Anteil an wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Aufschwung Aschaffenburgs

Historisches: Vor 150 Jahren wurde Wilhelm Matt geboren - Von 1904 bis 1933 Oberbürgermeister

Aschaffenburg
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Dr. Wilhelm Matt - Oberbürgermeister - K. Hofrat - Zusatzdaten: Personen
Foto: N.N., JJ/MM/TT
Die Aschaffenburger Mattstraße erinnert an den früheren Aschaffenburger Oberbürgermeister Wilhelm Matt.
Foto: Björn Friedrich
Vor 150 Jah­ren hat in der Dom­stadt Spey­er Wil­helm Matt, lang­jäh­ri­ges Stad­t­ober­haupt von Aschaf­fen­burg, das Licht der Welt er­blickt. Spey­er war von 1816 bis 1938 Haupt­stadt der baye­ri­schen Pfalz.

Wilhelm Matt wird am 16. Juli 1872 geboren. Seine Eltern, der Kreisschulrat Wendelin Matt und dessen Ehefrau Magdalena, geborene Starck, lassen ihrem Sohn eine solide Schulausbildung zukommen. Sie garantieren ihm auch nach dem erfolgreichen Gymnasiumabschluss 1891 in seiner Geburtsstadt das Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten von München, Berlin und Heidelberg von 1891 bis 1895 mit abschließender Promotion.

Zunächst verdient Matt sich sein eigenes Geld am Amtsgericht Speyer, anschließend am Landgericht Frankenthal. Nachdem er mit Erfolg 1898 den »Bayerischen juristischen Staatskonkurs« (Verwaltung/Bearbeitung von Konkursmassen) absolviert hat, studiert er zwischen Offizierslehrgängen 1899 und 1900 ein Semester an der landwirtschaftlichen Hochschule Weihenstephan, arbeitet danach als Regierungsakzessist (Akzessist: ein bei Gericht zugelassener Jurist) in Lindau und Bergzabern; 1902 wird er Bezirksamtsassessor in Obernburg am Main, wo er bis 1906 heimatberechtigt ist. Und schließlich, am 9. Februar 1906: Für die Gebühr von 80 Mark erhält Wilhelm Matt das Bürgerrecht der Stadt Aschaffenburg.

Frieden, Krieg, Revolution und Diktatur

Zwei Jahre zuvor: Als Friedrich Ritter von Medikus, Stadtoberhaupt seit 1877, am 30. März 1904 stirbt - noch keine 57 Jahre alt - wird Wilhelm Matt am 20. Mai des gleichen Jahres zu seinem Nachfolger gewählt. Es sollen sehr wechselvolle Amtszeiten für den neuen Oberbürgermeister werden - mit Frieden, Krieg, Revolution und Diktatur.

Eine beruflich und gesellschaftlich erfolgreiche Karriere hat er bereits hinter sich - die Verleihung des Titels »Königlicher Hofrat« 1911, Begegnungen mit Prinzregent Luitpold 1912 und König Ludwig III. 1913 in Aschaffenburg - dann bricht 1914 der Erste Weltkrieg aus.

Groß ist das Elend der Bürger, Hunger und Not sind die Begleiter im Alltag, nachdem die zu Kriegsbeginn herrschende Euphorie verflogen ist. Eindeutig Stellung bezieht das Stadtoberhaupt, das sich sozial engagiert, zum politischen Klima gegen Kriegsende, vor allem zu der sich anschließenden Novemberrevolution und ihren Folgen.

Hafenausbau, neue Industriebetriebe, Straßenbeleuchtung

Nach dem Ende des Weltenbrandes beginnt unter schwierigen logistischen Bedingungen, begleitet von finanziellen Engpässen, der erneute wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aufschwung der Stadt, an dem Wilhelm Matt einen nicht geringen Anteil hat: Anlegen neuer Straßen und Bau von Wohnungen, durch den Hafenausbau Anschluss an den europäischen Binnenverkehr, Erbauung von Oberrealschule und Meisterschule für Steinmetze, Errichtung des Elektrizitätswerkes und der Sankt-Laurentius-Kirche in Leider, der Sankt-Josefs-Kirche in Damm, neue Industriebetriebe wie Kleider und Meßwerkzeugfabriken, Güldner-Motoren-Werke, Heckmann'sches Kupferwerk, Erweiterung der Straßenbeleuchtung und der Grünanlagen, Förderung der Jugendfürsorge, schulärztliche Pflichtuntersuchungen, Kinderspeisungen und Vereinsgründungen.

Zunehmende politische Spannungen Ende der 1920er- und öffentliche Gewalt zu Beginn der 1930er-Jahre deuten den Untergang der Demokratie an. Und 1933 ist es schließlich so weit: Der demokratische Staat von Weimar, an dem der überzeugte Katholik und Parteigänger der Bayerischen Volkspartei Wilhelm Matt mitgearbeitet hat, ist Geschichte, muss der NS-Diktatur weichen; und damit endet im März 1933 auch die »Ära Matt«, allerdings unfreiwillig. Lange muss sich das ehemalige Stadtoberhaupt von Aschaffenburg die Zerstörung der Demokratie nicht mehr ansehen: Wilhelm Matt stirbt am 23. Januar 1936 im Alter von nur 64 Jahren und wird auf dem Altstadtfriedhof beigesetzt.

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