»Die Eltern erwarten das von uns«

Luftfilter: Anschaffung auch im Kahler Gemeinderat umstritten - Dennoch Kauf von bis zu 61 Anlagen beschlossen

Kahl a. Main
1 Min.

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Die Ge­mein­de Kahl wird bis zu 61 Luft­fil­ter­an­la­gen für die Kal­daha-Grund­schu­le und die Kin­der­gär­ten an­schaf­fen. Kos­ten­punkt: ge­schätz­te 295 000 Eu­ro. Die An­ti-Co­ro­na-Maß­nah­me war am Di­ens­tag im Ge­mein­de­rat hef­tig um­s­trit­ten.

Eine Diskussion wie am Dienstag im Kahler Gemeinderat wird in diesen Tagen an vielen Orten in Bayern geführt. Zur Erinnerung: Um auch bei wieder steigenden Corona-Inzidenzen nach den Sommerferien die Schulen und Kindergärten offen zu halten, hat die Staatsregierung 190 Millionen Euro Fördergelder in Aussicht gestellt, um Klassenzimmer und Kindergartenräume mit mobilen Luftfilteranlagen auszustatten. Eine am Ende doch deutliche Mehrheit des Kahler Gemeinderats hat am Dienstag auf dieser Grundlage beschlossen, für die Grundschule bis zu 20 Geräte und für die Kindergärten bis zu 41 Geräte anzuschaffen. Der Freistaat zahlt für jedes Gerät die Hälfte, maximal aber 1750 Euro. Angesichts dieser hohen Kosten entwickelte sich am Dienstag eine längere Diskussion über den Sinn der Luftfilter.

Teure »Luftblase«

Stefan Platt (SPD) wies darauf hin, dass keine Pflicht zum Kauf der Geräte bestehe. Ob sie ausreichen würden, um die Infektionsgefahr besser abzuwenden als das bisherige Stoßlüften, sei »unsicher«, meinte er und verwies auf eine Stellungnahme des Umweltbundesamtes. »Wir schaffen Geräte an und wissen nicht, ob sie das, was sie sollen, auch erfüllen.« Hier werde lediglich Sicherheit suggeriert: »Das ist eine Luftblase, die die Gemeinde unendlich viel Geld kostet.«

Horst Breunig (Aktiv für Kahl) stimmte mit anderer Begründung gegen den Kauf: Es gebe zahlreiche Geräte, verschiedene Techniken, eine »ungeheure Bandbreite« und immer noch keine Richtlinien des Freistaates. Angesichts dieser Unsicherheiten plädierte er dafür, die Entscheidung zu vertagen, bis die notwendigen Informationen vorlägen. Dem widersprach Bürgermeister Jürgen Seitz (SPD): Wenn man warte, werde man bis zum Schuljahresbeginn keine Geräte mehr bekommen - dann sei der Markt leer gefegt.

Sylvia Hein (Grüne) betonte hingegen, dass der Rat eine Verantwortung habe und die technischen Möglichkeiten nutzen solle: Präsenzunterricht sei für die Kinder wichtig, »sie brauchen wieder ein Stück Normalität«. Sie verwies darauf, dass die Luftfilter nicht nur gegen Corona-Viren helfen würden, sondern auch gegen andere Viren.

Bernhard Bergmann (CSU), der auch Geschäftsführer der Stephanusgemeinschaft ist, die die meisten Kahler Kindergärten betreibt, machte den Zwiespalt der Gemeinderäte offenkundig: Auf der einen Seite halte das Umweltbundesamt Luftfilter bei gut belüftbaren Räumen für »nicht erforderlich«. Auf der anderen Seite könne man als Kindergartenträger »den politischen Wunsch vieler Eltern nach maximaler Sicherheit nicht ausschlagen«. Oder, wie der Rathauschef es ausdrückte: »Die Eltern erwarten das von uns - weil alle andere Kommunen das auch haben werden.«

Am Ende stimmten bis auf je zwei Mitglieder von SPD und Aktiv für Kahl alle für den Kauf der Filtergeräte.

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