Akkus im Müll: Die heimliche Gefahr - Stadt Aschaffenburg will vorbeugen

Entsorgung:Nach dem Brand im Leiderer Hafen überlegt die Stadt Maßnahmen beim Recycling

Aschaffenburg
3 Min.

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Mehr zum Thema: Feuer im Leiderer Hafen
Alte Akkus und Batterien sollen vor dem Wegwerfen von Elektrogeräten ausgebaut und separat entsorgt werden. Symbolfoto: Franziska Gabbert (dpa)
Foto: Franziska Gabbert
350 Feuerwehrleute mussten das Feuer bei einem Recyclingunternehmen im Leiderer Hafen löschen. Brandherd war ein Container mit Elektroschrott. Archivfoto: Ralf Hettler
Foto: Ralf Hettler
Um es vor­weg­zu­neh­men: Die Ur­sa­che für den Brand im Re­cy­c­ling­un­ter­neh­men We­starp im Lei­de­rer Ha­fen steht noch nicht fest. Auf 600 Quad­r­at­me­tern brann­te hier am 11. Mai Elek­tro­schrott. Doch Jür­gen We­starp sel­ber ist sich si­cher, dass ein weg­ge­wor­fe­nes Han­dy oder ein an­de­res Ge­rät mit ei­nem Li­thi­um-Io­nen-Ak­ku die Ur­sa­che war.

Der Brand sei in einem Container mit unsortiertem Elektroschrott ausgebrochen.

Wie der Aschaffenburger Bürgermeister Jürgen Herzing erklärt, sei die Brandgefahr durch weggeworfene Lithium-Ionen-Akkus ein heiß diskutiertes Thema bei Recyclingunternehmen. Denn Lithium-Akkus reagieren wesentlich empfindlicher auf falsche Behandlung als andere Batterien.

Aschaffenburger schwer verletzt

Und beschädigte Akkus können sich selber entzünden- Man denke nur an die Geschichten mit den angeblich explodierenden Samsung-Handys. Oder den Vorfall, als die Feuerwehr im vergangenen Jahr ein brennendes Elektromofa in Stockstadt nur löschen konnte, indem sie es in einem mit Wasser gefüllten Behälter versenkte.

2017 war in Aschaffenburg ein 29-Jähriger durch eine E-Zigarette in der Hosentasche, deren Akku brannte, so schwer verletzt worden, dass er in einer Spezialklinik behandelt werden musste.

Sehr heiß und sehr heftig

Lithium-Ionen-Akkus sind sehr leicht und speichern sehr viel mehr Energie als herkömmliche Batterien, die sie daher fast komplett abgelöst haben. Sie entladen sich auch nicht so schnell. Die Energie bleibt lange gespeichert. Vor allem in tragbaren Geräten wie Smartphones, Tablets, Digitalkameras, E-Zigaretten und Notebooks sind Lithium-Akkus weit verbreitet. Aber auch in E-Bikes oder Elektroautos werden sie inzwischen eingebaut.

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Brand im Aschaffenburger Hafen am 11.05.2019
Foto: Ralf Hettler |  21 Bilder

Explodieren könne derartige Akkus aber nicht, beruhigt Herzing. Doch sie brennen sehr heiß und sehr heftig. Etwa vergleichbar mit Wunderkerzen. Das beste Mittel, um sie zu löschen, ist aber trotzdem Wasser. Eine Gießkanne oder ein Eimer voll reichen da aber nicht. Es muss schon ein kräftiger Wasserstrahl sein, sagt Herzing. Und, sobald das Wasser getrocknet ist, entzünden sich die Akkus erneut. Das liegt an ihrer Bauart und Funktionsweise (siehe Info-Kasten). Daher soll man bei einem derartigen Brand möglichst sofort die Feuerwehr rufen.

Bislang werden Lithium-Ionen-Akkus als Gefahrenherd aber wenig beachtet. Dies liegt daran, dass sie relativ neu sind. 1991 kam der erste auf den Markt. Jetzt landen aber immer Akkus im Müll.

