Samstag, 22.01.2022

Das Impfzentrum in Hösbach kann wöchentlich 800 Impfungen mehr anbieten

Die Warteschlangen sollen weg

Aschaffenburg
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Hösbach, Gewerbegebiet an der A3 ("A3-Center"): Gemeinsames Corona-Impfzentrum von Stadt und Landkreis Aschaffenburg. Foto: Stefan Gregor 26.11.2021
Foto: Stefan Gregor
Hösbach, Gewerbegebiet an der A3 ("A3-Center"): Gemeinsames Corona-Impfzentrum von Stadt und Landkreis Aschaffenburg. Foto: Stefan Gregor 26.11.2021
Foto: Stefan Gregor
Hoffentlich bald ein Bild der Vergangenheit: Eine Impfaktion vor dem Sozialzentrum in der Aschaffenburger Kolpingstraße lockte am Dienstag wieder mehr Menschen an als geimpft werden konnten.
Foto: Cornelia Müller
Lan­ge War­te­schlan­gen bei Imp­f­ak­tio­nen wie am Sams­tag vor der Aschaf­fen­bur­ger Stadt­hal­le oder, deut­lich kür­zer, am Di­ens­tag vor dem So­zial­zen­trum in der Kol­ping­stra­ße: Sol­che Bil­der könn­ten auch in der Re­gi­on der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren, wenn ne­ben Ärz­ten künf­tig auch Apo­the­ker imp­fen dür­fen und vor al­lem das ge­mein­sa­me Impf­zen­trum von Stadt und Kreis in Hös­bach sei­ne Ka­pa­zi­tä­ten wei­ter aus­baut. Ein ers­ter Schritt ist ge­macht: Ab 6. De­zem­ber gibt es in Hös­bach vo­r­erst 800 Impf­ter­mi­ne pro Wo­che mehr.

Möglich macht dies eine Aufstockung des Personals: Nach Wochen der Suche haben die Malteser als Betreiber des Impfzentrums Kräfte hinzugewonnen. Außerdem sind seit diesem Dienstag sechs Bundeswehrsoldaten zur Unterstützung nach Hösbach abkommandiert worden. So kann das Impfzentrum nun vorerst 5700 statt zuletzt 4900 Impfungen pro Woche in Hösbach sowie bei diversen Sonderimpfaktionen (eine weitere gab es am Dienstag auch an der TH Aschaffenburg) in Stadt und Kreis anbieten und ab dem 6. Dezember montags bis samstags jeweils von 8 bis 18 Uhr impfen. An einen weiteren Ausbau arbeite man mit Hochdruck, heißt es aus dem zuständigen Aschaffenburger Landratsamt. Wie bisher ist eine Online-Anmeldung oder telefonische Terminvereinbarung zwingend. Möglich sind Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfungen, wobei für letztere strikte Fristen gelten (siehe »Hintergrund«).

Die am Dienstag von Stadt und Kreis verbreitete Nachricht vom Ausbau des Angebots kommt zu einem überraschenden Zeitpunkt: Konnten die Impfzentren anfangs vor allem wegen ihrer Personalsorgen die rasant gestiegene Nachfrage vor allem nach Boosterimpfungen nicht befriedigen, häuften sich zuletzt auch in der Region Meldungen von stockenden Impfstofflieferungen durch den Bund. Am Montag machte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bundesweit Schlagzeilen mit seiner Äußerung, die ganze Stadt sei »stinksauer auf Berlin«, weil der Bund nicht genügend Impfstoff liefere. Am selben Tag sah Main-Spessart-Landrätin Sabine Sitter (CSU) die Impfkampagne in ihrem Kreis wegen geringer Liefermengen beeinträchtigt - ebenso wie der Main-Kinzig-Kreis, der in einer Erklärung von einer »Fehlplanung« des Bundesgesundheitsministeriums sprach. Schon Tage zuvor hatten sich Ärzte aus dem Raum Aschaffenburg empört an die Redaktion gewandt, weil sie nur noch limitiert den bundesweit beliebtesten Impfstoff Biontech bestellen können.

Offenkundig profitiert das Impfzentrum in Hösbach nun von der Tatsache, dass der Betrieb auch während der Impf-Flaute im Spätsommer und Herbst aufrecht erhalten wurde - und deshalb schneller wieder »hochfahren« konnte. Große Mengen habe man »schon vor Wochen« bestellen können, erklärte am Dienstag ein Sprecher des Landratsamts: zu einem Zeitpunkt, an dem die überregionale Nachfrage noch nicht so groß war.

Das Impfzentrum in Hösbach hat nach eigenen Angaben am Dienstag noch einmal 1.800 Biontech-Dosen zugeteilt bekommen. Der Betrieb mit Biontech und Moderna könne mindestens für diese und die kommende Woche uneingeschränkt gewährleistet werden. Auf die Frage, wie lange die Vakzin-Wahlfreiheit zugesagt werden könne, äußerte sich ein Sprecher nicht. »Aktuell« könne man frei wählen.

