Glosse: Brizza statt Benidorm?

Aschaffenburger Streifzüge: Jürgen Overhoff über Urlaub in Ascheberg

Aschaffenburg
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Nun al­so doch. Mal­le ist mög­lich, Süd­t­i­rol, Ben­i­dorm, die sc­hö­ne blaue Adria - al­les mög­lich. Hier so­fort, dort schon bald. Auf je­den Fall in den Som­mer­fe­ri­en. Dem Au­ßen­mi­nis­ter sei dank. Er hat die welt­wei­te Rei­se­war­nung auf­ge­ho­ben. Die am Co­ro­na-Bo­den lie­gen­den Rei­se­bür­os und Rei­se­ver­an­stal­ter wird das freu­en.

Und unsere europäischen Freunde auch.

Den Ministerpräsidenten vielleicht nicht. Der Herr Söder hat ja für Urlaub in Bayern geworben. In einer Pressekonferenz Ende April hat er klar gesagt, dass man nicht nach Österreich fahren müsse, um Urlaub zu machen. Das könne man ebenso gut in Bayern.

Söder und Ascheberg

Woraufhin ihm Hamburgs Erster Bürgermeister und die Kanzlerin einträchtig ins Wort fielen: Man könne auch in Hamburg und im Norden Urlaub machen. Für den Herrn Söder war die Sache damit klar: Urlaub im Norden oder Süden, der Westen sei da nicht dabei. Den Osten ließ er gleich ganz aus.

Warum der Landesvater so auf Heimaturlaub spinnt, erschließt sich freilich nicht. Er tut ja gerade so, als gebe es Corona in Bayern nicht. Dabei gibt es Corona doch gerade in Bayern. Deshalb haben die Ascheberger Touristiker und Marketing-Strategen wahrscheinlich gleich abgewunken. Urlaub in Corona-Country - das konnten sie sich nicht vorstellen. Und deshalb bliesen sie nicht zum Großangriff.

Keine Werbekampagnen nach dem Motto »Ab nach Ascheberg«. Oder »Ascheberg ist anders«. Aber nicht doch. Nichts ist anders. www.info-aschaffenburg.de kommt unauffällig daher wie eh und je. Gerade so, als glaube man irgendwie nicht so richtig daran, dass Touristen in die Stadt kommen könnten.

Da gehen die Kollegen in Frankfurt anders zur Sache. Sie werben auf ihrer Homepage mit Kurzurlaub im Sommer, mit Neuer Altstadt virtuell und mit Stadtführungen, die wieder stattfinden dürfen.

Kino für Touristen?

Während der Besucher Aschebergs auf der Website lange suchen muss, bis er bei den Stadtführungen ist. Und dort angekommen, wird ihm zunächst mitgeteilt, dass sie bis auf Weiteres ausgesetzt seien. Während ihm das neue Autokino auf dem Volksfestplatz gleich ins Gesicht springt. Kintopp mitten in der Krise ist ja auch klasse. Allerdings ist es gemeinhin weniger bekannt, dass Touristen, die eine Stadt erkunden wollen, ausgerechnet ins Kino gehen. Sich also von der Wirklichkeit abwenden.

Dabei hat das wirkliche Ascheberg doch so viel zu bieten. Obwohl Teile des Schlosses wegen Renovierungsarbeiten gar nicht zugänglich sind und sich die Eröffnung des Schad-Museums verzögert.

Ascheberger Arsch

Blicken wir auch nicht auf die klassischen Sehenswürdigkeiten und die kulturellen Höhepunkte. Blicken wir besser auf Kuriositäten mit Alleinstellungsmerkmal: Welche Stadt kann sich schon eines Wirtshauses rühmen, das den Namen einer sehr bekannten Biermarke trägt, die dort aber nicht ausgeschenkt wird? Oder einer Metzgerei, die Ascheberger Presssack-Ärsche in der Kühltheke hat?

Schließlich eines Restaurants, das Brizza serviert? Eine Welt-Sensation, die sogar die Sensationspresse auf den Plan rief. Der Zwitter aus Brezel und Pizza erblickte in Ascheberg das Licht der kulinarischen Welt. Eine Geburtsanzeige haben die Touristiker auf ihrer Homepage nicht geschaltet. Wenn das der Landesvater wüsste...

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