Tödliche Unfälle an Bahnübergängen in Hessen

Mehr Sicherheit gefordert

Frankfurt
2 Min.

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Bis zu 1000 Meter braucht ein Zug in voller Fahrt, bis er anhalten kann. An Schienen ist deshalb hohe Aufmerksamkeit geboten, mahnt die Bundespolizei. Nach mehreren schweren Unglücken gibt es Vorwürfe an die Deutsche Bahn.

Drei tödliche Unfälle in den vergangenen Tagen werfen ein Schlaglicht auf die Sicherheit von Bahnübergängen. In der Nähe von Korbach in Nordhessen starb am Montag ein Traktorfahrer nach einem Zusammenstoß mit einem Zug, er wollte einen unbeschrankten Bahnübergang überqueren. Am Tag zuvor erfasste ein Zug einen Fußgänger an einem unbeschrankten Bahnübergang im südhessischen Bürstadt und verletzte ihn tödlich. Nur Stunden später starben ein sehbehinderter Mann und sein Assistenzhund an einem Bahnübergang mit Halbschranke in Kriftel im Main-Taunus-Kreis.

Es ist nicht der erste tödliche Unfall an dem Krifteler Bahnübergang. Im März war ein Junge dort erfasst und getötet worden, vor zehn Jahren verunglückte ein Radfahrer tödlich. Die Gemeinde kritisiert die Deutsche Bahn scharf und wirft ihr Untätigkeit vor. Alles Bemühen, nach dem Unfall vor zehn Jahren mehr Sicherheit durch eine Vollschranke oder ein akustisches Warnsystem bei heruntergelassener Schranke zu erhalten, sei vergebens gewesen. Die Bahn habe erklärt, der Übergang befinde sich auf dem Stand der Technik.

Das Unternehmen kündigte nun erneute Gespräche an. Voraussichtlich im Mai soll bei einer Sonderverkehrsschau herausgefunden werden, ob Beschilderung und Technik noch ausreichend seien oder angepasst werden müssten.

Nach Angaben der unter anderem für Hessen zuständigen Bundespolizeidirektion Koblenz ereigneten sich im Jahr 2020 hessenweit insgesamt 73 Unfälle an Bahnübergängen, davon 40 an Bahnübergängen mit Halbschranken, 24 an Bahnübergängen mit Vollschranken, 5 an Bahnübergängen ohne Lichtzeichenanlage und 4 an Übergängen mit Lichtzeichenanlage. Örtlich ließen sich keine Schwerpunkte erkennen.

Jeder vierte Unfall an einem Bahnübergang ende tödlich, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. «Während ein Pkw selbst bei hoher Geschwindigkeit nach wenigen Metern zum Stehen kommt, benötigt ein Zug aus voller Fahrt bis zu 1000 Meter zum Anhalten.» Wegen seiner hohen Geschwindigkeit und der geräuscharmen Fahrweise sei ein Zug zudem schneller da, als man reagieren könne. Wer Gefahrenzeichen, (Blink-)Lichter oder Schranken missachte, riskiere sein Leben und gefährde leichtsinnig andere, mahnte der Sprecher. Wenn die Verkehrsregeln eingehalten und die Übergänge mit der nötigen Sorgfalt überquert würden, ließen sich die meisten Unfälle vermeiden.

Die Statistik

Hessenweit gibt es den Angaben zufolge 1022 Bahnübergänge. Diejenigen, die mit dem Straßen- und Personenverkehr in Berührung kämen, seien in der Regel technisch so ausgestattet, dass sie möglichst sicher seien. Die Deutsche Bahn erklärt, es fänden turnusmäßig Verkehrsschauen statt, um Beschilderung und Technik zu überprüfen. Nach Unfällen würden Sonderverkehrsschauen durchgeführt.

Dennoch kommt es immer wieder zu Zusammenstößen. Drei größere Unfälle gab es auch an einem Bahnübergang im mittelhessischen Großen-Buseck, zuletzt im Mai 2018. Ein Zug prallte auf einen Lastwagen, drei Menschen wurden schwer und 17 leicht verletzt.

Ein Untersuchungsbericht sah die Schuld beim Lkw-Fahrer, der trotz eines Staus auf die Gleise gefahren sei. Auch die Verkehrssituation wurde kritisch bewertet: Es gebe einen starken Zulieferverkehr, zudem befinde sich hinter den Schranken eine Halte- und Wendestelle für Busse. Beides könne Rückstaus bis zum Bahnübergang begünstigen.

Nach Angaben einer Bahnsprecherin wird der Bahnübergang umfangreich erneuert, die Planungen dafür laufen. Ein Datum für die Inbetriebnahme stehe noch nicht fest. Zunächst fahren die Züge im Bereich des Bahnübergangs mit reduzierter Geschwindigkeit.

Die Bahn investiere seit Jahren in die Sicherheit der Übergänge bundesweit, erklärte die Sprecherin. So werde deren Zahl durch Baumaßnahmen wie Brücken reduziert.

Auch im Frankfurter Stadtteil Nied geschieht dies derzeit - nach einem schweren Unfall mit einem Todesopfer und zwei Schwerverletzten vor fast zwei Jahren. Die Schranken, die aus einem Wärterhäuschen bedient wurden, standen offen, obwohl ein Zug herannahte - nach einem Bericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung ein Fehler der Wärterin.

Die Schranke wird nach Bahnangaben nun automatisch gesteuert, dazu gibt es eine Sichtkontrolle der Mitarbeiter vor Ort. Auch eine deutlichere Trennung des Fußgängerweges und eigene Fußwegschranken seien nun vorhanden, erklärte die Bahn. Der Bau einer Unterführung - der in Nied seit Jahren gefordert wurde - soll folgen.

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