Alles unter Kontrolle - oder?

Homeschooling: Immer wieder ist elterlicher Spürsinn gefragt

Aschaffenburg
1 Min.

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Der Zwölfjährige Gymnasiast Julius löst am Laptop in seinem Zuhause seine Schulaufgaben, die ihm seine Lehrer für jeden Tag über den Schulserver geschickt haben. Wegen des Corona-Virus bleiben in der Hansestadt alle Schulen und Kitas geschlossen. +++ dpa-Bildfunk +++
Foto: Ulrich Perrey
Die Sa­ti­re-Web­si­te "Der Po­s­til­lon" hat ge­mel­det: Nach mo­na­te­lan­gem Ho­me­schoo­ling wür­den ers­te El­tern ver­beam­tet. Ja, bit­te­sc­hön! Wo­bei das Ver­mit­teln von Lern­in­hal­ten wohl eher Fa­mi­li­en mit jün­ge­ren Kin­dern trifft. Be­fin­det sich der Nach­wuchs kurz vor oder in der pu­bertä­ren Pha­se, ist der el­ter­li­che Ein­satz in ers­ter Li­nie im ad­mi­ni­s­t­ra­ti­ven und tech­ni­schen Be­reich ge­for­dert (»Pa­pa!!!! Was ist schon wie­der mit dem Wlan!!!???«). Pünkt­lich zum Un­ter­richts­be­ginn am Mor­gen muss der Spröss­ling für sei­ne On­li­ne-Sit­zung an­ge­mel­det und idea­ler­wei­se tat­säch­lich wach sein.

Das klappt inzwischen recht gut. Mit kleinen Einschränkungen. An einem Tag ist die Klasse annähernd vollständig im virtuellen Raum versammelt, der Lehrer kommt eine Viertelstunde später dazu. Bis dahin lebhafte Diskussion: Gab es eine Info? Die einen sagen ja, die anderen wissen von nichts.Nachfrage beim Homeschooling-Administrator - auch Mama genannt - ergibt: ratloses Schulterzucken. Die Info war auf keinem der zur Verfügung stehenden Kanäle abrufbar. Und das sind nicht wenige. Gut, im Frühjahrs-Lockdown erreichten noch viele Lehrer-Mails direkt die Eltern-Adresse. Inzwischen wird das Kind selbst angeschrieben. Hat Vor- und Nachteile. Weniger Eingänge, die es zu beobachten gilt - aber auch weniger Kontrolle über den Heranwachsenden. Überhaupt gleicht die aktuelle Homeschooling-Phase gelegentlich einem Detektiv-Spiel. Mutter und Sohn sind als Sherlock Holmes und Watson unterwegs, mit wechselnden Rollen. Mal weiß der eine mehr, mal der andere. Spürsinn ist gefragt, wollen sämtliche Arbeitsaufträge entdeckt und alle Digitaltreffen registriert werden. Die Lernplattform funktioniert aktuell besser denn je, damit ist die erste Hürde genommen. Nun heißt es für aufmerksame Eltern: Erkenne, ob und wo neue Arbeitsaufträge eingegangen sind. Egal wie gut sie versteckt sind. Das Kind, von Natur aus eher ein Arbeit-nach-hinten-Verschieber denn fleißiger Sofort-Erlediger, registriert zwar, wenn beispielsweise am Nachmittag für seine Klasse eine Nachricht eingeht. Wendet sich aber alsbald interessanteren Dingen zu. Nun ist der Homeschooling-Überwachungsdienst gefordert. Für welches Fach ist frisches Material vorhanden? Manchmal erkennbar am Datum, manchmal am entsprechenden Schulbuchkapitel. Andere Informationen verstecken sich hinter unauffälligen Stichworten wie »Ankündigung«. Pech für Kinder mit neugierigen Eltern. Die schauen nun fleißig nach, kontrollieren mehrmals täglich alle Fächer und leiten lückenlos die Arbeitsaufträge weiter. Wie war das noch mal mit der Verbeamtung?

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