"Bescheuert oder drogenabhängig": Urteil gegen Miltenberger Rocker

Aschaffenburg
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Ein­kau­fen im In­ter­net - da­von pro­fi­tie­ren nicht nur Sch­näpp­chen­jä­ger, son­dern auch Be­trü­ger, die Wa­ren an­bie­ten und nach Be­zah­lung Ge­gen­stän­de von min­der­wer­ti­ger Qua­li­tät oder gar nicht lie­fern. Die Be­trü­ger wer­den - so­fern sie aus Deut­sch­land kom­men - häu­fig ge­fasst. So auch ein 32-Jäh­ri­ger, der im Netz Mo­tor­boo­te, teu­re Smart­pho­nes und ei­ne Droh­ne ver­kauf­te - oh­ne sie zu be­sit­zen.

741 Fälle von sogenanntem Warenbetrug sind in der Kriminalstatistik des Polizeipräsidium Unterfranken für das Jahr 2016 erfasst. »Das sind die Fälle, in denen ein Täter für Ware, die er im Internet anbietet, Geld erhält, aber nicht liefert«, erläutert Polizeisprecher Michael Zimmer. Ein Geschäft, das sich für die Betrüger aber offenbar nicht lohnt: Die Aufklärungsquote lag 2016 bei 96 Prozent (2015: 696 Fälle, Aufklärungsquote 96,3 Prozent). »Die Geschädigten können der Polizei, wenn sie Anzeige erstatten, den Täter namentlich nennen«, begründet Zimmer die hohe Zahl geklärter Fälle.
Namen der Freundin genutzt
Auch dem Mann aus dem Kreis Miltenberg, dem die Anklage gewerbsmäßigen Betrug in elf Fällen vorwarf, kamen die Ermittler auf die Schliche. Und das, obwohl er namentlich meist gar nicht in Erscheinung trat: Er legte auf den Namen seiner damaligen Freundin ein eBay-Konto an. Auch die Überweisungen der Käufer gingen auf das Konto der heute 21-Jährigen. Die junge Frau musste sich deshalb wegen Beihilfe verantworten.
Das Geschäft lief zunächst gut: Über einen Zeitraum von acht Monaten verkaufte der Mann drei nicht existierende Motorboote und kassierte dafür jeweils zwischen 1700 und rund 3000 Euro. Hinzu kamen fünf Smartphones sowie die Drohne zu Preisen zwischen 400 und mehr als 500 Euro. Es war aber nur eine Frage der Zeit, bis die Sache ein Ende hatte, denn natürlich erstatten die geprellten Käufer Anzeige. »Wer dreimal dasselbe Schiff verkauft, muss bescheuert sein - oder drogenabhängig«, brachte es der Verteidiger des 32-Jährigen auf den Punkt.
Letzteres ist der Angeklagte tatsächlich. Er legte zu Prozessbeginn ein Geständnis ab: Suchtdruck habe ihn zu den Taten getrieben. »Ich nehme schon immer Drogen, seit meinem 17. Lebensjahr«, gab er an. Hauptsächlich handele es sich dabei um Kokain und Alkohol, mitunter aber auch Marihuana und Speed. Zwischenzeitlich seien es drei bis vier Gramm Koks täglich gewesen - für einen Arbeitslosen, der Unterhalt für drei Kinder zahlen muss, nicht so ohne weiteres zu finanzieren.
Drogentherapie angeordnet
Der Mann ist kein unbeschriebenes Blatt. Hätte er die Geschäfte nicht über seine bis dahin unbescholtene Freundin getätigt, wären die Betrügereien wohl schneller aufgefallen. Seit 2012 ist er Mitglied der Rockergruppe »Outlaws«, er stand mehrfach unter Anklage, unter anderem wegen Hausfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz, und saß in Untersuchungshaft.
Bislang kam er mit Bewährungsstrafen davon. Dieses Mal verurteilte das Gericht ihn zu drei Jahren und fünf Monaten wegen gewerbsmäßigen Betruges (siehe Hintergrund) und ordnete Maßregelvollzug an. Eine weitere Strafe, wegen der er unter Bewährung stand, wurde auf zwei Jahre und acht Monate aufgestockt.
Seine Ex-Freundin wurde wegen der Beihilfe nach dem Jugendstrafrecht verurteilt.

Katrin Filthaus

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