Pfarrer Thorsten Heinrich liebt den Klang schwerer Motorräder

Gelnhausen
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Motorradpfarrer Thorsten Heinrich (vorne) und Gelnhausens Bürgermeister Thorsten Stolz auf der Honda CBF 1000, die sich der Pfarrer zugelegt hat.
Foto: privat
Hessens Motorradpfarrer ist selbst begeisterter Biker. Der 51-Jährige liebt dieses «Stück Freiheit» bei Ausfahrten. Nach Unfällen oder Todesfällen ist der evangelische Geistliche aber auch immer wieder als Seelsorger gefragt. Beim «Anlassen» mahnt er alle zur Vorsicht.

Nicht nur das kirchliche Orgelspiel ist Musik in seinen Ohren. Pfarrer Thorsten Heinrich liebt auch den Klang
schwerer Motorräder. Der 51-Jährige ist begeisterter Biker und hat sein Hobby ein Stück weit zum Beruf machen. Der Geistliche aus Hofheim-Diedenbergen nahe Wiesbaden ist Hessens Biker-Pfarrer.

Für die beiden evangelischen Landeskirchen in Kassel und Darmstadt arbeitet er mit einer halben Stelle als Beauftragter für Motorradseelsorge. Beim alljährlichen «Anlassen», dem Start in die Motorrad-Saison, segnet er seit 2012 in Gottesdiensten die Biker. In der Bergkirche in Niedergründau appelliert er auch: vorsichtig im Straßenverkehr verhalten, verantwortungsbewusst fahren.

Heinrich freut sich, dass sich das «Anlassen» im Main-Kinzig-Kreis, das am Sonntag zum 34. Mal auf dem Programm stand, zu einem der größten Motorradtreffen im Bundesgebiet entwickelt hat. «Die Leute kommen aus ganz Deutschland», beobachtete der Geistliche.

Im vergangenen Jahr wurde im Auftrag der evangelischen Kirche eine Umfrage unter den Teilnehmern des «Anlassens» gemacht. «Die Ergebnisse kann ich nicht vorwegnehmen. Aber es sind sehr ermutigende Ergebnisse dabei, die unsere Arbeit bestätigen», verrät Heinrich.

Der Gottesdienst beim «Anlassen» biete eine niedrige Einstiegsschwelle für Besucher. «Damit erreichen wir Menschen, die sonst keine Berührungspunkte mehr mit der Kirche haben», freut sich Heinrich. Um die Gemeinde der Motorrad-Fans authentisch anzusprechen, werden Psalme und Fürbitten vorgetragen, die in ihre Lebenswelt passen. Heinrich fällt es leicht, sich darauf einzulassen. Er sei einer von ihnen, beobachtet Andreas Göring vom Verband Christlicher Motorradfahrer. Heinrich ist dort seit 1986 Mitglied.

Beim Gottesdienst trägt Heinrich stets einen Bekleidungsmix aus Biker und Pfarrer tragen. Motorradstiefel und Lederhose kombiniert er meist mit einem Collarhemd und einer Stola. Um das Ambiente im Gotteshaus anzupassen, spielt eine Rockband in der Bergkirche, die 1500 Besuchern Platz bietet. Wer nicht mehr hereinpasst, kann draußen der Lautsprecherübertragung lauschen.

Das Motorradfahren gibt dem Biker-Pfarrer viel. Er fährt eine Tourenmaschine, eine Honda CBF 1000. «Es bedeutet ein Stück Freiheit. Ich bin der Natur viel näher, spüre den Fahrtwind, erlebe die Technik», schildert Heinrich mit Verve in der Stimme. In Gefahr ist er trotz umsichtiger Fahrweise bereits gekommen. «Das bleibt leider nicht aus. Ich hatte schon Unfälle. Auf der Autobahn ist mir mal der Hinterreifen geplatzt. Aber ich hatte immer einen Schutzengel.»

In Hessen ist die Zahl der Motorradunfälle zuletzt deutlich gestiegen, bei den motorisierten Zweirädern über 125 ccm um mehr als 13 Prozent, wie aus dem Verkehrsbericht 2014 hervorgeht. 1930 Unfälle im Jahr 2013 standen im vergangenen Jahr 2190 gegenüber. Pfarrer Heinrich mahnt deswegen: «Zu Saisonbeginn ist es wichtig, langsam wieder reinzufinden.»

Der ADAC Hessen-Thüringen rät: Die Technik und Ausrüstung müsse auch überprüft werden. Wichtig sei auch die passende Sicherheitsbekleidung.Manchmal hilft aber auch die größte Vorsicht nicht. «Im Straßenverkehr sind leider viele Träumer unterwegs. Oft werden Motorräder von Autofahrern übersehen.» Nach Unfällen oder Todesfällen ist dann der Seelsorger Heinrich gefragt. Damit beschäftigte er sich bereits früh. Seine Examensarbeit widmete er einer theologischen Aufarbeitung des Themas: «Plötzlicher Tod auf der Straße».

Jörn Perske, lhe

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