Mittwoch, 21.10.2020
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Corona-Weltreise: Von Kahl nach Thailand mit Angelika Mooser im Podcast

Gebremstes Reisefieber

Aschaffenburg
Corona-Weltreise
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Corona trifft Thailands Wirtschaft hart
Thailand, Bangkok: Einkäufer gehen durch einen Bekleidungsmarkt. Die Wirtschaft des Urlaubsparadieses Thailand ist von der Corona-Krise härter getroffen worden als bisher gedacht.
Foto: Gemunu Amarasinghe (AP)
Angelika Mooser hat sich die Zeit nach dem Abi anders vorgestellt: Die 19-Jährige aus Kahl wollte die Welt erkunden. Immerhin: Sie hat es noch vor der Corona-Hochphase nach Thailand geschafft. Doch das Virus durchkreuzte so manchen Plan, den sie vor Ort hatte. Hat sie die große Freiheit dennoch genießen können?

Im sechsten und letzten Teil unseres Podcasts auf Corona-Weltreise erzählt Angelika Mooser aus einem Land, das stark vom Tourismus abhängt. Für die Serie haben wir mit Menschen in sechs Ländern auf vier Kontinenten telefoniert. Sie stammen alle ursprünglich vom bayerischen Untermain und erleben die Coronazeit auf verschiedene Weise. Alle Podcasts gibt es hier auch zum Nachhören.

Folge 6: Thailand - Gebremstes Reisefieber
Corona-Weltreise: Von Kahl nach Thailand mit Angelika Mooser im Podcast
Quelle: Kevin Zahn

Angelika Mooser war in Thailand als Au Pair. In der Coronazeit habe sie oft mit Freunden in Deutschland telefoniert: »Die haben erzählt, dass sie jeden Tag zuhause gesessen haben, da war ich schon froh, in Thailand zu sein.«

Bars, Restaurants, Einkaufszentren hatten geschlossen und im März und April galt von 22 Uhr bis 5 Uhr eine Ausgangssperre hatten, sagt sie. Doch tagsüber konnte sie zumindest aus dem Haus und sich dort mit anderen treffen und recht frei bewegen.

Danach hatten auch die Einkaufszentren geschlossen, aber die Besucher werden dort akribisch erfasst, erzählt die 19-Jährige. »Wenn wir in die Shoppingmall gehen, wird am Anfang immer unsere Temperatur gemessen.« Sie muss sich Hände desinfizieren und mit einem Scan des Handys am Eingang anmelden, beim Verlassen wieder abmelden.

Im Podcast spricht Angelika Mooser nicht nur über die Einschränkungen, sondern auch über die schönsten Erinnerungen und über Reisepläne vor Ort.

Folge 5: Kanada - Vorgewarnt aus Wuhan

Aschaffenburg/Montreal. Chris Reinfels ist von seinen Verwandten in Aschaffenburg vorgewarnt worden, aber nicht nur von dort: Als die Corona-Pandemie in China ausbrach, schlug seine Frau besonders früh Alarm. Sie stammt aus China, genauer, aus Wuhan – also aus der Stadt, in der das Virus erstmals ausbrach. Über ihre Bekannten dort hörte sie von tragischen Einzelschicksalen. Reinfels sagt, er musste davon einiges für sich ausblenden: »Ich will gar nicht alles wissen, weil es mich sehr mitnimmt.«

Corona-Weltreise: Von Aschaffenburg nach Kanada mit Chris Reinfels im Podcast
Quelle: Kevin Zahn

In der fünften Folge unseres Podcasts auf Corona-Weltreise spricht Chris Reinfels über den Umgang mit dem Virus an seinem aktuellen Wohnort in Montreal. Wie immer geht es in unserer Serie um die Frage, wie sich der Alltag von Menschen durch die Pandemie verändert hat. Dazu sprachen wir mit Menschen, die ursprünglich vom bayerischen Untermain kommen und nun im Ausland leben.

»Wir hatten den Höhepunkt hier Mitte Mai«, sagt Chris Reinfels und fügt an: »Das war schon heftig.« Er und seine Frau haben sich zurückgezogen in ihre kleine Wohnung, die sie »Schuhbox« nennen. Statt seiner Hobbys Radfahren oder Geocaching spielte Reinfels im Corona-Sommer häufiger am Computer. Dabei entdeckte er für sich ein Spiel, in dem es ausgerechnet darum geht, die Welt zu erkunden – und dabei zu überleben.

