Aschaffenburger Brüderschaftsfest ohne Ditib?

Gesellschaft: Gruppierungen wie Attac und die Kommunale Initiative üben Kritik am Aschaffenburger Moscheeverein

Aschaffenburg
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Mehr zum Thema: Fest Brüderschaft der Völker Aschaffenburg
Brüderschaft der Völker, Volksfestplatz, Aschaffenburg Strom & Wasser feat. The Refugees Foto: Timo Raab
Foto: TIMO RAAB (www.timoraab.de) (Freie)
Soll das "Brü­der­schaft der Völ­ker"-Fest im Ju­li oh­ne den Aschaf­fen­bur­ger Di­tib-Ve­r­ein statt­fin­den? Attac Aschaffenburg oder die Kommunale Initiative (KI) fordern das - wenn sich der Aschaffenburger Moscheeverein nicht von dem Ditib-Aufruf distanziert, für den türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien zu beten.

Am 14. Mai, so heißt es aus dem Rathaus, soll das Thema auf der Tagesordnung des Aschaffenburger Stadtrats stehen. »Die Stadt ist mit Ditib in Kontakt«, so Pressesprecherin Carla Diehl auf Nachfrage. Die Stadt Aschaffenburg ist Veranstalter des Festes »Brüderschaft der Völker«, das in diesem Jahr vom 20. bis 22. Juli auf dem Volksfestplatz stattfindet.
»Lehnen Gewalt ab«
Auf die Frage, was er zu der Forderung von KI und Attac sagt, antwortet Orhan Akdemir, Vorsitzender von Ditib Aschaffenburg: »Wir lehnen jede Form von Krieg, Gewalt und Diskriminierung ab.« Gebete für den Kriegseinsatz türkischer Gruppen in Nordsyrien habe es in Aschaffenburg nie gegeben und werde es auch nicht geben. »Wir setzen uns für türkisch-kurdische und türkisch-deutsche Freundschaft ein. Bei uns ist jeder willkommen. Wir leben nach dem deutschen Grundgesetz.« Selbstverständlich wolle man auch weiter beim Aschaffenburger Fest »Brüderschaft der Völker« dabei sein.


Anlass für die aktuelle Diskussion war ein Antrag von Johannes Büttner von der Kommunalen Initiative (KI) an die Stadt Aschaffenburg. In dem Schreiben forderte Büttner im Januar Ditib dazu auf, sich vom Krieg zu distanzieren und Gebetsaufrufe der türkischen Religionsbehörde zurückzuweisen. »Von den Aussagen Ditibs müssen wir die Teilnahme am Fest Brüderschaft der Völker abhängig machen«, so Büttner. Denn für den Krieg zu beten sei mit der Philosophie der Veranstaltung nicht vereinbar.


Das sieht man auch bei Attac Aschaffenburg so. »Die Lage hat sich verschärft, seit das erste Mal vor einigen Jahren über die Fest-Teilnahme von Ditib diskutiert wurde«, sagt Sprecher Reinhard Frankl. Grund sei Erdogans Position zum Krieg in Nordsyrien und dass auch in Deutschland Türken dafür beten. »Es ist undenkbar, mit so einer Organisation ein Brüderschaftsfest zu feiern«, so Frankl. Seiner Meinung nach sei es eine »Illusion« zu glauben, Ditib Aschaffenburg denke anders als der deutschlandweite Verband.


Weiter sagt Frankl: »Es wird immer argumentiert, wir klammern Menschen vom Fest aus, aber es geht um die Organisation als solche. Wer als Individuum kommen möchte, kann kommen. Jeder kann sich kritisch zu seinem Umfeld äußern.« Dass »Aschaffenburg ist bunt«, 2016 als Gegenbewegung zu den »Pegida«-Demonstrationen ins Leben gerufen, an der Diskussion zerbrechen könnte, glaubt Attac-Mann Frankl nicht. »Es gab schon immer mal verschiedene Meinungen.«


Über das Thema werde jetzt gesprochen, weil das Brüderschaftsfest bevorstehe, das von der Stadt Aschaffenburg veranstaltet wird. »Die Stadt soll sich daher äußern«, sagt Frankl. Nicht für einen Ditib-Ausschluss ausgesprochen haben sich bislang der Stadtjugendring, der das Brüderschaftsfest ausrichtet, und die Grünen, ebenfalls Mitglieder bei »Aschaffenburg ist bunt«. »Der Stadtjugendring will der politischen Entscheidung nicht vorgreifen«, so Geschäftsführer Uli Kratz und verweist damit auf den 14. Mai, wenn der Stadtrat das Thema behandeln will. Ob die Debatte um Ditib bei der Frühjahrsversammlung des Stadtjugendring vielleicht trotzdem zur Sprache kommt, ist unklar.


Wäre Ausschluss Rückschritt?
Generell halte man einen Ditib-Ausschluss für einen Rückschritt in der Integrationsarbeit, so Kratz weiter. Daneben sei das friedliche Zusammenleben der türkisch-, alevitischen und kurdischen Gruppen in Aschaffenburg nicht allein vom Fest abhängig, sondern auch davon, wie der Kontakt unter ihnen laufe und wie er von städtischer Seite unterstützt werde.
Sebastian Görgen, Sprecher des Grünen-Kreisverbandes, hält es für das falsche Mittel, den Verein auszuschließen. »Das Brüderschaftsfest steht doch symbolisch für Vermittlung.«
Miriam Schnurr

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