Montag, 10.08.2020
75 Jahre Main-echo Main-Echo Startseite

13-Jähriger aus Obernau ist schwer an Krebs erkrankt: Verein Herzmensch sammelt Geld für Therapie

Damit Lucas Hoffnung weiter wächst

Aschaffenburg
Kommentieren
3 Min.

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Andre Döbber vom Verein Herzmensch (rechts) unterstützt den schwerkranken Luca Kussatz (13) und seine Eltern Kerstin und Stefan. Foto: Ralf Hettler
Foto: Ralf Hettler
Alles begann 2018 in Holland, wo die fünfköpfige Obernauer Familie Kussatz ihren Sommerurlaub verbrachte. Der heute 13-jährige Luca kränkelte schon bei der Abreise, sein Zustand verschlechterte sich schnell und bald war klar: Es ist Krebs.

Erst nachdem sich Lucas Zustand in einer holländischen Klinik stabilisiert hatte, konnte er zurück nach Deutschland. Seitdem bedroht die akute lymphatische Leukämie das Leben des Jungen. Hoffnung setzt die Familie in eine teure Therapie, für die der Waldaschaffer Verein Herzmensch Geld sammelt.

So kommt es, dass die Familie mit Lucas Schicksal an die Öffentlichkeit geht. Es ist klar, dass ihm nicht viel Zeit bleibt. »Du lebst den Alptraum«, sagt Vater Stefan Kussatz. Im Gespräch mit ihm in Obernau wird deutlich: Nach der Diagnose hat sich das Leben der Familie komplett verändert. Sie zog sich sowohl von der restlichen Familie zurück als auch von Nachbarn und Freunden. Inzwischen sind Vater und Mutter arbeitsunfähig - sie sind psychisch extrem belastet, wollen aber ihrem Sohn zur Seite stehen.

Nur langsam kämpft sich die Familie zurück ins Leben, auch dank Lucas großer Schwester, die den Kontakt zu Andre Döbber von Herzmensch ermöglicht hat: »Wir sind einfach da«, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Und Geld dürfe keine Rolle spielen: um Lucas Leben zu retten, um die Familie insgesamt zu unterstützen.

Eine Chemotherapie, nach der er bereits als geheilt galt und eine Knochenmarktransplantation, bei der er sechs Wochen lang isoliert war, hat Luca mittlerweile hinter sich - doch der Krebs breitet sich so rasch aus wie noch nie. Als Ausweg galt den Ärzten eine sogenannte CAR-T-Zell-Therapie, eine neuartige Immuntherapie.

Warten auf ein Hilfsmittel

Doch sie kam nie zum Einsatz, weil nach Ansicht von Andre Döbber die Krankenkasse schon zwei Mal möglicherweise lebensrettende Zeit verstreichen ließ: Erst habe der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) den Ausgang einer Stammzellentherapie abwarten wollen, was zu einem Rückschlag und einer Chemotherapie führte. Als endlich dem Antrag auf die Zelltherapie zugestimmt wurde, sei es aus Sicht der Ärzte zu spät gewesen dafür.

Anfang Januar stand eine andere, teure Therapie im Raum. Wieder habe die Kasse mitgeteilt, so Andre Döbber, man wolle sich einen Monat Zeit lassen. Nach Alarmierung des Vereins Herzmensch habe dieser 25 000 Euro bereitgestellt, um die Therapie auch ohne Kassenzusage finanzieren zu können. Doch erneut winkten die Ärzte ab: zu spät.

Keine Zeit verlieren

Nun setzen alle auf »die letzte Chance«, wie Andre Döbber sagt. Es geht um eine Therapie, die Gesamtkosten im sechsstelligen Bereich verursachen könnte. Noch haben sich die Ärzte nicht entschieden, welches Medikament zum Einsatz kommen soll. Aber diesmal solle keine Zeit für Anträge verstreichen, sagt Döbber.

»Wir sammeln das Geld für die Medikamententherapie - ganz gleich, welche benötigt wird.« Man wolle alles versuchen, um Lucas Leben zu retten - unabhängig davon, was die Bürokratie sagt. »Wir vertrauen den behandelnden Ärzten, nicht dem MDK.« Auch eine Therapie im Ausland ziehe die Familie in Erwägung.

Seit Beginn des Engagements von Herzmensch gibt es wieder Hoffnung im Haus Kussatz: Der Verein hat nach eigenen Angaben bereits fast 100 000 Euro gesammelt - Geld, das von zahlreichen Vereinen, Kindergärten und anderen Organisationen aus den Kreisen Aschaffenburg und Miltenberg kommt. Viele versuchten auch mit kleinen Beträgen zu helfen, etwa durch Kuchenverkauf, berichtet Döbber. Man spürt, wie dankbar die Familie ist. »Ich hab' Gänsehaut bekommen«, erzählt Stefan Kussatz überwältigt.

Große Träume

Auch in Luca selbst scheint der Lebensmut wieder zu wachsen. Er berichtet von großen Träumen außer der Genesung: Wenn er vom London Eye in der englischen Hauptstadt spricht, funkeln seine Augen. Schon lange wünscht er sich eine Reise mit seiner Familie nach London, inklusive Fahrt im Riesenrad.

Und dann ist da noch die Frankfurter Eintracht: Luca ist ein großer Fan, weswegen er wahnsinnig gerne als einmal bei einem Fußballspiel zuschauen würde, als VIP-Gast. Denn nur wenn er mit dem Auto bis vors Stadion gefahren werden darf, könnte sein schwacher Körper den Besuch verkraften.

Spendenkonto und weitere Infos

Hintergrund: Akute lymphatische Leukämie

Eine akute lymphatische Leukämie (ALL) ist eine seltene und aggressive sowie rasch fortschreitende Form der Leukämie, die vor allem im Kindesalter auftritt. Nur 20 Prozent der Patienten sind erwachsen.

Bei dieser Form der Leukämie vermehren und erneuern sich die Blutzellen durch den gewöhnlichen Reifungsprozess nicht mehr in einem harmonischen Gleichgewicht. Wird die Krankheit nicht rasch behandelt und entdeckt, kann sie innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Experten zufolge muss die Diagnose ALL nicht zu Hoffnungslosigkeit führen: Bei einer frühen Erkennung der Krankheit sei sie in vielen Fällen inzwischen heilbar.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!