Kot auf Wiesen, Schaden im Feld: Was tun bei Ärger mit Wildgänsen?

Wie können Mensch und Tier miteinander auskommen?

Frankfurt/Eschwege
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Eine Nilgans am Main inmitten von Tauben. Der eingewanderte Wasservogel - hier ein Bild aus Aschaffenburg - wird zunehmend zum Ärgernis. Foto: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
Sie fressen Grünpflanzen auf Feldern und verdrecken Liegewiesen: Wildgänse sorgen für Probleme auf dem Land und in der Stadt. Zur Lösung werden in Hessen unterschiedliche Ansätze verfolgt.

Die flauschigen Küken sind geschlüpft und wuseln zahlreich ihren Eltern hinterher. Was etwa am Frankfurter Mainufer zur Zeit süß anzusehen ist, sorgt auch für viel Ärger. Denn der Kot von Wildgänsen verschmutzt Wege und Liegewiesen, die Vögel können zudem große Schäden im Ackerbau anrichten. In einem gerade zu Ende gegangenen Forschungsprojekt zu Wildgänsen im Werratal haben Biologen deshalb nach Wegen gesucht, wie Mensch und Tier miteinander auskommen können.

Das Werratal mit seinen zahlreichen Seen sei attraktiv für die Vögel, die tagsüber an Land fressen und nachts auf dem Wasser schlafen, wie Projektleiter und Biologe Johann David Lanz von der Universität Gießen erläutert. Im Winter seien bis zu 1400, im Sommer rund 500 Grau- und Nilgänse gezählt worden, wobei letztere in der Unterzahl seien. «Wildgänse nehmen europaweit zu und breiten sich aus», sagt Lanz.

Abgesehen haben es die Gänse besonders auf Winterweizen, Zuckerrüben und Winterraps. Zur Lösung der Probleme seien Kommunen, Jäger, Landwirte und Naturschützer an einen Tisch gebracht worden. Die nun nach vier Jahren vorgelegten Ergebnisse sollen als Vorlage auch andernorts in Hessen dienen.

Als ein Mittel eingesetzt wurde bei dem Projekt die Jagd. So seien Gänse mittels Lockjagd in konzertierten Aktionen auf dem einen Feld gejagt und auf anderen Flächen geduldet worden, wie etwa Äcker, auf denen eigens ausgewählte Zwischenfrüchte angesät wurden. Dies habe funktioniert, sich aber auch als sehr aufwendig herausgestellt.

Vergrämungsschüsse

Als effektiv erwiesen hätten sich sogenannte Vergrämungsschüsse, sagt Lanz. Dabei werden einige aus einer Gruppe mit hunderten Vögeln getötet, um den übrigen zu signalisieren, dass sie sich besser an einem anderen Ort aufhalten. So seien in einem Fall auf einem Rapsfeld vier Vögel geschossen worden, der Rest der Gruppe sei daraufhin 40 Tage ferngeblieben. Nach ihrem erneuten Erscheinen seien drei Vögel getötet worden, danach hätten die übrigen Tiere das Feld gänzlich gemieden.

Für die Schüsse seien enge Grenzen definiert worden, in deren Rahmen künftig Landwirte einen Antrag auf eine solche Vergrämung stellen könnten. Dieses Vorgehen empfiehlt der Biologe auch im Kampf gegen die Verschmutzung von Badestellen durch Nilgänse etwa am Werratalsee. Zugleich müssten Flächen mitgedacht werden, auf denen sich die Tiere im Gegenzug aufhalten könnten.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Stadt Frankfurt in ihrem großen Ostpark. Eine Hecke soll den Gänsen dort den Blick auf den See versperren und sie so von der angrenzenden Liegewiese vertreiben. Die Tiere halten sich dort besonders gern in der Zeit der Mauser auf, in der sie nicht fliegen können. Den See brauchen sie als Fluchtmöglichkeit.

Der Sichtschutz erfülle seinen Zweck, die Zahl der Vögel dort zu reduzieren, erklärt das Umweltdezernat. Seit 2018 gibt es dazu ein Monitoring, knapp 500 Gänse wurden in dem Jahr auf der Wiese zur Spitzenzeit im Juni gezählt. Ein Minus von 60 Prozent bei der Nilgans sei bis vergangenes Jahr erreicht worden, bei den Kanadagänsen betrug es 23 Prozent, bei den Graugänsen bis zu 36 Prozent.

Pflanzen und Mähtermine

Gezeigt habe sich auch, dass bestimmte Pflanzen und Mähtermine Einfluss hätten. Zum «Gänsemanagement» gehöre auch der Hinweis an die Menschen im Ostpark, die Tiere nicht zu füttern. Insgesamt wolle man an den Maßnahmen festhalten. Zusätzlich könne eine Schwimmbarriere helfen, deren Installation sei derzeit im Gespräch, erklärt das Dezernat.

Wegen stark steigender Beschwerden über Nilgänse entschied sich die Stadt Darmstadt für die Jagd zum Vertreiben der Tiere in den Naturfreibädern am Woog und am Arheilger Mühlchen. Die Liegeflächen seien so voller Kot gewesen, dass die Besucherzahlen zurückgegangen seien, teilt die Kommune mit. Im Jagdjahr 2021/22 (1. April bis 31. März) seien 86 der Vögel geschossen worden, im Vorjahreszeitraum 84 und davor 26.

Sichtschutzzäune könnten an Naturbadeseen nicht aufgestellt werden, da das Aufsichtspersonal unbehinderte Sicht auf die Wasserfläche brauche. Mit einem niedrigen Zaun versuche man stellenweise, den Tieren den direkten Weg zum Wasser zu versperren und sie so vom Brüten abzuhalten. «Darüber hinaus werden die Flächen regelmäßig begangen und Nilgänse vertrieben», sagt ein Stadtsprecher. Die Wirkung dieser Maßnahme sei aber weniger erfolgreich.

 

 

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