Seinen Humor hat der 41-Jährige nicht verloren. Auf die Frage, ob ihn auch die Verwandten in Deutschland über die Krise vorgewarnt hätten, antwortet Chris Reinfels, dass er vom Hamstern des Klopapiers gehört hatte: »Das war eines der wenigen Dinge, wo wir gemerkt haben: In Deutschland wird es knapp, wir gucken mal, dass wir unser Lager auch aufstocken.«

Im Podcast spricht Chris Reinfels unter anderem darüber, dass er kaum noch in den Supermarkt geht und Lebensmittel jetzt online kauft, und warum sein jüngster Berufswechsel für die Coronakrise ein Glücksgriff war.

Folge 4: Vietnam - Abgeschottete Normalität

Aschaffenburg/Hoi An. In Vietnam gibt es nur sehr wenige Corona-Infizierte. Obwohl das Land direkt an China angrenzt. Warum eigentlich? Die Aschaffenburgerin Stefanie Novotna erlebt den Alltag dort und verrät im Podcast unter anderem, warum Vietnamesen Masken tragen, obwohl es keine Maskenpflicht gibt.

Corona-Weltreise: Von Aschaffenburg nach Vietnam mit Stefanie Novotna im Podcast
Quelle: Kevin Zahn

Stefanie Novotna heißt in ihrer neuen Heimat Vietnam für alle Sao. So haben die Menschen in Hoi An die Aschaffenburgerin nach ihrer Auswanderung vor sechs Jahren getauft. Die Bedeutung des Namens ist »der Stern«, sagt sie. Die 31-Jährige fühlt sich dort in der Coronazeit sicher. Der Alltag gehe in Vietnam längst normal weiter. Es gebe nur eine Einschränkung.

Die Ex-Aschaffenburgerin hat eine härtere Ausgangssperre hinter sich als ihre Familie in Deutschland. Sie musste sich in Vietnam früh nach dem Ausbruch des Virus einem Corona-Test unterziehen. Nach sechs Wochen starker Einschränkungen habe es aber dort eine ganze Zeit lang keine neuen Fälle gegeben, im Alltag gab es keine Beschränkungen mehr – anders als in Deutschland. Nur: Die Grenzen bleiben dicht. Dabei sind in ihrer neuen Heimatstadt Hoi An auch viele vom Tourismus abhängig.

Stefanie Novotna verdiente ihren Lebensunterhalt bisher unter anderem, indem sie Wohnungen an Touristen vermietete. Sie gab Yoga-Kurse in Hotels. Jetzt sieht sie eine Chance darin, ihre Kurse online anzubieten. Wird das sogar der »nächste Schritt auf der Karriereleiter«, wie sie sagt?

Nachdem sie das erste Mal in Vietnam war, entschied sie sich binnen zwei Wochen, dorthin auszuwandern. Jetzt steht sie vor einer weiteren Entscheidung: Sie ist schwanger. Soll sie ihr Kind in Vietnam zur Welt bringen oder nach Deutschland kommen?

Folge 3: USA - Im Land der Corona-Rekordzahlen

Aschaffenburg/Oak Ridge. Eva Heider erlebt, wie Corona Menschen beim Reisen einschränkt. Sie lebt seit dem Jahr 2016 in Oak Ridge in den USA. Wenn sie mit ihrer neugeborenen Tochter Mathilda ihre Familie in Aschaffenburg besuchen will, wird das kompliziert. Denn Mathilda besitzt noch keinen deutschen Pass – und darf nicht nach Deutschland einreisen. Dafür besitzt die Tochter etwas, das Eva Heider nicht hat: einen US-Pass. Obwohl Heider also in den USA lebt und arbeitet, macht erst Mathildas Pass eine Rückreise der Familie in ihre neue Heimat möglich. 

Corona-Weltreise: Von Aschaffenburg in die USA mit Eva Heider im Podcast
Quelle: Kevin Zahn

Für die Ex-Aschaffenburgerin Eva Heider gelten in den USA weniger Beschränkungen als in Deutschland. Ob das aber so bleibt? Sie ist skeptisch mit Blick auf die Zahl der Coronafälle: "Die Zahlen sind so unterschiedlich, hier ist es so hoch verglichen mit Deutschland." Sie fügt an: "Durch die steigenden Zahlen sind wir noch immer mehr im Corona-Modus, auch wenn viel mehr gelockert ist als in Deutschland."

