Mord in Großkrotzenburger Asylunterkunft: Prozess beginnt in Hanau

Somalier muss sich ab 25. August vor dem Hanauer Landgericht verantworten - Tödliche Messerattacke gegen Afghanen im Januar

Hanau
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Der Ein­marsch der Ta­li­ban in der afg­ha­ni­schen Haupt­stadt Ka­bul zeigt den ak­tu­el­len Hin­ter­grund die­ses tra­gi­schen Falls: Ein 25-Jäh­ri­ger war schon vor Mo­na­ten vor der Per­spek­tiv­lo­sig­keit in sei­nem Hei­mat­land ge­flüch­tet, fand Schutz im Asyl­be­wer­ber­heim an der Schul­stra­ße in Großkrot­zen­burg. Der Afg­ha­ne scheint sich gut ein­ge­fügt zu ha­ben und ach­te­te auch auf die Sau­ber­keit in der Ge­mein­schafts­un­ter­kunft. Das könn­te ihm nach dem Stand der Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft Ha­nau zum töd­li­chen Ver­häng­nis ge­wor­den sein.

Denn Mitte Januar spricht er abends den 34-jährigen Abdiqadir M. an und bittet ihn, die Dusche nach der Benutzung auch sauber zu verlassen. M. jedoch habe sich brüskiert gefühlt und soll Beleidigungen geschrien haben. Unter anderem: »Ich töte ihn!«. Dann sei der 34-Jährige in sein Zimmer gestürmt, habe ein Küchenmesser geholt und sei im Flur auf den Afghanen losgegangen. Der 25-Jährige, der bereits Stiche erlitt, soll noch versucht haben, sich in Sicherheit zu bringen und durch den Notausgastür zu flüchten. Dort, so die Rekonstruktion der Polizei, sei er durch weitere Messerstiche so schwer verletzt worden, dass er noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte starb.

Abdiqadir M. muss sich nun ab Mittwoch, 25. August, vor der Schwurgerichtskammer des Hanauer Landgerichts wegen des Verdachts des Mordes verantworten. M. habe aus »niedrigen Beweggründen« gehandelt und seinen Kontrahenten vorsätzlich getötet, lautet die juristische Begründung der Hanauer Staatsanwaltschaft, für die Oliver Piechaczek die Anklage vertreten wird.

Brisant ist er der Fall vor allem deshalb, weil der aus Somalia stammende M. bereits einschlägig vorbestraft ist und von den Bundesbehörden bereits nach Ostafrika hätte abgeschoben werden sollen (wir berichteten). Denn er war bereits wegen eines versuchten Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Der damalige Fall war ein Gewaltausbruch wegen einer ähnlichen Lappalie: In Maintal-Dörnigheim hatte es Streit um die Beleuchtung des Raumes gegeben. M. stach daraufhin einem 19 Jahre alten Landsmann in den Rücken und verletzte ihn lebensgefährlich.

M. sollte daraufhin bereits nach der Hälfte der verbüßten Freiheitsstrafe abgeschoben werden. Doch die deutschen Behörden scheiterten, weil sich Somalia weigerte, den Mann aufzunehmen, da dieser keinen gültigen Pass besitze. So wurde er nach Verbüßung der vollen Haft wieder in eine Asylbewerberunterkunft gebracht.

Der Prozess vor der Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel ist zunächst auf fünf Verhandlungstage bis zum 3. September anberaumt worden.

Brisant ist der Fall jedoch auch, weil die Menschen in der Unterkunft schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Gemeinde erhoben haben. Angeblich soll es zu Unregelmäßigkeiten oder gar zu Übergriffen durch Beschäftigte des Ordnungsamts gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft hat daher mehrere Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Nötigung sowie der Vorteilsnahme im Amt eingeleitet. Bisheriger Höhepunkt der laufenden Ermittlungen: Vor drei Wochen rückte die Polizei mit vier Durchsuchungsbeschlüssen des Amtsgerichts Hanau an - einer davon für das Rathaus.

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