Der Alltags-Wahnsinn in Vollendung

Kahlgrund-Comedy: Bühnen-Premiere der »Hohler Chaussee« begeistert Publikum im ausverkauften Bergheim

MÖMBRIS-KÖNIGSHOFEN.
2 Min.

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Der Schauplatz: mitten im Kahlgrund. Genauer: das Bergheim in Königshofen. Die Akteure: das Team der »Hohler Chaussee« rund um Autorin Susanne Hasenstab. Die Besucher: Es ist rappelvoll, alle Stühle im Saal sind besetzt, dazu kommen noch etliche stehende Gäste.
In der Reihe »Kult am Berg« feierte die Mundart-Kolumne »Hohler Chaussee« am frühen Sonntagabend Premiere ihres ersten abendfüllenden Bühnenprogramms. Dass die Ankündigung auf so große Publikumsresonanz stoßen würde und trotz des katastrophalen Wetters sogar Besucher aus Kahl und dem Hessischen da waren, übertraf die Erwartung des Veranstalters und des Chaussee-Teams, das einzelne Szenen der Kahlgrund-Serie aus dem Main-Echo in einer fast zweieinhalbstündigen Veranstaltung inklusive Pause präsentierte.
»Ich wollt net hii!« heißt das Programm und Susanne Hasenstab, Tanja Bandhauer, Emil Emaille und Vic Schlusky haben alle Hände voll zu tun, um sich zwischen den Szenen umzuziehen, eventuelle Requisiten zu schnappen und raus auf die Bühne zu marschieren.
Im Publikum sind fast alle 150-prozentige Fans der »Hohler Chaussee«. Das merkt man daran, dass die Texte teilweise im Publikum schon vorgesprochen werden und dann auf der Bühne in eben diesem Ton- und Wortfall erklingen. In schönstem Kahlgründerisch wird hier der alltägliche Wahnsinn in Vollendung vorgeführt, der immerwährende Kampf zwischen den Geschlechtern auf die Spitze getrieben, das Streben eines Menschen ad absurdum geführt.
Der Containerwächter
Susanne Hasenstab zerrt ans Tages- und ins Bühnenlicht, was Menschen wie Alfons, Willi, Bernd, Heike, Anastasia-Cheyenne oder Kevin-André umtreibt, antreibt und so manches Mal auf die Palme treibt. Was ist so befriedigend daran, im gerippten Unterhemd unter der grellfarbenen Adidas-Jacke mit dem Fernglas zu verfolgen, wie viele Flaschen welcher Nachbar in den Glascontainer wirft und dies auch noch mit sorgfältig geführten Strichlisten zu belegen, wie im »Containerwächter« gezeigt?
Dass es solche Spezies in der Nachbarschaft gibt und auch all die anderen Figuren, die die Autorin nur zu einem kleinen Teil erfunden, zum größten Teil aber Beobachtungen aus dem wirklichen Leben sind, beweisen die Reaktionen aus dem Publikum. »Das könnt’ der Dieter sein«, heißt es da oder »Da kennt einer die Problematik«. Immer wieder toben Lachsalven durch das Bergheim, die Stimmung könnte nicht besser sein.
Prustendes Lachen erntet das »Hohler Chaussee«- Team manchmal schon beim Betreten der Bühne. Einige Typen sind auch in ihrer Verkleidung so krass überzeichnet, dass es schon weh tut. Natürlich dürfen die Mädchen in lila Plastikstiefeln nicht fehlen, die (»voll krass, ey«) mit Nachdruck beweisen, dass die heutige Jugend »nix druff« hat.
Der Senffleck
Oder Alfred und Doris, die in feinen Spießerklamotten zum Kaffeetrinken zur Verwandtschaft fahren (»ich wollt’ net hii!!!«) und bei der Fahrt von Hörstein nach Schöllkrippen auf der Verbindungsstraße Hohler Chaussee eine ernsthafte Ehekrise auszufechten haben. Der Tobsuchtsanfall von Alfred, nachdem Doris aus einem kleinen Senffleck auf seiner Hose einen großen braunen Fleck produziert hat, ist schon allein den Eintritt wert.
In meditativer Versenkung laufen die Stammtisch-Szenen von Willi und Bernd ab. Es geht um den Ding, bei dem einer der Stammtischler einen heftigen Demenz-Anfall zu überwinden hat. Dann wendet sich das Gespräch zu den »lieben« Ehefrauen. Die eine kann sich nicht entscheiden, ob sie »Buddha oder Benedikt« nacheifern soll, die andere legt Wert darauf, dass der Klodeckel geschlossen wird, weil sonst die Energie der Wohnung den Abfluss hinunter verschwindet (»was für `ne Energie?«).
Und dann stimmt Bernd ganz eindrucksvoll zunächst das mongolische Mönchsgebrumm an, um später ein Beispiel ätherischer Walgesänge zu geben, von denen sich seine Liebste 15 CDs zugelegt hat. Eine der besten Szenen am Sonntagabend!
Am Ende wischen sich die Gäste die Lachtränen ab, genießen nicht weniger als drei Zugaben und belohnen die tolle Gemeinschaftsleistung des Quartetts der »Hohler Chaussee« mit riesigem Beifall. Doris Huhn
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