Ortsjubiläum: Schaafheim-Schlierbach feiert

Motto »1250+1« - urkundliche Ersterwähnung im Lorscher Codex

Schaafheim
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Endlich wieder »Enthüllungsjournalismus«: Auf die Gedenktafel zur urkundlichen Ersterwähnung des Schaafheimer Ortsteils Schlierbach vor mehr als 1250 Jahren blicken, von links, LaDaDi-Landrat Klaus Peter Schellhaas, Carolin Wöber, Tim Riemenschneider und der Schlierbacher Ortsvorsteher Reinhard Selzer.
Foto: Klaus Holdefehr
Zwei­hun­dert sind es ge­wiss. Oder doch eher drei­hun­dert? Schwer zu schät­zen an­ge­sichts der Sitz­ord­nung auf der Dor­faue hin­ter dem Sch­lier­ba­cher Rat­haus. Die Be­su­cher der Ge­burts­tag­s­par­ty ha­ben sich auf meh­re­re lan­ge Bän­ke ge­scho­ben. Vie­le sind es, auf je­den Fall. Vi­el­leicht das hal­be Dorf, und sie lie­fern da­mit die Er­klär­ung, was das 640 Ein­woh­ner klei­ne Ge­mein­we­sen so be­son­ders macht. Es ist die Kraft, die aus der Ge­mein­sam­keit er­wächst, be­sch­reibt es in ei­ner lo­cke­ren Ge­sprächs­run­de Land­rat Klaus Pe­ter Schell­haas.

Er stellt auch fest, dass es eine der ältesten Siedlungen der Region ist, sogar älter als die Muttergemeinde Schaafheim, aus der viele Gratulanten zum Feiern gekommen sind. Wobei das Alter schwer zu bestimmen ist, denn »vermutlich ist das Gebiet von Schlierbach schon in vorgeschichtliche Zeit besiedelt gewesen«. So steht es in dem zum Jubiläum erschienenen Buch, dem Schellhaas höchstes Lob zollt.

Das Werk der Autoren Klaus Reining, Karl-Heinz Sehnert und Otto Weber ist nicht nur gleichermaßen informativ wie unterhaltsam, sondern auch eine Spurensuche nach den historischen Wurzeln dieser prägenden Gemeinsamkeit. Dabei mutet es fast kurios an, womit die Existenz des Dorfs urkundlich begründet wird. Da schenkt nämlich ein Adeliger dem Kloster Lorsch 20 im Bachgau heimische Leibeigene.

Für den 13. und 14. Juni 2020 war in Erinnerung daran ein »Marsch der Leibeigenen« von Lorsch nach Schlierbach geplant - eine der vielen Veranstaltungen, die Corona dahingerafft hat. War der Auftakt des Jubiläumsjahres mit einer Silvesterparty rund ums Rathaus noch fröhlich und optimistisch, wurde spätestens ab März das Gemeinwesen einer heftigen Belastungsprobe unterzogen. Viele Menschen hatten nämlich im Vorfeld des Jubiläumsjahres schon so viel organisiert, das nun durch eine Pandemie zur Makulatur gemacht wurde.

Das auszuhalten war nicht leicht, aber es zeichnet die Schlierbacher Gemeinschaft aus, dass sie fast schon trotzig den Blick nach vorne auf »1250+1« gerichtet hat. Da kommen Erinnerungen an weit schlimmere Heimsuchungen auf. Schellhaas erinnert an die marodierenden Heerscharen, die im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 eingefallen sind - und sie hatten eine andere Seuche im Gepäck: Nachdem die Pest bereits 1598 binnen eines halben Jahres 125 Einwohner dahingerafft hatte, kehrte sie 1626 und 1632 in die Region zurück.

»Ab dem Jahr 1672 begann der Wiederaufbau«, vermerkt die kurz gefasste Chronik im Jubiläumsbuch. Da wurde auch ein neues Rathaus errichtet. Das heute erhaltene - Wegweiser und Kulisse zum Jubiläumsfest - stammt allerdings aus dem Jahr 1804 und ist mit einem Alter von wenig mehr als 200 Jahren vergleichsweise jung. In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts haben sich dort wohl die Räte den Kopf heißgeredet über die hessische Gebietsreform und den freiwilligen Beitritt zu Schaafheim. Der heutige Ortsvorsteher Reinhard Selzer hat das miterlebt und berichtet, dass schließlich der Blick auf das ungleich höhere Steueraufkommen des Nachbarn den Ausschlag gegeben hat. Der junge Schaafheimer Bürgermeister Daniel Rauschenberger muss ein wenig schmunzeln und berichtet, dass Schaafheim seinem kleinsten Ortsteil zum Jubiläum gerne ein saniertes Dorfgemeinschaftshaus und das neu gestaltete Umfeld des Rathauses spendiert hat.

Hintergrund: Was noch kommt

1250+1 bedeutet nicht, dass jetzt alle für das vergangene Jahr geplanten Veranstaltungen nachgeholt werden. Schlierbachs Ortsvorsteher Reinhard Selzer kündigt für den 9. Oktober einen Ortsrundgang an und hofft, dass die Seuchenhygiene am 1. Advent wieder ein gemeinsames Singen am Rathaus zulässt. hol

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