Auch im LBV-Naturerlebnisgarten sind Nutrias zu Hause

Serie "Aus der Natur"

Kleinostheim
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Nutrias haben sich in Deutschland fast flächendeckend verbreitet, auch im See des LBV-Naturerlebnisgartens kann man sie beobachten. Foto: Thomas Staab
Foto: Thomas Staab
Für Spa­zier­gän­ger gibt es im Som­mer viel zu ent­de­cken. Doch nicht je­der er­kennt, wel­cher ge­fie­der­te Gast im Gar­ten von Ast zu Ast hopst, weiß Na­men von Bäu­men, Blu­men oder In­sek­ten. Tho­mas Sta­ab vom Lan­des­bund für Vo­gel­schutz (LBV), Lei­ter der Re­gio­nal­ge­schäfts­s­tel­le Un­ter­main in Klei­n­ost­heim (Kreis Aschaf­fen­burg), stellt Main-Echo-Le­sern Tie­re und Pflan­zen vor.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, einen Biber im Wasser zu sehen. Oder, wie Hundebesitzer Thomas Staab meint, »einen schwimmenden Dackel«. Nutrias, einst als Pelztiere von Südamerika nach Europa gekommen, haben sich in Deutschland fast flächendeckend angesiedelt. Einige Exemplare leben zum Beispiel im Naturerlebnisgarten Kleinostheim, auch in und am Main zeigen sie sich. Die Tiere sind tag- wie nachtaktiv, bevorzugen aber die Zeit der Dämmerung.

Der, die oder das Nutria? Laut Wikipedia ist die Nutria gebräuchlich, seltener das Nutria. Die Online-Enzyklopädie kennt weitere Namen: Biberratte oder seltener Sumpfbiber, Schweifbiber, Schweifratte oder Coypu. Im Gegensatz zum Biber, erläutert Naturfachmann Staab, sei der circa 35 Zentimeter lange Nutria-Schwanz nicht flach, sondern rundlich geformt. Die Tiere kommen auf eine Körperlänge von 65 Zentimetern, werden acht bis zehn Kilo schwer und haben »auffallend orangerote Schneidezähne und eine mehlig-weißliche Stupsnase«, so Staab. Außerdem besitzen sie mehr Barthaare als ein Biber.

Verwandt sind die wasserliebenden Nutrias mit den Meerschweinchen, die ebenfalls aus Südamerika stammen, und wurden in Deutschland erstmals 1930 freilebend gesichtet. Heute haben sie mancherorts die Scheu vor den Menschen verloren, lassen sich an Uferwegen oder in Parkanlagen füttern. Strenge Winter, so der Naturfachmann, dezimieren ihre Bestände. Nutrias, die zum Teil von Menschen bewusst ausgewildert beziehungsweise aus Zuchtbetrieben freigelassen wurden, vertragen keine allzu niedrigen Temperaturen.

Angst um den Fortbestand ihrer Population muss allerdings niemand haben. Junge Nutrias sind bereits mit sechs Monaten geschlechtsreif, Weibchen können von nun an zweimal pro Jahr Junge bekommen, jeweils sechs bis acht nach einer Tragezeit von 19 Wochen. Die Tiere leben in kleinen Gemeinschaften oder paarweise, erläutert der LBV-Experte. Dem einmal gewählten Partner bleibet ein Nutria treu.

Noch ein Unterscheidungsmerkmal zum Biber nennt Staab: Nutrias graben einen Erdbau, dessen Eingänge im Gegensatz zur Biberburg oder dem Heim einer Bisamratte oberhalb der Wasseroberfläche liegen. Schäden richten auch sie an, sogar erhebliche, wenn zum Beispiel Uferteile einstürzen oder der Hochwasserschutz betroffen ist, weil Dämme und Deiche beschädigt sind.

Als Vegetarier ernähren sie sich von Blättern, Wurzeln und Wasserpflanzen. Sitzen dort Muscheln, Krebse, Larven oder Würmer, werden diese mitgefressen. Staab: »Im Sommer gehen Nutrias auch auf Felder und nagen an Maispflanzen oder Hackfrüchten.« In ihrer Heimat, erzählt der Naturexperte, werden Nutrias von Menschen gegessen. Ihr Fleisch soll ähnlich wie Spanferkel schmecken. In der DDR kannte man Nutriafleisch ebenfalls, es kam »als Rouladen, Mettwurst, Salami und Landjäger auf den Tisch«, berichtet Staab.

In Deutschland gehören Nutrias zu den invasiven Arten, erläutert er, und dürfen unter anderem in Bayern gejagt werden. Gefahren drohen den Tieren außerdem im Straßenverkehr und durch freilaufende Hunde, ebenso von Fuchs und Greifvögeln.

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