Deutsch lernen neben der Moschee?

Informationsaustausch: Islamischer Verein will Kurse anbieten - Weihnachtsmarkt-Stand - Wunsch nach Frauen-Badetag

Alzenau
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Der Islamische Verein Alzenau will die Integration seiner Mitglieder weiter vorantreiben und baut dabei auf die Hilfe der Stadt. Bei einem Informations- und Erfahrungsaustausch mit Stadträten im Rathaus trug Vorstandsmitglied Nurettin Gültekin vor allem die Problematik beim Erlernen der deutschen Sprache vor.
Viele der älteren türkischen Frauen würden die angebotenen Deutschkurse in der Hauptschule oder im Gymnasium nach wenigen Stunden abbrechen oder erst gar nicht besuchen. Der Islamische Verein bietet nun seine Vereinsräume neben der Moschee in der Merkurstraße als Unterrichtsräume an und bittet um finanzielle Unterstützung für eine externe Lehrkraft.
Ein Teil der Stadtratsmitglieder gab zu bedenken, dass die in den Schulen installierten Deutschkurse ausreichend seien und der Integration besser dienlich wären, als eigene Sprachkurse in Räumen des islamischen Vereins. Zudem habe der Verein in seinen Reihen hervorragend Deutsch sprechende Frauen und sogar Gymnasiallehrerinnen. Es stelle sich die Frage, ob der Verein die Kurse nicht in Eigenregie arrangieren könne.
Viele Analphabetinnen
Saliha Benli, eine der angesprochenen jungen Frauen, gab zu verstehen, dass es bei den türkischen Frauen eine ganze Reihe von Analphabetinnen gebe, die dem gezielten Unterricht nicht folgen könnten und deshalb nach kurzer Zeit abbrechen. Bei einer Unterrichtung durch eigene junge Frauen würde die Autorität fehlen; man könne älteren Frauen nicht vermitteln, dass sie zum Erlernen der deutschen Sprache auch einmal Hausaufgaben machen müssten.
Vorstandssprecher Gültekin sieht in einem Kursort neben der Moschee keine Probleme. Der Islamische Verein sehe sich als Teil der Alzenauer Gemeinschaft und biete der Bevölkerung stets Einblick in seine Moschee und die darin ausgeübte Religion.
Das ganze Jahr über kämen unter anderem viele Schulklassen zur Information. Darum wären auch andere ausländische Mitbürger mit Migrationshintergrund zu Sprachkursen in den Vereinsräumen willkommen.
Nach längerer Diskussion schälte sich ein Kompromiss heraus. Der Stadtrat kann sich einen Sprachkurs in den Räumen des Islamischen Vereins als Einstiegs- oder Grundkurs vorstellen, bei dem die türkischen Frauen in heimischer Umgebung leichter herangeführt werden können. Einen Versuch sei das Ganze wert, damit künftig Mütter in der Lage seien, ihre Kinder bei schulischen Anforderungen besser unterstützen zu können.
Keine isolierte Sprachvermittlung
Selda Sahin berichtete von positiven Erfahrungen so genannter »Rucksackgruppen«, wo die Mütter in Kindergärten oder Grundschulen parallel zu ihren Kindern in Deutsch unterrichtet würden. Saliha Benli ergänzte, dass es bei den Deutschkursen um keine isolierte Sprachvermittlung gehen sollte, sondern dass gleichzeitig kulturelle und gesellschaftliche Komponenten involviert sein müssten.
Mahir Kahraman, Vertreter des Islamischen Vereins Alzenau im Ausländerbeirat des Landkreises Aschaffenburg, bat um Überprüfung, ob die Kosten der Alzenauer Integrations-Bemühungen nicht auch durch Förderung aus Bundesmitteln gemindert werden könnten.
Schulleiter einbeziehen
Bürgermeister Walter Scharwies schlug vor, beim nächsten Informationsaustausch im Jahr 2010 die Schulleiter und verantwortlichen Mitarbeiter des Landkreises einzubeziehen.
Der Islamische Verein will sich mit einem Informationsstand auf dem Alzenauer Weihnachtsmarkt vorstellen. Nach den Weihnachtsmarkt-Richtlinien dürfe es aber kein reiner Info-Stand sein, sondern es müssten zur Jahreszeit passende türkische Spezialitäten zum Verkauf angeboten werden, wurde dem Verein nahegelegt.
Dem Wunsch von Hatice Kahraman, im Alzenauer Hallenbad einen Frauen-Badetag einzurichten, kann die Stadt nicht nachkommen. Das Hallenbad gehört zur kreiseigenen Realschule. Bürgermeister Walter Scharwies sagte zu, einen Antrag an das Landratsamt weiterzuleiten. red
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