Mit Impfnachweis zum Shoppingbummel

Viel Verständnis bei Kunden

Frankfurt
2 Min.

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Seit Sonntag gilt in Hessen flächendeckend die 2G-Regel im Einzelhandel, ausgenommen sind Geschäfte der Grundversorgung. Der erste große Praxistest kam mit der Öffnung der Geschäfte am Montag. Ohne Einlasskontrolle geht vielerorts nichts mehr.

Montagvormittag ist nicht gerade der typische Zeitpunkt für Shopping-Andrang, doch vor einigen Kaufhäusern in der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil bilden sich am Montag dennoch Schlangen - allerdings mit überschaubarer Länge. «Nur Geimpfte und Genesene» heißt es auf Schildern und Plakaten, die gut sichtbar in Schaufenstern und vor dem Eingangsbereich aufgestellt werden. Seit Sonntag gilt die 2G-Pflicht im Einzelhandel in Hessen, nur Geschäfte der Grundversorgung sind von der Regelung ausgenommen.

In den Warteschlangen geht es unaufgeregt zu. Manche scrollen schon mal zum Impfnachweis auf dem Smartphone, andere halten Ausweis und Impfpass bereit, damit alles zügig geht. Während vor allem in den großen Kaufhäusern das Sicherheitspersonal die Eingangskontrolle vornimmt, steht in kleineren Geschäften das Verkaufspersonal an der Tür.

Oskar Wentzell, der vor einem Sportgeschäft Impf-App und Ausweis vorzeigt, hat Verständnis für die 2G-Regelung. «Die Fallzahlen sind nun mal so hoch, und die Welle muss gebrochen werden», sagt der Frankfurter. Ihn störe es nicht, dass die Regeln für den Einzelhandel verschärft wurden.

Dirk Alexander, ein Mitarbeiter des Geschäfts, sieht es ähnlich. «Wir sind selbst alle geimpft» betont er. Es gebe ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit, wenn Kunden nicht nur Masken tragen, sondern auch geimpft oder genesen sind - gerade da er etwa beim Überprüfen, ob ein Laufschuh sitzt, doch nah dran am Käufer sei. «Ich habe schließlich eine Familie, da will ich nichts einschleppen», betont er.

«Als Kunde fühle ich durch diese Regel mehr Sicherheit», sagt ein älterer Mann in der Fußgängerzone. «Für den Einzelhandel ist es vielleicht nicht so toll - die Geschäfte haben mehr Arbeit mit den Kontrollen, und wenn womöglich weniger Leute kommen, ist das natürlich schlimm nach so einem schwierigen Jahr - gerade während des Weihnachtsgeschäfts.»

Die Rolle als Hüterin des Zugangs ins Geschäft ist für die Mitarbeiterin einer Modefiliale noch ungewohnt. «Das ist mir schon ein bisschen unangenehm, die Kunden nach Ausweis und Impfbescheinigung zu fragen», räumt die junge Frau mit Pferdeschwanz ein. Ihr selber ist es eigentlich egal, ob die Kunden nach 2G-Regelung oder wie bisher das Geschäft betreten dürfen. «Man sieht ja an der neuen Variante, dass der Impfschutz nicht absolut ist und auch Geimpfte infiziert wurden. Ein Restrisiko gibt es immer.»

Von Unmut ungeimpfter Kunden ist nichts zu hören - womöglich hat mancher den Samstag noch einmal zum Shoppen genutzt. Anders als am Montagvormittag jedenfalls war am Samstag die Zeil stark frequentiert.

Schon vor der Einführung der neuen Regel gab es Kritik vom hessischen Einzelhandelsverband. «Bereits jetzt ist das Einkaufen sicher», versicherte Verbandschef Jochen Ruths. «Die Kontrollen bedeuten einen unglaublichen Aufwand - im so wichtigen Weihnachtsgeschäft.»

Die 2G-Regelung würde die ohnehin vielerorts dramatisch zurückgegangenen Frequenzen weiter verschlechtern und erneut Unternehmen an den Rand der Existenz bringen. Dafür müssten nun schnellstmöglich Zugänge zu finanzielle Hilfen - wie der Überbrückungshilfe III Plus oder dem Kurzarbeitergeld - für betroffene Branchen erleichtert werden, forderte der Einzelhandelsverband.

Michael Müller, finanzpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion im Frankfurter Stadtparlament, hatte sich ebenfalls für ein Hilfsprogramm ausgesprochen. Er sah die Gefahr, dass der kleine stationäre Einzelhandel auf der Strecke bleibe.

Ausgenommen von der 2G-Regelung im Einzelhandel sind Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte, Apotheken, Sanitätshäuser oder Drogerien. Auch Buchhandlungen, Blumenfachgeschäfte, Futtermittelmärkte, Bau- und Gartenmärkte für Poststellen, Banken, Sparkassen, Tankstellen, Wäschereien und ähnliche Einrichtungen gelten als Einrichtungen der Grundversorgung.

Kunden, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, erhalten Zugang, wenn sie ein entsprechendes ärztliches Attest vorlegen können. Wenn ungeimpfte Kunden trotz 2G-Modell eingelassen werden, müssen sowohl der Händler als auch der Kunde mit einem Bußgeld rechnen.

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