Aschaffenburger Brüderschaftsfest mit Ditib

Gesellschaft:Stadtrat entscheidet nach schriftlicher Stellungnahme zugunsten des Moscheevereins – Weiterhin kritische Stimmen

Aschaffenburg
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Die Aschaffenburger Ditib-Moschee in der Hanauer Straße. Foto: Victoria Schilde
Foto: Victoria Schilde
Das diesjährige Fest »Brüderschaft der Völker« findet auch in diesem Jahr wieder mit dem Aschaffenburger Ditib-Verein auf dem Volksfestplatz statt. Archivfoto: Harald Schreiber
Foto: Harald Schreiber
Die Mehr­heit des Aschaf­fen­bur­ger Stadt­rats hat am Mon­ta­g­a­bend ge­gen ei­nen Aus­schluss des Di­tib-Ve­r­eins vom Fest »Brü­der­schaft der Völ­ker« ge­stimmt. Das Fest fin­det vom 20. bis 22. Ju­li auf dem Volks­fest­platz statt. Vier Rats­mit­g­lie­der wa­ren an­de­rer Mei­nung: Thomas Giegerich und Moritz Mütze (Grüne), sowie Andreas Schubring und Johannes Büttner von der Kommunalen Initiative (KI) stimmten gegen die Teilnahme.

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Büttner hatte im Januar einen Antrag an den Stadtrat gestellt und darin gefordert, dass sich der Aschaffenburger Moscheeverein von den bundesweiten Gebetsaufrufen für den türkischen Kriegseinsatz in Nordsyrien distanziert. Auch wollte er Auskunft darüber, ob es diese Gebete auch in Aschaffenburg gegeben hat. Von diesen Aussagen müsse man die Teilnahme am Brüderschaftsfest abhängig machen, so Büttner.

»Für den Frieden gebetet«

Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) zitierte am Montagabend aus zwei dem Plenum vorliegenden Erklärungen des Moscheevereins: In einem Schreiben vom 28. März weist der Vorsitzende Orhan Akdemir die Vorwürfe klar zurück, es sei auch in Aschaffenburg für den Krieg gebetet worden. »Definitiv wird ausschließlich nur für den Frieden im Gebiet und auf der ganzen Welt gebetet«, heißt es darin wörtlich. Man distanziere sich gleichzeitig von politischen Einflüssen und passe sich der demokratischen Grundordnung an. Außerdem habe man keine Imame, die für einen Krieg beten und würde diese auch nicht dulden.

Für Herzog war das überzeugend: Die Stellungnahme unterstreiche den Fakt, dass es keine Kriegsgebete in Aschaffenburg gegeben habe.

Johannes Büttner ging das Schreiben jedoch nicht weit genug: Man habe sich darin nicht vom Ditib-Dachverband distanziert und dem bundesweiten Aufruf für solche Gebete. Letztendlich stehe auch der lokale Verein unter Aufsicht der türkischen Religionsbehörde.

Viele Mitglieder des Stadtrats begrüßten die kritische Diskussion zum Thema Ditib, waren aber überwiegend gegen den Ausschluss des Vereins auf dem Brüderschaftsfest.

»Wenn wir eine Gruppe ausschließen, ist das keine Demokratie mehr«, so Robert Löwer (CSU). Stefan Wagener (Grüne) betonte, er könne die Befürchtungen nachvollziehen. »Aber Ditib ist nicht verfassungsfeindlich.« Innerhalb seiner Partei gab es unterschiedliche Meinungen zum Thema. Thomas Giegerich sagte, die Außendarstellung Ditibs unterscheide sich von jener der anderen Vereine auf dem Fest: Die Mehrzahl sei nicht von einem Dachverband gesteuert.

Karsten Klein (FDP) hielt die Stellungnahme des Aschaffenburger Ditib-Vereins für glaubwürdig, mahnte aber, »nicht klein beizugeben«, falls man neue Erkenntnisse gewinne.

»Dialog unterstützen«

Laut Uli Kratz, Geschäftsführer des Aschaffenburger Stadtjugendrings (SJR) könne man nun auf Basis der Stadtratsentscheidung weiterarbeiten. Wichtig sei aber, wie die über 100 Gruppen, die am Fest teilnehmen, damit umgehen – besonders die türkischen und alevitischen. »Uns geht es darum, den Dialog immer zu unterstützen, aber das Brüderschaftsfest auch nicht politisch zu instrumentalisieren.« Er hoffe, dass sich die Fronten nach der Stadtratsentscheidung nicht wieder verhärten.

Ercan Pancarci, Vorsitzender des Kulturvereins Halkevi, ist ebenfalls dafür, dass Dialoge weitergeführt werden, gibt sich ansonsten aber zurückhaltend. Sein Verein hatte sich 2012 zunächst geweigert, am Brüderschaftsfest teilzunehmen, weil Ditib dabei war. »Aber wir sind nicht die Polizei und entscheiden das nicht«, so Pancarci.

Ditib-Vorsitzender Orhan Akdemir zeigte sich nach der Stadtratssitzung zufrieden mit der Entscheidung und auch mit der Diskussion. Zu den bundesweiten Gebeten für den Krieg in Moscheen sagt Akdemir: »Ditib Aschaffenburg ist Ditib Aschaffenburg. Wir haben noch nie für den Krieg gebetet. Wenn ein Imam das tun würde, würden wir sofort notwendige Maßnahmen einleiten.«

Unterdessen sei jeder willkommen, die Ditib-Moschee in der Hanauer Straße zu besuchen. Diesen Mittwoch beginnt der Fastenmonat Ramadan. »Wir laden bis zum 14. Juni alle ein, jeden Abend bei Sonnenuntergang zum Fastenbrechen zu kommen.«

MIRIAM SCHNURR
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