Mann bestreitet vor Gericht Zwangs-Tätowierung seiner Freundin

Bensheim
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Tattoos unter Gewalt, Hakenkreuze und NS-Sprüche: Vor Gericht beteuert der Angeklagte, er habe sich von der Neonazi-Szene losgesagt. Die ihm zur Last gelegten Zwangs-Tätowierungen bestreitet er

In einem Prozess wegen angeblicher Zwangs-Tätowierungen und Neonazi-Gedankenguts hat der Angeklagte im südhessischen Bensheim bestritten, einer jungen Frau gegen ihren Willen Tattoos gestochen zu haben. Seine damalige Lebensgefährtin sei einverstanden gewesen und habe ihre Hände niemals weggezogen, sagte der 25-Jährige am Mittwoch zum Prozessauftakt vor dem Amtsgericht. Er ist unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Mann sagte, er sei kein Neonazi mehr. Sein Anwalt betonte, sein Mandant habe sich mit Hilfe des Aussteigerprogramms »Ikarus« von diesem Gedankengut losgesagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, die junge Frau zwischen Juni 2013 und Februar 2014 mit Tätowierungen an den Fingern »körperlich misshandelt und gesundheitlich geschädigt« zu haben. Bei dem Opfer hätten sich Hautstellen »großflächig entzündet«. Der Mann habe zu »Alkohol, Straftaten und körperlicher Gewalt« geneigt. Nach der Trennung habe er die junge Frau derart bedroht, »dass diese aus Angst nicht mehr aus dem Haus ging«. Bei den Tattoos soll es sich dem Gericht zufolge nicht um konkrete Motive, sondern um »eher verunglückte« Bilder handeln.

Der Angeklagte, der Tätowierungen an Hals, Händen und am glatt rasierten Hinterkopf trägt, sagte, er habe seine damalige Lebensgefährtin als 17-Jährige kennengelernt. Der Gymnasiastin habe es imponiert, dass er damals unter Neonazis im Odenwald eine leitende Funktion gehabt habe. Sie habe sich freiwillig ein Hakenkreuz auf den Hintern tätowieren lassen.

Der 25-Jährige schilderte ein Leben voller Probleme. Wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen habe er bereits in der Schule Ärger bekommen. Wenn er nicht mehr weiter gewusst habe, habe er viel Alkohol getrunken. Nun lasse er sich zum Maler und Lackierer ausbilden.

In der Verhandlung entschuldigte er sich bei einem Polizisten, der als Zeuge geladen war, für üble Beleidigungen. Details zu Neonazi-Kreisen wie Namen wollte er indes nicht nennen. »Das gibt nur Stress.«

Der Prozess soll am 4. Mai mit der Aussage der Ex-Freundin fortgesetzt werden. Ein Urteil könnte es im Juni geben.  (dpa/lhe) 

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