Schnaps, Brötchen und seltsame Rüben

Bachgau-Serie Teil 4: Herzhafte Speisen haben in Schaafheim Tradition - Oktoberfeste etablieren sich

Schaafheim
3 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Mehr zum Thema: Leben im Bachgau
Es­sen hat für die Bach­gau­er ei­ne gro­ße Be­deu­tung. Auf der hes­si­schen Sei­te, in Schaaf­heim und sei­nen Orts­tei­len, ist es kei­ne Sel­ten­heit, dass Ve­r­ei­ne in der Wer­bung für ih­re Fes­te gleich die gan­ze Spei­se­kar­te mit ver­öf­f­ent­li­chen. Wenn die Schaaf­hei­mer aber mal ed­ler aus­ge­hen wol­len, bli­cken sie Rich­tung Lang­stadt, Groß-Um­stadt und über die Lan­des­g­ren­ze.
Auf den Vereinsfesten wird meist Deftiges, Gegrilltes von der eher fettreichen Seite des Schweins und des Rinds angeboten: Herzhafte Wurst, Steaks, Koteletts, gelegentlich sogar Haxen. »Schmankerl« ist ein gern gewählter Begriff, der die kulinarische Nähe zum benachbarten Bayern ausdrückt. Auch »Oktoberfeste« werden gern gefeiert, nicht nur bei der Schaafheimer Feuerwehr, sondern inzwischen auch beim FSV Mosbach.
Schaafheimer Gaststätten
Die Bachgauer sind gesellige Menschen und gehen wohl gerne aus. Im »Falkenhof« finden sie gelegentlich auch neben den Klassikern Rind- und Schweinefleisch auch Straußenfleisch vom Tannenhof auf der Speisekarte, bei Teresa, gemeinhin immer noch bekannt als »Café Kreher«, gibt’s Pizza und mehr, so auch im »Dorfkrug« im alten Schaafheimer Ortskern. Im »La Luna« geht es indisch zu und in der »Brücke« im Ortsteil Radheim wird gutbürgerlich gespeist. Im »Racing House« am Odenwaldring lauern XXXL-Burger.
In den Bachgauer kann man sogar hineinbeißen. Als Brötchen gibt es ihn in allen Filialen des Großostheimer Backhauses Bickert. Er kann rund oder länglich ausfallen, auf jeden Fall sollte er aber groß sein. Das muss wohl so sein im Bachgau.
Die Bachgau-Destille
Außer Brötchen gibt es aber noch mehr kulinarische Produkte, die den Bachgau im Namen tragen. Ein besonders originelles ist der »Bachgau-Highlander«. Das ist ein edler Whisky, hergestellt in der »Bachgau-Destille«, einem jungen Brennereibetrieb im Ortsteil Radheim. Alexander Hotz, in Lützelbach aufgewachsen und später in Mainaschaff heimisch, hat dort 2010 eine alte Hofreite gekauft, darin eine Brennerei eingerichtet und damit eine familiäre Vorbelastung umgesetzt: allerdings die seiner Frau, in deren Familie seit 1954 gebrannt wird. Seit 2013 kann der 45-Jährige, der vorher ebenfalls mit familiärer Vorbelastung in der Fleischereibranche tätig war, vom Schnaps leben. Den produziert er in vielen Varianten, immer mit der Absicht, hochwertige und deshalb auch nicht discountbillige Obstbrände herzustellen. Der Bachgau war ihm selbst aus Mainaschaffer Perspektive nicht wirklich ein Begriff, er hat Region und Landschaft erst mit der Übersiedlung nach Radheim kennen- und schätzen gelernt - so sehr, dass zu seinem Programm auch ein ganz lokaler Apfelbrand gehört: der »Rerrer Berhard«.
Die »Bachgau-Destille« findet sich auf allen Etiketten, und da Hotz inzwischen Gastronomiekunden aus der ganzen Bundesrepublik hat, schickt er immer öfter geistreiche Botschafter der Region auf Reisen. Inzwischen gibt es manchmal sogar Gegenbesuche, »weil gelegentlich Kunden auf der A 3 unterwegs sind und wissen, dass es von dort nicht weit bis zu uns ist«, sagt Hotz.
Solche Besucher werden im Bachgau mit großer Herzlichkeit empfangen - eine Erfahrung, die auch den Darmstadt-Dieburger Landrat Klaus Peter Schellhaas gern nach Schaafheim reisen lässt. Zwei Dinge sagt er in offiziellen Ansprachen vor Ort gerne: »Ich bin gerne hier, weil ich das Gefühl habe, dass hier die Welt noch ein wenig mehr in Ordnung ist als anderswo«, und: »Wer Schaafheim hungrig verlässt ist selber schuld.«
Bachgauer Bier
Auch wenn im Weinort Großostheim der Rebensaft einen hohen Stellenwert hat, kommt auch dem Bier eine große Rolle zu. Die in Großostheim beheimatete Brauerei Eder kann dabei auf eine bis in das 18. Jahrhundert reichende Geschichte zurückblicken. Das Familienunternehmen vertreibt verschiedene alkoholhaltige und nicht-alkoholische Getränke.
Die Bachgauer trinken am liebsten liebliches Bier. Das ist zumindest der Eindruck von Brauerei-Geschäftsleiter Friedbert Eder. »Das Export-Bier wird im Bachgau am besten verkauft, Pils wird weniger getrunken«, sagt Eder. Geschmacklich gebe es deshalb eine alkoholfreie Variante, die dem süßlichen Charakter des Export-Biers entspricht - und regional unverkennbar zuzuordnen ist: Alt-Ostheimer.
Die Zutaten stammen weniger aus dem Bachgau, sondern eher aus dem Umland - so auch der Hopfen, auch wenn Eder berichtet, dass einst auch in Großostheim Hopfen angebaut wurde. Das Wasser, das zum Brauen verwendet wird, stamme aber aus dem Bachgau: Die Brauerei habe zwei Tiefbrunnen, aus denen das Grundwasser gefördert wird.

bAlle Serienteile im Internet: www.main-echo.de/dossiers/Leben+im+Bachgau
Klaus Holdefehr
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!