Mehr Kontrolle

Eigentlich sollten die Akkus aus den Geräten ausgebaut und extra entsorgt werden. Zumal sie absolut giftig für die Umwelt sind. Doch das ist eher selten der Fall. Wie Jürgen Westarp nach dem Brand beobachtet hat, lagen in dem Container, der in Brand geraten war, etliche Geräte mit eingebauten Akkus. Als man den Müll zum Löschen ausbreitete, hätten viele noch geblinkt.

Daher überlegt die Stadt jetzt vorbeugende Maßnahmen. So sollen die Container für Elektro-Kleingeräte, die derzeit weit hinten auf dem Gelände des städtischen Recyclinghofs stehen, nach vorne geholt werden, wo der Einwurf vom Personal besser kontrolliert werden kann.

Eventuell dürfen die Kleingeräte auch nicht mehr direkt eingeworfen werden, sondern müssen in einen separaten Behälter gelegt werden. Die Mitarbeiter des Recyclinghofs befördern diese dann in die Container und bauen vorhandene Akkus vorher aus.

Ähnlich verhält es sich mit den Sammelcontainern für Elektro-Kleingeräte im Stadtgebiet. Deren Inhalt wird zunächst auf einer Fläche ausgebreitet und nach Akkus durchgesehen, bevor sie weiter sortiert und recycelt werden. Auch hier entfernen Recyclinghof-Mitarbeiter die Akkus.

Problematisch sieht es mit Geräten aus, die in den Hausmüll geworfen werden. Dieser kann unmöglich komplett nach alten Handys oder E-Zigaretten durchforstet werden. Jürgen Herzing will hier die Untersuchungsergebnisse der Polizei zum Brand im Leiderer Hafen abwarten. Eine Lösung sieht er darin, den Müll in kleineren Mengen zu separieren, um so größere Brände zu verhindern.

Ab 24. Juli Rücknahmepflicht

Ab dem 24. Juli muss der Einzelhandel übrigens kostenlos Altgeräte zurücknehmen. Das gilt sowohl für den stationären wie für den Online-Handel. Bei Großgeräten sind die Händler nur beim Kauf eines Geräts verpflichtet das Altgerät anzunehmen. Für Kleingeräte - bis 25 Zentimeter Kantenlänge - gilt die Verpflichtung unabhängig davon, ob man Kunde beim Händler ist oder nicht.

Die Firma Westarp hat sich eine eigene Lösung gebastelt. Beim Schreddern der Elektrogeräte landen Akkus in einen mit Wasser gefüllten Behälter, um eine Entzündung zu verhindern. Der Schaden, der bei dem Brand am 11. Mai entstanden ist, sei im Übrigen deutlich geringer gewesen als zunächst vermutet. »Wir werden ihn noch nicht einmal der Versicherung melden«, so Jürgen Westarp.

Stichwort: Lithium-Ionen-Akku

Ein Lithium-Ionen-Akku besteht praktisch aus einem metallischen Teil (Kobalt, Mangan, Eisen oder Nickel) und einem Kohlenstoffbauteil, meist eine Graphitverbindung. In beiden sind Lithiumionen eingelagert. Dazwischen liegt eine Plastikfolie und eine nichtwasserhaltige Trennflüssigkeit auf organischer Basis. Beim Entladen der Batterie wandern Lithiumionen vom positiv geladenen Metallteil zum negativ geladenen Graphitteil, während die gleiche Zahl an Lithiumionen den umgekehrten Weg geht. Beim Laden drehen sich Anode und Kathode um. Die Trennschicht sorgt dafür, dass diese Wechselbewegung gerichtet ist.

Ist die Trennschicht defekt, etwa durch einen Fall aus größerer Höhe oder durch extreme Temperaturschwankungen, können sich die Lithiumionen ungeregelt im Akku bewegen. Sie tun dies sehr intensiv, wodurch sich der Akku extrem erhitzt und zu brennen anfangen kann. ()

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