Anderthalb Jahre für Gewaltausbrüche

Gericht: 21-jähriger Somalier zu Gefängnisstrafe verurteilt - Gefährliche Körperverletzung und tätlicher Angriff

Aschaffenburg
2 Min.

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Ein Mann steht in Handschellen neben einem Polizisten. Bei einer Schlägerei im Clan-Milieu zwischen zwei polizeibekannten Clanfamilien ist ein Mann leicht verletzt worden. +++ dpa-Bildfunk +++
Bildunterschrift 2021-03-04 --> Ein junger Mann aus der Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Angriff auf einen Polizeibeamten verantworten und nun anderthalb Jahre ins Gefängnis. Symbolfoto: Johannes Neudecker (dpa)
Foto: JOHANNES NEUDECKER

Eine Serie gewalttätiger Ausbrüche im vergangenen Oktober hat einem ehemaligen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Schweinfurter Straße eineinhalb Jahre Haft eingebracht. Nach einer zähen, mehrfach unterbrochenen Beweisaufnahme sprach das Schöffengericht den 21 Jahre alten Somalier der gefährlichen Körperverletzung in drei Fällen sowie des tätlichen Angriffs auf einen Polizeibeamten schuldig und schickte ihn ins Gefängnis zurück.

Dort saß der nun Verurteilte in Untersuchungshaft, nachdem ihn eine Streife am frühen Morgen des 21. Oktober in einem Müllcontainer an der Gemeinschaftsunterkunft aufgestöbert hatte. Stark betrunken und von Cannabis benebelt hatte er sich dort versteckt, als die Beamten wegen einer Ruhestörung auf der Bildfläche erschienen waren. Nach Beobachtungen des Sicherheitsdienstes soll der junge Mann sogar über das abgestellte Dienstfahrzeug geklettert sein, um in den Abfallbehälter zu gelangen. Schwerer wog vor Gericht, dass er auf dem Weg zur Wache einem Beamten erst gegen das Schienbein trat und im dann einen Kopfstoß versetzte. Daran hatte der Angeklagte, wie er seinen Verteidiger erklären ließ, noch eine vage Erinnerung.

Dass er und ein weiterer Heimbewohner rund zwei Wochen zuvor erst mit Fäusten, dann mit abgebrochenen Besenstielen auf einen 22-jährigen Landsmann eingeschlagen und diesen am Arm und am Hals verletzt hatten, stand erst nach der Zeugenaussage eines 32 Jahre alten Sicherheitsmitarbeiters fest.

Laut Gutachten hatte der Angeklagte dabei mindestens 1,88 Promille im Blut. Einen weiteren Sicherheitsmann, ebenfalls Somalier, griff der Beschuldigte am Abend des 19. Oktober mit einer Schere an und verfehlte zwar dessen Oberkörper, verletzte ihn aber leicht an der Hand. Wiederum war er nach Zeugenaussagen alkoholisiert. Exzessives Trinken und Drogenkonsum sind nach Worten eines 41 Jahre alten Kriminalbeamten in dem Flüchtlingsheim an der Tagesordnung. Eine Gruppe junger Männer, darunter auch der Angeklagte, falle immer wieder mit Störungen und Gewalttätigkeiten auf. Vornehmlich wegen Drogendelikten habe die Polizei den 21-Jährigen zeitweise als jugendlichen Intensivtäter geführt. Zweimal stand er bereits vor Gericht und verbüßte 2019 zwei Wochen Jugendarrest, mehrere weitere Verfahren wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit Blick auf den aktuellen Prozess eingestellt.

Frustration und Langeweile

Der Beschuldigte selbst erklärt seine Ausfälle mit Frustration, Langeweile und Hoffnungslosigkeit. Im Herbst 2017 nach Deutschland eingereist und über München, Schweinfurt und Aub nach Aschaffenburg gekommen, habe er hier zur Schule gehen und einen Beruf lernen wollen. Stattdessen sitze er ohne Arbeit, ohne Geld und ohne Perspektive in der Unterkunft fest und dürfe ohne gültigen Ausweis nicht einmal auf die Straße gehen. Die Gesetze achten müsse er dennoch, mahnte der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung: »Das zumindest darf der deutsche Staat erwarten, wenn er Sie aufnimmt«.

Dem Strafrecht Geltung zu verschaffen, erwies sich als schwierig: Das Opfer der Schläge vom 6. Oktober erschien erst nicht, wurde von der Polizei aufgestöbert und wollte sich als Zeuge dann nur vage erinnern. Weil ein angeblicher Dolmetscher bei Polizei-Vernehmungen tatsächlich ein hilfsbereiter Security-Mann mit sehr begrenzten Deutschkenntnissen gewesen war, wackelte zeitweilig der ganze Prozess: »So fährt man Verfahren an die Wand«, zürnte der Vorsitzende.

Als nicht beweisbar ausklammern musste das Gericht zudem den schwersten Anklagevorwurf. Demnach sollte der Beschuldigte Mitte Oktober eine Flasche im Gesicht eines Mitbewohners zerschlagen und diesen schwer verletzt haben. Auch dieses Opfer erschien trotz Zeugenladung nicht, greifbare Aussagen blieben widersprüchlich.

Hintergrund

Ein junger Mann aus der Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung und Angriff auf einen Polizeibeamten verantworten und nun anderthalb Jahre ins Gefängnis. Symbolfoto:

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