Widerstand gegen Großprojekt

Wohnbebauung: Bürgerinitiative in Seligenstadt will die Errichtung von fünf Wohnblocks am Bahnhof verhindern

Bürgerproteste in Seligenstadt
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Fünf große Wohnblöcke neben dem Seligenstädter Bahnhof? Der Plan eines Investors, der das verwilderte Gelände samt Gebäude und Pendlerparkplatz erworben hat, schlägt hohe Wellen in der Stadt.
Foto: Karin Klemt
Ein In­ves­to­ren­plan für mas­si­ve Wohn­be­bau­ung süd­lich des Se­li­gen­städ­ter Bahn­hofs hat hef­ti­ge Bür­ger­pro­tes­te in der Ein­hard­stadt aus­ge­löst. Ei­ne Bür­ger­in­i­tia­ti­ve, die die Er­rich­tung von fünf Wohn­b­locks mit zu­sam­men 39 Wohn­ein­hei­ten zwi­schen dem denk­mal­ge­schütz­ten Bahn­hofs­ge­bäu­de und dem Bahn­über­gang Gi­se­la­stra­ße ab­lehnt, hat nach ei­ge­nen An­ga­ben be­reits über 100 Mit­g­lie­der.
Die politische Frontenbildung unter den örtlichen Parteien läuft noch. Die SPD hat sich kritisch zu dem Projekt geäußert, CDU und Grüne vermieden bislang eine öffentliche Festlegung und luden die Bürger zu einer Informationsveranstaltung ein. Die parteilose Bürgermeisterin Dagmar Nonn-Adams äußerte sich grundsätzlich positiv zu dem Vorhaben. Die Stadtverordnetenversammlung hat Beratung und Beschluss über die Aufstellung deines Bebauungsplans zunächst einmal vertagt.
Der Vorgeschichte nach müsste im Rathaus Erleichterung vorherrschen. Seit über 20 Jahren fragt man sich dort, was aus dem verwahrlosten Geländestreifen parallel zur Eisenbahnstraße werden soll. Über Jahre verhandelte die Stadt selbst mit der Bahn, um das Gelände zu erwerben, was aber an den Preisvorstellungen der Eigentümerin scheiterte. Im Zuge der Modernisierung der Odenwaldbahn wurde der Haltepunkt dann 2007 modernisiert, das Bahnhofsgebäude selbst allerdings aus dem Betrieb heraus genommen.
Die Pläne des neuen Besitzers
Das freie Gelände im Süden verwilderte freilich immer mehr und blieb ein mehr oder weniger wilder Pendlerparkplatz. Nun hat das insgesamt rund 6000 Quadratmeter große Gelände den Besitzer gewechselt. Über den Kaufpreis, den ein Bauträger aus Altenstadt hinlegte, verlautete offiziell nichts, hinter vorgehaltener Hand ist jedoch von 1,8 Millionen Euro die Rede. Was der Erwerber vorhat, erfuhr Anfang Mai der Bau- und Umweltausschuss des Stadtparlaments. Geplant sind demnach fünf Wohnbauten mit Grundflächen von 22 auf 13 Meter, zusammen 39 barrierefreie Wohneinheiten in drei dreigeschossigen und zwei viergeschossigen Blöcken, der höchste 14,35 Meter hoch. Ihre Autos sollen die Bewohner in Tiefgaragen parken. Den denkmalgeschützten Bahnhof will der Investor grundsanieren, im Erdgeschoss Büros und oben weitere Wohnungen unterbringen.
Kaum hatte dieses Vorhaben das Licht der Öffentlichkeit erblickt, da schlugen die Wogen hoch. Das Stadtbild werde den Profitinteressen eines Investors geopfert, schrieb ein Anwohner und formulierte die Bedenken vieler. Die Bürgerinitiative »Stoppt die Stadtbildzerstörung« gründete sich am 8. Mai. Man fürchte, die Stadt werde das Projekt ohne echte Bürgerbeteiligung als vorhabenbezogenen B-Plan durchwinken, heißt es in einer Erklärung der BI. Über hundert Seligenstädter besuchten am 14. Mai die Stadtverordnetensitzung, wo über die Aufstellung eines Bebauungsplans entschieden werden sollte. Das Parlament setzte das Thema erst einmal ab.
Die SPD-Fraktion äußerte in einer Erklärung dieser Tage Verständnis für die Sorgen der Bürger und bezog selbst kritisch Position. Die massive Bebauung berücksichtige die Strukturen der Stadt nicht, so der stellvertretende Fraktionschef Michael Gerheim. Die zu hohe Ausnutzung verschärfe das Parkplatzproblem in diesem Bereich. Unverständnis äußerte der Stadtverordnete Dieter Burkard über den Verkauf des gesamten Bahngeländes, einschließlich des ausgebauten Parkplatzes an der Eisenbahnstraße zur Frankfurter Straße hin. Dieser werde an der Schnittstelle zwischen individuellem und öffentlichem Nahverkehr gebraucht. Ex-Bürgermeister Rolf Wenzel schlug vor, mit einem Zusatzantrag zum B-Plan die Grundflächen- und die Geschossflächenzahl herabzusetzen.
Infoabend am Mittwoch, 30. Mai
Wie die Sozialdemokraten bekennen sich auch CDU und Grüne zur Einbeziehung der Bürger. Beide Fraktionen haben für den kommenden Mittwoch, 30. Mai, zu einem Informations- und Diskussionsabend eingeladen, der um 19 Uhr in Kleins Brauhaus gegenüber dem Bahnhof beginnen soll. Man wolle »zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen«, so CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann.
Der Investor werde seine Pläne präsentieren, dann bestehe Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Dessen Ergebnisse sollen laut Bergmann in die parlamentarische Entscheidungsfindung einfließen. kko
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