Der Zuwachs an Impftagen sorgte schlagartig für Entlastung in Hösbach und verringerte die Wartezeit von neun auf fünf Wochen: Am Dienstagvormittag waren noch einzelne, kurzfristig stornierte Termine Mitte Dezember frei. Aber die meiste Auswahl gab es erst ab dem 25. Januar. Am Abend, als das Buchungssystem umgestellt war, waren zahlreiche Termine bereits ab dem 3. Januar zu haben. Landrat Legler sprach von »der bekannten Professionalität der gesamten Mannschaft im Impfzentrum«. Er berichtete auch von vielen Freiwilligen, die sich angeboten hätten, im Impfzentrum zu helfen.

Main-Kinzig-Kreis macht Tempo

Ein »Impf-Marathon« wie im benachbarten Main-Kinzig-Kreis ist aber offenbar bisher nicht geplant. Dort soll am Samstag und Sonntag, 11. und 12. Dezember, in der Hanauer Schärttner-Halle jeweils von 7 bis 24 Uhr geimpft werden, »so lange der Vorrat reicht«. Unter Federführung des Kreises wollen mehr als 100 Ehrenamtliche aus dem Gesundheitswesen, aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik die Impfaktion stemmen. Termine werden nicht vergeben.

Sonderimpfaktionen ohne Termin sind auch in Stadt und Kreis Aschaffenburg weiter geplant. Dabei sollen Szenen, wie sie sich am Samstag in Aschaffenburg vor der Stadthalle abgespielt haben, aber vermieden werden. Man suche nach organisatorischen Lösungen, so Oberbürgermeister Herzing gegenüber der Redaktion.

Die Nachfrage dürfte hoch bleiben. Unklar ist jedoch, wie sich die Begrenzung des Biontech-Impfstoffs auf die Kampagne auswirkt. Der Schöllkrippener Hausarzt Heinz Kreuzberg berichtet, seine Praxis habe zuletzt 120 Dosen bestellt - aber nur gut 70 erhalten. Und auch die Lieferung des Vakzins von Moderna sei geringer ausgefallen als erwünscht. Diese Woche seien 200 Impfungen geplant, die könne man auch durchführen. Aber es gebe massive Diskussionen mit den Impfwilligen, die auf Biontech bestehen. Er bleibe dabei, so Kreuzberg: Die freie Wahl sei grundsätzlich nicht möglich. Biontech werde vor allem Menschen unter 30 vorbehalten. »Wer das nicht akzeptiert, muss woanders hingehen.«

Hintergrund: Auffrischungsimpfung frühestens nach fünf Monaten

Das Impfzentrum in Hösbach weist Impfwillige ab, die sich zu früh eine Auffrischungsimpfung (auch Booster genannt) holen wollen. Bei Erst- und Zweitimpfung mit Astra, Moderna oder Biontech muss zwingend ein Abstand von aktuell mindestens 5 Monaten zur Auffrischungsimpfung/Drittimpfung eingehalten werden", heißt es beispielsweise auf dem bayernweit einheitlichen Online-Buchungsportal. Lediglich bei einer Erstimpfung mit Johnson & Johnson sowie nach Genesung reichten vier Wochen Abstand aus. Auch deshalb müsse man zur Auffrischungsimpfung die bisherige Impfdokumentationen und einen Personalausweis oder Reisepass mitbringen. Das Impfzentrum setze damit die von der Regierung als zwingend vorgegebenen Regelungen um, "die zweifellos auch klar kommuniziert sind", erklärt ein Sprecher des Landratsamts. Auf der Homepage des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege heißt es: "Die Auffrischimpfung soll in der Regel im Abstand von sechs Monaten zur letzten Impfdosis der Grundimmunisierung erfolgen. Der Freistaat Bayern empfiehlt eine Auffrischimpfung ab fünf Monaten nach der letzten Impfung." Holger Schmidt aus Aschaffenburg hatte sich empört an die Redaktion gewandt. Er hatte am 26. November einen Termin zur Boosterimpfung im Impfzentrum - und wurde dort abgewiesen, weil er zwei Tage "zu früh" war: Seine Zweitimpfung war 28. Juni. Schmidt musste einen neuen Termin im Januar vereinbaren. Das hält er "angesichts der jetzigen Situation für unverantwortlich". Landratsamt-Sprecher Sven Simon dazu: "Seitens des Impfzentrums dürfen schlichtweg keine Ausnahmen gemacht werden." Man bitte, die Hinweise bei der Terminbuchung zu beachten. Das Impfportal des Freistaats erkenne nicht automatisch, wann der notwendige Zeitraum vergangen ist. In vielen Fällen seien ja gar keine Daten zu vorangegangenen Impfterminen hinterlegt - etwa, wenn zuvor in einer Arztpraxis geimpft wurde. JhR

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