»Lebende an die Gräber holen«

Tag der Friedhofs: Stadt Hanau bereitet für 19. und 20. September ein Programm mit heimischen Künstlern vor

Hanau
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Mehr Lebende zu den Gräbern holen: der Hanauer Hauptfriedhof.
Foto: Reinhard Dietrich
Vom Tod wol­len vie­le Men­schen nicht re­den. Jetzt nimmt die Stadt Ha­nau den Tag des Fried­hofs am 19.und 20. Sep­tem­ber zum An­lass, mehr Le­ben­de an die Gräb­er zu ho­len.
Der städtische Betrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) hat dazu ein Kulturprogramm mit Ausstellung, Konzert und Kabarett zusammengestellt. Es soll in oder an der Trauerhalle des Hauptfriedhofs an der Birkenhainer Straße über die Bühne gehen. Bei schönem Wetter wollen die Künstler draußen vor der Halle auftreten. Die Stadt stellte das Konzept jetzt bei einem Pressegespräch vor.
Stadtrat Andreas Kowol (Grüne) weiß, dass der Tod als Tabu-Thema gilt. Trotzdem hofft er, mit dem Kulturprogramm besonders junge Menschen anzusprechen. Von den älteren Menschen wünscht sich der städtische Dezernent ebenfalls einen ungezwungenen Zugang zu dem Programm mit Hanauer Künstlern.
Comics und Musik
Beginn ist am Samstag, 19. September, um 20 Uhr mit der Eröffnung einer Ausstellung des Hanauer Comiczeichners Rautie. Der Hanauer Musiker Reverend Schulzz spielt an dem Abend mit seiner Band Folk-Rock.
Am Sonntag ab 11 Uhr ist die Bilderausstellung ebenso geöffnet wie eine Ausstellung von Bestattern, Floristen, Gärtnern, Steinmetzen und Kirchen. Um 14 Uhr kommen die Hanauer Kabarettisten Hiltrud und Karlheinz zu Wort. Sie wollen die Themen Tod und Friedhof aufgreifen.
Reverend Schulzz, der 49-jährige Dirk Schulz, will sich mit seiner Band von der Atmosphäre des Hauptfriedhofs überraschen lassen. Friedhöfe seien ihm nicht fremd, sagt der Musiker: »Sie laden zum Verweilen ein.«
Comiczeichner Rautie, der sein Brot mit Werbegrafik verdient, lässt sich ebenfalls auf den »Tag des Friedhofs« ein und empfiehlt: »Lebt euer Leben.«
Kabarettist Karlheinz erinnert sich: »Als ich zum Mitmachen eingeladen wurde, fand ich die Idee erst erstaunlich.« Dann habe er »drüber geschlafen« und nach einigen Ratschlägen von Freunden und dem Gespräch mit Hiltrud seine Zusage gegeben.
»Kunst hilft«
Pfarrer Manuel Sticker aus Großauheim findet die Idee der Stadt, den Tag des Friedhofs mit einem Kulturprogramm zu gestalten, bemerkenswert und spannend. Aus Sicht der Kirche weiß er: »Kunst hilft.«
Betriebsleiter Bernd Lenz vom städtischen Betrieb HIS zeichnet zusammen mit der für Friedhöfe zuständigen Abteilungsleiterin Alexandra Kinski für das Kulturprogramm verantwortlich. Er bemerkt einen klaren Wandel der Friedhofs- und Trauerkultur in den vergangenen 20 Jahren. Damals gab es in Hanau 70 Prozent Erdbestattungen und 30 Prozent Urnenbestattungen. Heute sei es umgekehrt. Viele Menschen, so Lenz, wählten inzwischen auch Baumbestattungen. Nachträglich empfänden Angehörige häufig »zu große Anonymität«. Der Ort der Trauer fehle.
Alexandra Kinski stellte das Plakat zum Tag des Friedhofs vor, gestaltet von Schülern der Eugen-Kaiser-Schule. Das Plakat wird in den nächsten Wochen in der Stadt für das Kulturprogramm am 19.und 20. Septembers werben.
Reinhold Offermann
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