Ziel: Mehr Leben am Ackerrand

Umweltschutz: Umstädter und Otzberger Bauern legen Konzept vor, um größere Artenvielfalt zu erreichen

Groß-Umstadt
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Natürlich: Der Treffpunkt ist ein Bauernhof, die Haxenmühle, direkt an der B 45 bei Umstadt. Dort sind rund 30 Landwirte und andere an Natur interessierte Menschen zusammengekommen, um mitzuerleben, wie Landwirt Richard Lohnes aus Lengfeld stellvertretend für alle einen Ordner mit dem jetzt fertig gestellten »Agrar-, Umwelt- und Biodiversitätskonzept« entgegennimmt. Weil der Titel etwas sperrig ist, gibt es gleich eine griffige Abkürzung dazu: Aubi.
Sichtungen im Sommer
Was damit unter anderem gemeint ist, konnten vor einigen Monaten, als noch Sommer war, die zahlreichen Teilnehmer einer von Umstädter und Otzberger Bauern organisierten Feld- und Flurrundfahrt sehen: lange, drei Meter breite Streifen voller blühender Blumen zwischen Feldweg und Nutzpflanzen. Was auf dem ersten Blick wie Wildwuchs aussah, war in Wirklichkeit ein systematisch zusammengestellter Samencocktail, der auf dem Gelände ausgebracht worden ist. Die Streifen, die auch im kommenden Jahr wieder erblühen werden, sollen im Gegensatz zu den beiwuchsarmen Nutzflächen bunten Lebensraum für Tiere bieten.
Carlotta Böhm, die für die Planungsgruppe Natur und Umwelt (PGNU) das Projekt seit einem Jahr betreut, nannte als sogenannte Leitvögel Wachtel, Neuntöter und Steinkauz und als »Zielarten« Grauammer, Rebhuhn und Feldlerche. Das bedeutet salopp gesagt: Die Leitvögel machen dadurch, dass sie die Flächen nutzen, es für andere Vogelarten attraktiv, sich dort anzusiedeln.
Dahinter steckt eine Nachhaltigkeitsstrategie der hessischen Landesregierung, dem Rückgang der Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Nutzflächen in den vergangenen Jahrzehnten entgegenzutreten. Die Landesregierung hat ebenfalls ein Programm aufgelegt: das »hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen« (wieder ein Vier-Buchstaben-Abkürzung: Halm). Darin sind auch Möglichkeiten aufgeführt, um Blühflächen, Gewässer- und Erosionsschutzstreifen sowie eben Ackerrandstreifen zu beleben.
Was für Kommunen interessant ist: Sie können über das Programm Halm Fördermittel beantragen. Geeignete Agrarräume auszumachen, wo diese Mittel gezielt und effektiv eingesetzt werden können, war Sinn der rund einjährigen Sondierungen mit etlichen Treffen an runden Tischen. An dem Tisch saßen nicht nur den Landwirte, sondern auch Berater, wie Bauern beispielsweise umweltschonender auf den Ackerflächen gedüngt werden kann. Und von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises.
Nitratbelastung schwierig
Deren Dienstherr, Vizelandrat Christel Fleischmann (Grüne), nutzte die Gelegenheit, der Landwirtschaft ganz allgemein ein paar Leviten zu lesen - zum Beispiel wegen der immer noch zu hohen Nitratbelastung, gerade vor Ort, unweit der Haxenmühle, und er schilderte auch Beispiele gänzlich unsachgemäßer Gülleentsorgung durch schlichtes Verklappen in Fließgewässer. Aber - mit Blick auf die anwesenden Landwirte: »Hier sitzen ja nur die Guten«.
Klaus Holdefehr
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