Aus dem Blickwinkel der kleinen Leute

Literatur: Auf Streifzug durch die Stadtgeschichte

Aschaffenburg
1 Min.

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Von den Bau­ern­krie­gen bis zum Brand der Sy­na­go­ge auf dem Wolfst­hal­platz: Auf ei­nen li­tera­ri­schen St­reif­zug durch die Aschaf­fen­bur­ger Stadt­ge­schich­te aus dem Blick­win­kel der klei­nen Leu­te ha­ben am Di­ens­ta­g­a­bend Mar­tin Hahn und Hein­rich Herr­mann rund 40 Be­su­cher im Stifts­mu­se­um mit­ge­nom­men.

Das Besondere an dem Abend im Rahmen der von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Aschaffenburg - Miltenberg veranstalteten »LesARTten«-Literaturwoche »Heimat? - Heimat!« waren die Beiträge des Glattbacher Ehepaars Adam und Hedwig Herrmann, Jahrgang 1927, die ihr Sohn Heinrich Herrmann (67), pensionierter Rektor der Mittelschule Schöllkrippen, mit dem Handy aufgenommen und niedergeschrieben hatte.

Später verschleppt

Die Erinnerungen der Zeitzeugen führten zurück in die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Adam Herrmann erzählte, wie er als 15-Jähriger, weil der Vater krank war, jüdische Zwangsarbeiter mit dem Pferdegespann zum Schneeschaufeln fahren musste. Es seien Aschaffenburger Geschäftsleute gewesen, denen man alles weggenommen hatte und die später in Vernichtungslager verschleppt wurden.

Gefährliche Hilfe

Wie gefährlich es war, den ausgegrenzten und misshandelten Juden zu helfen, schilderte Hedwig Hermann. Als unverdächtiges kleines Mädchen habe sie heimlich Kuchen zu den jüdischen Mitbürgern gebracht, den die Tante gebacken hatte. Dramatisch war die Geschichte von den Backsteinen, die das junge Glattbacher Paar für den späteren Hausbau angeschafft hatten. Sie wurden für einen Erdbunker nahe dem Dorf verbaut, als Schutz vor Fliegerangriffen, als die Alliierten in Glattbach eine Fabrik für U-Boot-Teile vermuteten.

Mit Fakten untermauert

Die Zeitzeugenberichte wurden von Martin Hahn, Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins Schöllkrippen, mit Fakten untermauert. Nicht weniger interessant war der erste Teil des Abends, in dem Hahn aus der überarbeiteten Auflage des geschichtlichen Lesebuchs »Blickwinkel Aschaffenburg« von Albrecht Sylla, Martin Hahn und Roland Ebert, las. Es ist längst Schullektüre. Wer es noch nicht kannte, wurde neugierig auf mehr.

Im Überblick: Weitere Termine der Literaturwoche

Die Literaturwoche »Heimat? Heimat!« geht weiter mit der Lesung »Leben und Texte zu Ruth Weiss - Autorin und Journalistin gegen Rassismus und für Gerechtigkeit« mit Doris Kanja und Albrecht Sylla an diesem Donnerstag, 17. Oktober, um 19 Uhr im Museum jüdischer Geschichte und Kultur am Wolfsthalplatz. Am Freitag, 18. Oktober, gibt es um 19 Uhr im Martinushaus Literatur und Lieder unter dem Motto »Des Land is doi Land«. Die Texte stammen von Betriebsseelsorger Ludwig Stauner, die Lieder von Lehrer Reinhard Frankl. Der Eintritt ist an beiden Abenden frei.

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