet worden sind.

Mädchen in lila Plastikstiefeln Kaugummiknallend und lässig schlendern die besten Freundinnen Anastasia-Cheyenne und Romina (Susanne Hasenstab und Tanja Bandhauer) auf ihre Plätze, klar, die "Mädchen in lila Plastikstiefeln".

Während die eine unablässig plappernd ?schockierende Einblicke? in ihr junges Leben bietet, kommentiert die andere diese nur mit einem monoton-genervt wiederkehrenden "voll krass, ey!".

Die weiteren Szenen analysieren, warum Vater immer dicker wird, wieso "Die billige Vorwahl" eine Mutter um eine freudige Botschaft bringt und wie relativ Zeit sein kann, wenn eine Tochter ihre betagte Mutter nach Hause fährt.

Großer Applaus belohnte die Akteure am Ende der einstündigen Veranstaltung. Viele Bücher und CDs gingen danach in der "Lesekatze" über den Ladentisch, Autogramme inklusive.  Doris Huhn Info zum Buch: Susanne Hasenstab: "Der Zukunftsberg", 204 Seiten, ISBN: 978 3837 011 081, 18,90 Euro. Info zur CD: 21 Mundart-Kolumnen sind auf der Main-Echo-CD "Hohler Chaussee" zu hören. Erhältlich unter www.main-netz.de.  
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