Das Konto der Großmutter geplündert?

Gericht:Untreue-Verfahren gegen Alzenauerin eingestellt - Mit oder ohne Erlaubnis Geld abgehoben?

Alzenau
2 Min.

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Am En­de sind die Zwei­fel dann doch zu groß ge­we­sen: Weil nicht nach­zu­wei­sen war, dass ei­ne 30-jäh­ri­ge Al­ze­naue­rin im ver­gan­ge­nen Jahr oh­ne Er­laub­nis vom Kon­to ih­rer Groß­mut­ter über 15 000 Eu­ro ab­ge­ho­ben hat, wur­de das Ver­fah­ren ein­ge­s­tellt.

Nach der Entscheidung der Alzenauer Amtsrichterin Annette Schilling muss die Angeklagte lediglich 500 Euro an den örtlichen Hospizhilfeverein bezahlen. Wegen der ihr zur Last gelegten Untreue wird die Frau nicht bestraft.

Vollmacht missbraucht?

Staatsanwältin Christine Menth hatte der Angeklagten zunächst vorgeworfen, das Sparkonto der Großmutter abgeräumt und dazu noch von März bis Juli 2017 monatlich jeweils 250 Euro von deren Rentenkonto abgehoben zu haben. Missbraucht habe die Frau dabei eine Vollmacht, die ihr die heute 88-Jährige am 7. Januar 2016 gegeben hatte.

Das sei so nicht richtig, sagte Verteidiger Jens Goymann, der im Auftrag der Angeklagten die Anschuldigungen bestritt: Seine Mandantin sei praktisch bei den Großeltern aufgewachsen und habe zu diesen ein besonderes Vertrauensverhältnis gehabt. Deshalb habe »die Oma gewollt, dass die Enkelin das Geld bekommt«.

Hintergedanke der alten Dame sei es gewesen, dass sich die Enkelin dann mehr um die Großeltern kümmern kann. Zu diesem Zweck sollte die 30-Jährige unter anderem ein Auto kaufen.

Zu Beginn des Jahres 2017 hatte die 88-Jährige noch 20 000 Euro auf dem Konto. Dass davon im Sommer nur noch 5000 Euro übrig waren, fiel dem Landratsamt auf, als es sich um die psychisch auffällige Frau kümmerte und dafür eine Vermögensaufstellung bekam. Eine Sozialpädagogin der Behörde sprach die Rentnerin auf die finanziellen Veränderungen an. Das Geld habe sie ihrer Enkelin gegeben, soll sie geantwortet haben. Ob sie den Wert dieses Geschenks tatsächlich erfasst hat - da blieben der Sozialpädagogin heftige Zweifel.

»Sehr manipulierbar«

So wie auch Amtsrichter Torsten Kemmerer nach eigenen Angaben kein gutes Gefühl hatte, der Angeklagten die Betreuung der Oma zu übertragen: Er habe den Eindruck gehabt, dass die alte Dame »sehr manipulierbar« war und es der Angeklagten vor allem um das eigene Wohl ging.

Ein 72-jähriger Zeuge, der die Angeklagte immer wieder zu den Großeltern chauffiert hatte, bestätigte weitgehend die Angaben der 30-Jährigen. Als er die Enkelin nicht mehr fahren wollte, habe ihm die Oma gesagt: Die junge Frau solle ein preisgünstiges Auto kaufen und dafür »von dem Geld nehmen«. Wichtig sei der 88-Jährigen nur gewesen, »dass genug für die Beerdigung übrig bleibt«.

Nicht zu klären war für Richterin Schilling, ob die 88-Jährige bei der Vergabe der Vollmacht noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte war: Der Zustand ihrer Mutter sei im Laufe der Zeit »massiv schlechter« geworden, sagte deren in Mönchengladbach lebende 57-jährige Tochter. Durch Medikamente habe sich die Persönlichkeit der alten Frau stark verändert.

Fragen konnte die Richterin die 88-Jährige nicht: Sie hatte ein ärztliches Attest eingereicht, dass sie nicht ins Gericht kommen kann. Ob sich der Zustand noch einmal bessern wird - das blieb in der Verhandlung unklar.

Wolfgang Dreikorn
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