»Ich mache einfach«

Engagement: Gemeinde Freigericht zeichnet Marlies Brandt mit dem Bürgerpreis für ehrenamtliche Sozialarbeit aus - Vielfältige Hilfe für Südindien

Freigericht
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Mit Seidenmalerei - hier ein Werk ihrer Enkelin - versucht Marlies Brandt aus Horbach aktuell Corona-Opfern in Südindien zu helfen. Aktionen wie diese haben ihr jetzt den Bürgerpreis für ehrenamtliche Sozialarbeit eingebracht.
Foto: Oliver und Karin Klemt
Ih­re Krei­se zieht sie eng um ih­re Hei­mat, durch die Re­gi­on und um die gan­ze Welt. Über vier Jahr­zehn­te hat Mar­lies Brandt da­mit ver­bracht, Gu­tes zu tun. Jetzt wur­de die 74-jäh­ri­ge Hor­ba­che­rin bei ei­ner Fei­er­stun­de im Frei­ge­rich­ter Rat­haus mit dem Bür­ger­preis für eh­renamt­li­che So­zial­ar­beit ge­ehrt - für ihr Le­bens­werk, hät­te man bei ei­nem Schau­spie­ler oder Au­tor wohl ge­sagt.

Dabei drückt sich ihre künstlerische Ader weniger auf der Bühne oder in der Sprache als in Farben aus. Schon immer hat die geborene Rheinländerin nach eigenen Worten für ihr Leben gern gemalt. Selbst gestrichene Möbel, großformatige abstrakte Bilder an den Wänden oder auf den Fliesen in Küche und Bad legen von ihrem Talent beredtes Zeugnis ab. Im Freigerichter Kunstkreis, den sie um 2006 herum mit einem Freund gründete, teilt sie ihre Leidenschaft mit anderen. Sie hat Kurse gegeben, ab 2015 mit Flüchtlingskindern gemalt und will alles daransetzen, deren Bilder bald in einer öffentlichen Ausstellung zu zeigen.

Wenn Marlies Brandt heute zum Pinsel greift, dann meist zum Nutzen ihres aktuellen Projekts Marlies & Friends. Produktion und Verkauf selbst bemalter Seidentücher sollen armen Familien im Süden Indiens über die ärgste Not in Folge der dort verheerenden Corona-Pandemie hinweghelfen. »Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren und nichts zu essen«, sagt sie. Ab und zu kommt sie für Arztbesuche, Medikamente, Schulbücher oder - in Indien unverzichtbar - Schuluniformen auf.

Hinweisgeber und Kontaktmann ist dann meist Joy Solomon, Lehrer in der südindischen Gemeinde Kovalam Kerala, wo sich Marlies Brandt seit 2010 für Aufbau und Betrieb einer Schule engagiert. »Nicht viel mehr als eine verlängerte Garage«, beschreibt sie das gemeinsam mit einer Geschäftsfrau gestartete Projekt, »aber da können 100 Kinder unterrichtet werden«. Zuvor, nach der Tsunami-Katastrophe 2004, hatte sie in Kotapiya in Sri Lanka eine Nähschule für junge Frauen aufgebaut, aus eigenen Mitteln zehn Nähmaschinen gekauft und eine Fachlehrerin bezahlt. Drei Jahre sei das gut gegangen, erinnert sie sich - »dann wurde eine Textilfabrik gebaut, und niemand wollte mehr lernen«.

Ihre Beziehung zu Südasien hat die Freigerichterin seit 1998 aufgebaut, als sie zur medizinischen Behandlung nach Sri Lanka kam. Sie habe an Pfeifferschem Drüsenfieber gelitten und verdanke einer Ärztin dort ihr Leben, sagt Brandt. Viele Kontakte von damals pflege sie heute noch. Nach Südindien fährt sie inzwischen regelmäßig zur Ayurveda-Kur - in der Regel zusammen mit einer Horbacher Freundin und einer Unmenge gebrauchter Stofftiere im Gepäck. Damit, hat sie gelernt, lasse sich den Kindern am Zielort die größte Freude machen.

Begonnen hat Marlies Brandt ihr soziales Engagement Anfang der 1980er -Jahre daheim in Freigericht, wo sie bei Veranstaltungen in Schulen und Pfarrgemeinden Artikel aus dem Behindertenwerk in Altenhaßlau verkaufte. Später gründete sie als Elternbeirätin an den Beruflichen Schulen Gelnhausen einen Hilfsverein für in Not geratene Schüler. Das dabei erprobte System - sofortige Unterstützung gegen Beitritt zum Verein und spätere jährliche Spenden - würde sie gern auch bei ihrem südindischen Schulprojekt umsetzen.

Überhaupt hat die Preisträgerin nicht vor, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. »Wo es was zu tun gibt, da frage ich nicht lange«, sagt sie - »ich mache einfach«. Helfen, kreative Methoden zum Bargeldtransfer in ferne Regionen ausknobeln oder sich aufs Fahrrad setzen, um länger weg zu sein. Im Blick hat Marlies Brandt derzeit eine Tour an der Nord- und der Ostsee entlang, zur polnischen Grenze und südwestwärts wieder heim.

Zur Person: Marlies Brandt

Über vier Jahrzehnte lang lebt Marlies Brandt bereits in Freigericht, sieht sich selbst aber noch immer als »rheinische Frohnatur«. 1947 in Jülich geboren, wuchs sie im Rheinland auf, wurde nach der Schule zunächst zur Bibliothekstechnikerin und dann zur Bürokauffrau ausgebildet. Nach der Heirat 1977 zog sie zu ihrem Mann nach Albstadt, fand eine Anstellung bei der Gemeinde Freigericht und arbeitete annähernd 30 Jahre lang als Sekretärin des Bürgermeisters im Somborner Rathaus. Seit 1979 ist die Preisträgerin auch im Privatleben Freigerichterin und wohnt in Horbach. kko

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