Solidarität und Ungewissheit

Energiekrise: Warmwasser in Kreis-Hallen abgestellt - Wie Sportvereine in Babenhausen, Schaafheim und Dieburg mit Einschränkungen umgehen - Hohe Kosten erwartet

Babenhausen
2 Min.

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Marvin Stoeckel von den Ringern des ASV Schaafheim jubelt mit den Fans in der Schaafheimer Kulturhalle. Die "Bachgau-Bären" wollen sich in Kürze in Sachen Energiesparmaßnahmen noch einmal näher mit dem Rathaus beraten. Die Kulturhalle gehört der Gemeinde, die aber in Sachen warmem Wasser dem Vorschlag des Landkreises folgen will.
Foto: Jens Dörr
Seit zwei Wo­chen be­fin­det sich Hes­sen in den Som­mer­fe­ri­en, und auch man­cher Ve­r­ein pau­siert mit sei­nem An­ge­bot. Da sch­merzt es ak­tu­ell kaum, wenn der Land­kreis Darm­stadt-Die­burg mit­teilt, dass er ab so­fort das war­me Was­ser in sei­nen 54 Sport­hal­len ab­s­tellt (wir be­rich­te­ten). Dies soll mo­nat­lich bis zu 100.000 Ki­lo­watt­stun­den Heiz­e­n­er­gie spa­ren, rech­net Land­rat Klaus Pe­ter Schell­haas (SPD) vor. Es ist ein Vor­bild, dem auch man­che Kom­mu­ne im La­Da­Di zu fol­gen ge­denkt, zu­mal der Land­kreis auch sei­ne 23 Städ­te und Ge­mein­den auf­ge­for­dert hat, an­ge­sichts der En­er­gie­kri­se Ein­spar­mög­lich­kei­ten vor al­lem beim Gas- und Strom­ver­brauch vor­zu­le­gen. Drei ganz un­ter­schied­lich ge­la­ger­te Fäl­le aus Ba­ben­hau­sen, Schaaf­heim und Die­burg ver­deut­li­chen, wie pro­mi­nen­te Sport­ve­r­ei­ne mit der er­schwer­ten Si­tua­ti­on um­ge­hen (müs­sen).

In Babenhausen ist der Turnverein der größte Verein der Stadt. Er nutzt in der Kernstadt vielfältige Räumlichkeiten für seine Angebote - so auch die beiden Schulsporthallen an der Joachim-Schumann-Schule, die dem Landkreis gehören. Dort sind etwa die Basketballer des TV Babenhausen aktiv. »Wir nehmen die Entscheidung des Landkreises solidarisch auf«, sagt TVB-Sportmanagerin Andrea Zemke. »Der Kreis kann selbst viel besser als wir absehen, welche Folgen diese Entscheidung hat.« Insofern maße man sich keine Kritik oder Besserwisserei ob des Nutzens oder der Sinnhaftigkeit des Beschlusses an. Zugleich betont Zemke, dass die Entscheidung »keinen Einfluss auf das hat, was wir mit unserer vereinseigenen Halle machen«. Die TVB-Halle an der Ziegelhüttenstraße nutzt der Verein beispielsweise für Turn- oder Gymnastikstunden. »Unsere Halle kann man mit den Schulsporthallen nicht vergleichen, die sind in Sachen Größe, Technik und Anzahl der Nutzer einfach ein anderes Kaliber.« Insofern bleibt das Wasser in der Halle des Babenhäuser Turnvereins erstmal warm.

Angesichts der meist sommerlichen Temperaturen dürfte ein kalter Guss nach dem Sport derzeit auch passionierten Warmduschern nicht allzu schwer fallen. Doch in ein paar Wochen naht der Herbst, und mit ihm Hochkonjunktur in vielen Hallensportarten. Auch im Ringen, wobei man unweigerlich in Schaafheim landet, der Hochburg der Mattenkämpfer im LaDaDi. Der ASV Schaafheim nutzt für Training und Heimkämpfe sowohl die Dreifeld-Sporthalle als auch die kleine Kulturhalle nebenan, die die »Bachgau-Bären« in der Ringer-Oberliga besonders gern zum Hexenkessel machen. Beide Hallen gehören zwar der Gemeinde, »sie übernimmt aber den Vorschlag des Landkreises«, berichtet der Sportliche Leiter des Athletik-Sportvereins, Michael Trippel.

Der ASV-Vorsitzende Maximilian Musel werde sich in Kürze »noch mal ausführlicher mit dem Rathaus beraten«, kündigt er an. Zumal für die Ringer auch zu klären wichtig ist, ob sie weiter die Sauna der Kulturhalle nutzen können. Die nutzen sie vor Ligakämpfen gern zum »Abkochen«, zur letzten Gewichtsreduzierung durch Flüssigkeitsverlust, um in einer bestimmten Gewichtsklasse ringen zu können. Aktuell gehe man davon aus, dass das Wasser kalt bleibe, was in der von Ende September bis Weihnachten dauernden Ringersaison nur auf den ersten Blick Energie sparen werde: »Ich gehe davon aus, dass die Sportler dann einfach nach Hause gehen werden, um dort warm zu duschen«, sagt Trippel. Das brächte dann unterm Strich keine Einsparung, »der Staat würde es aber auf die Privathaushalte abschieben«.

Bedeutsam sei mit Blick auf Herbst und Winter zudem, dass die Lufttemperatur gerade in der großen Schaafheimer Sporthalle nicht allzu weit gesenkt werde. »Es wäre unglücklich und schwierig, wenn Training und Kämpfe in einer eiskalten Halle stattfinden würden«, spricht der Sportliche Leiter auch das dadurch höhere Verletzungsrisiko der Athleten an. Trotz der wenig prickelnden Aussichten hat sich Trippel Optimismus und Humor bewahrt: »Wir haben die zwei schweren Corona-Jahre gemeistert und werden auch jetzt das Bestmögliche draus machen. Und wenn in unsere kleine Kulturhalle wieder 400 Zuschauer zu den Heimkämpfen kommen, muss man da auch gar nicht heizen!«

Nicht zum Flachsen zumute ist unterdessen dem TV Dieburg, mit 2233 Mitgliedern einer der größten Sportvereine im ganzen Landkreis. Er besitzt wie der Babenhäuser Turnverein eine eigene Sporthalle und sieht trotz einer erst vor wenigen Jahren modernisierten Heizungsanlage vor allem wegen der explodierenden Gaskosten einen massiven finanziellen Mehraufwand auf sich zukommen. Zahlte der Dieburger Verein voriges Jahr noch rund 7000 Euro für Energie, könnten es dieses Jahr schon 10.000 werden.

Vor allem aber fällt die Kalkulation fürs nächstes Jahr horrend aus: Für 2022 geht der Dieburger Turnverein momentan von einer Vervierfachung auf 40.000 Euro aus, wenn man die Gasheizung in der bisherigen Form weiterlaufen lassen würde. »Wir werden deshalb nicht nur darüber diskutieren, ob wir die Temperatur in der Halle im Herbst absenken«, blickt TVD-Vorsitzende Stefanie Hartmann voraus. Bei der Mitgliederversammlung im nächsten Jahr müsse auch eine Beitragserhöhung thematisiert werden, da man die Zusatzkosten aus den sonstigen laufenden Einnahmen kaum werde decken können.

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