Debatte um die Bachgaubahn: »Nur die Schiene sorgt für Entlastung«

Reaktivierung der Strecke nach Großostheim soll Pendler zum Umsteigen bewegen - Diskussion

Aschaffenburg
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Nilkheim, Nilkheimer Bahnhofstraße: ehemaliger Bahnhof der Bach
Nilkheim, Nilkheimer Bahnhofstraße: ehemaliger Bahnhof der Bachgaubahn - Schienen stadtauswärts in Richtung Großostheim Fotograf: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich
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»Bachgaubahn jetzt«: Mehr als 80 Zuhörer bei der Podiumsdiskussion. Foto: T. Minnich
Foto: T. Minnich
Im neu­en Jahr soll das Pro­jekt Bach­gau­bahn fri­schen Schwung be­kom­men. Für den Ja­nuar wird ein Ja des Aschaf­fen­bur­ger Stadt­rats zu ei­nem neu­en Gu­t­ach­ten er­war­tet. Die Markt­ge­mein­de Großost­heim und der Land­kreis ha­ben ih­re Zu­stim­mung be­reits ge­ge­ben.
Vor mehr als 80 Zuhörern einer Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative »Bachgaubahn Jetzt« in der Stadthalle forderte am Mittwochabend Großostheims Bürgermeister Herbert Jakob (CSU) die politisch Verantwortlichen auf, »über alle Parteigrenzen hinweg an einem Strang zu ziehen - und natürlich in dieselbe Richtung.«
6000 Pendler
Moderator Wolfgang Helm mahnte vor allem die Stadt: »Die hinkt hinterher, da braucht es mehr Bewegung.« Aus Sicht Großostheims spreche alles für eine Reaktivierung der Bahnstrecke, so Jakob. 6000 Pendler, davon 4000 im Bus, quälten sich täglich im Stau nach und von Aschaffenburg. 1000 davon müssen mindestens auf den Zug umsteigen, wenn sich die Bahn rechnen solle.
Das Potenzial sah der Bürgermeister als gegeben. Er verwies auf die 16 500 Einwohner Großostheims, neu angesiedelte Firmen im Gewerbegebiet und die Ausstrahlung bis in den hessischen Raum. Auch auf Aschaffenburger Seite gebe es mögliche Fahrgäste. Johannes Büttner (Kommunale Initiative) nannte die 6000 Beschäftigten im Nilkheimer Industriegebiet.
»Nur die Schiene kann wirklich Entlastung verschaffen«, bekräftigte Bernd Kuhn vom Bündnis für die Bahn. Die Trasse sei zwar inzwischen in privater Hand, »aber der Eigentümer ist gesprächsbereit, da finden wir Lösungen«, war Herbert Jakob zuversichtlich.
Noch offen ist die Frage, wie die Strecke die Kreisstraße AB 16 überqueren solle. Ein beschrankter Bahnübergang ist nicht genehmigungsfähig. Abhilfe könnte eine Art Straßenbahn sein, die mehrere Redner ins Gespräch brachten. Davor warnte Kuhn. Das sei ein reiner Inselbetrieb ohne Anbindung an das weitere Schienennetz, außerdem durch Kauf und Unterhalt der nur hier zu verwendenden Waggons sehr teuer.
Denn nach den Vorstellungen der Initiative ist die Bachgaubahn nur ein erster Schritt. »Wir dürfen den Verkehr nach Hessen nicht vergessen«, erinnerte Wolfgang Jehn (SPD). Über Großostheim hinaus könnte die Bahn Richtung Schaafheim, Babenhausen, Rodgau rollen. Kuhn wusste von rund 700 Pendlern, die täglich über die B 469 nach Hanau fahren, weil sie schneller am dortigen Bahnhof sind als in Aschaffenburg.
Züge und Busse vertakten
Um das Umsteigen auf die Bahn zu fördern, sah Stefan Wagener (Grüne) für Großostheim eine kleine Mobilitätszentrale als unabdingbar. Am Endhaltepunkt der Bahn (»irgendwo an der Umgehungsstraße wird man ein Grundstück dafür finden«) müssten Züge und Busse ins Umland vertaktet werden, Auto- und Fahrradstellplätze sollten zur Verfügung stehen. Ein Buskonzept ist sowieso Pflicht, denn es soll zu keinen Parallelverkehren kommen.
Wagener zog zudem eine Verbindung zur Elektrifizierung der Maintalbahn. Schließlich wolle man auf einer reaktivierten Bachgaubahn keine Dieselloks fahren lassen. Fahrdraht auf der Strecke nach Miltenberg und ebenso auf einer bis zum Schulzentrum durchgebauten Hafenbahn sei nicht nur umweltfreundlich, es ergäben sich dadurch auch Möglichkeiten für »Flügelzüge«, die Teile der Strecke gemeinsam nutzten und dann in verschiedene Richtungen getrennt würden.
Mehrfach forderten Redner einen stärkeren Auftritt der Bürgerinitiative. Die will erst einmal das neue Gutachten abwarten und dann über ihre künftige Arbeit neu beraten.
Klaus Gast
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