Für die junge Mutter war besonders die Anfangszeit der Coronakrise sehr belastend. Sie kam nämlich lange nicht aus dem Haus, um etwa Freunde zu treffen: Sie war erst schwanger, bekam dann Mathilda und prompt kam Corona. Auch um ihr Baby zu schützen, ging sie lange nur zum Spazieren aus dem Haus. "Als wir das erste Mal Freunde wieder gesehen haben, war ich sehr euphorisch, mal wieder mit einem Erwachsenen zu reden."

Folge 2: Schweden - Was der Sonderweg im Alltag bedeutet

Miltenberg/Järna. Bettina Feuerstein erlebt in der Coronazeit hautnah, was im Rest Europas als der schwedische Sonderweg gilt. Die Liebe hat sie vor 30 Jahren aus Miltenberg nach Järna verschlagen. Und dort hat die Regierung keine wesentlichen Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus verordnet. Feuerstein sagt im Podcast: »Schweden sind vorsichtige Menschen, deswegen hat mich die Entscheidung erstaunt.«

Corona-Weltreise: Von Miltenberg nach Schweden mit Bettina Feuerstein
Quelle: Kevin Zahn

Die Ex-Miltenbergerin Feuerstein berichtet: Der schwedische Sonderweg bedeute zum Beispiel nicht, dass dort alles wie immer abläuft. Die Menschen halten Abstand, im Supermarkt gebe es ähnlich wie in Deutschland Markierungen, damit Menschen sich daran halten. Und: »Es finden nicht einmal Veranstaltungen mit 20 Leuten statt«, sagte Feuerstein, als Moderater Kevin Zahn zur Corona-Hochphase im Mai mit ihr sprach.

Gleichzeitig gilt: »Wir werden dazu ermahnt, zur Arbeit oder zur Schule zu gehen, selbst wenn Familienmitglieder krank sind«, sagt Bettina Feuerstein. Im Podcast erzählt sie, wie der schwedische Sonderweg im Alltag aussieht. 

Folge 1: Südafrika - Virus trifft auf Armut

Goldbach/Kapstadt. Johannes Kraus hat sich in Südafrika einen Traum erfüllt: Er zog aus dem Goldbacher Ortsteil Unterafferbach nach Kapstadt, baute dort eine Sprachschule auf, gründete eine Familie. Das Leben lief gut, sagt er. Dann kam Corona. Jetzt spürt Johannes Kraus: "Der Mensch ist hier auf sich allein gestellt."

Corona-Weltreise: Von Goldbach nach Südafrika mit Johannes Kraus
Quelle: Kevin Zahn

Johannes Kraus war vor zehn Jahren ausgewandert, jetzt erlebte er in Südafrika über Wochen hinweg eine harte Ausgangssperre. Er sagt im Podcast, er sei in Südafrika noch privilegiert. Es gebe dort zum Beispiel viele Tagelöhner, die keine Rücklagen haben und während der Ausgangssperre nicht mehr arbeiten können. Wovon leben die Arbeiter? Oder die Kinder in den Schulen: Dort gab es immer zwei Mahlzeiten, nun haben die Schulen geschlossen. Wie geht es ihnen?

Kraus kämpft indes selbst um den Erhalt seiner Sprachschule. »Wir sind auf den internationalen Tourismus angewiesen«, sagt er. Doch die Grenzen sind geschlossen. Er versucht es stattdessen mit einem Online-Angebot. Aber er kann nicht absehen, ob das klappen wird. Kraus ist damit in Südafrika nicht allein. Die Wirtschaft brummte schon vor Corona nicht, jetzt liegt sie ganz am Boden. Aber die Gefahr einer schnellen Ausbreitung des Virus ist auch hoch. Und das Gesundheitssystem kommt dort schneller an seine Grenzen als in Deutschland. 

Unser Moderator Kevin Zahn sprach mit Johannes Kraus in den vergangenen Wochen zweimal: Einmal zu Beginn der Krise, als Südafrika die Infektionszahlen niedrig halten konnte. Und ein zweites Mal im Juli, als die Zahlen dort deutlich anstiegen.

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