Geleitsfest in Seligenstadt hat begonnen

Brauchtum: Löffel-Geheimnis gelüftet - Kaufmannszug wohlbehalten in Seligenstadt eingetroffen

Seligenstadt
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Als Schreiber des Fauth verliest Michael Eiles vor einer farbenfrohen Kulisse aus Kaufleuten, Ratsherren, Magistern und Zunftmeistern auf dem Marktplatz das Programm.
Foto: Oliver und Karin Klemt
Mit rund 100 Musikern geben drei Seligenstädter Kapellen am Sonntag den Auftakt zum Geleitsfest. Nach dem Sternmarsch und der Proklamation des Fauth intonieren Stadtkapelle, TGS-Musikcorps und Musikverein Klein-Welzheim einen gemeinsamen Marsch.
Foto: Oliver und Karin Klemt
Ein Gön­ner im Land­rat­s­amt, ei­ne gu­te Freun­din aus Fran­k­reich und ein tat­kräf­ti­ger Hand­wer­ker ma­chen die Pro­be aufs Ex­em­pel. Seit Sonn­ta­gnach­mit­tag wis­sen die Se­li­gen­städ­ter, wer am 11. Au­gust vor al­ler Au­gen die Ge­leits­löf­fel lee­ren wird. Rei­ne Vor­f­reu­de auf das Brauch­tums­spek­ta­kel hin­ter­ließ der far­ben­präch­ti­ge Auf­zug auf dem Markt­platz in­des­sen nicht: Ei­ner, der die Tra­di­ti­on des Löf­fel­trunks über Jahr­zehn­te ver­kör­per­te, wird ihn heu­er nicht mehr er­le­ben.

Wohlbehalten ritten und rollten knapp 200 Teilnehmer des historischen Kaufmannszuges nach gut 340 Kilometern auf dem historischen Geleitsweg von Augsburg her unlängst in Seligenstadt ein. Dass es die einzigartige Aktion gibt, verdankt die Stadt vor allem Stephan Sprey. Hans Rolf Flechsenhar, Ordensmeister der Bruderschaft vom Steyffen Löffel und dem Anlass gemäß in das Brokatgewand des kurfürstlich mainzischen Fauth aus dem 18. Jahrhundert geschlüpft, würdigte den Maurermeister und Bauunternehmer als Initiator und Frontmann der Initiative.

Auf dem Höhepunkt des Geleitsfests kann Sprey jetzt Steherqualitäten zeigen. Der Überlieferung gemäß muss er nach dem Geleitsfestzug und vor tausenden Zuschauern den großen geschnitzten Holzlöffel ansetzen und einen Liter Wein in einem Zug austrinken. Wer das schafft und zudem die kniffligen Rätselfragen des Examinators beantworten kann, wird Ritter der Ordensbruderschaft - ein Titel, den sich auch Oliver Quilling, Landrat des Kreises Offenbach, verdienen kann. Als eifriger Förderer der Vereine und der Brauchtumspflege sei der Christdemokrat aus Neu-Isenburg bekennender Seligenstadt-Fan, verriet der Fauth.

Gleichfalls und schon seit Jahrzehnten gilt das laut Flechsenhar für Nicole Jusserand. Hoch engagiert und unermüdlich aktiv stehe die bekennende Europäerin, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees Amitée Européenne in der französischen Partnerstadt Triel-sur-Seine, hinter der seit 1967 bestehenden Partnerschaft und bezeichne Seligenstadt als ihre »zweite Heimat«.

Mit dem Löffelbrauch wohl vertraut, tritt auch die Grande Dame der Städtefreundschaft in die Fußstapfen der Kaufleute, die bis Ende des 18. Jahrhunderts von Nürnberg und Augsburg unter militärischem Geleit zur Frankfurter Messe zogen. Bei der letzten Rast in Seligenstädter Gasthöfen erwartete die Neulinge unter ihnen das Löffel-Ritual. Ein Liter Wein in einem Zug - wer daran scheiterte, musste die Zeche für die komplette Reisegesellschaft zahlen.

Begonnen hatte das Spektakel mit einem Sternmarsch der Stadtkapelle Seligenstadt, des Musikvereins Klein-Welzheim und des Musikcorps der Turngesellschaft (TGS) in historischen Uniformen. Nachdem der Fauth in seiner Ansprache vor Ratsherren, Kaufleuten, Magistern und Zunftmeistern das Stadtvolk zu guter Gastlichkeit, Ruhe und Frieden ermahnt hatte, intonierten die rund 100 Musiker einen gemeinsamen Marsch.

Ein Raunen ging durch die Menge, als der Vorsitzende des Heimatbundes, Richard Biegel, das Wort ergriff und an Bruno Winkler erinnerte. Bis zu seinem Rücktritt 2017 über 25 Jahre als Löffelwirt eine unverzichtbare Figur, war Winkler am Samstag im Alter von 72 Jahren gestorben. Zu seinem Andenken intonierte Solotrompeter Matthias Müller Winklers Lieblingslied »Ein schöner Tag«.

Programm: Geleitsfest in Seligenstadt

Mit der festlichen Proklamation hat am Sonntag das alle vier Jahre stattfindende Geleitsfest begonnen. Das weitere Programm:

Freitag, 12. Juli: Volksliedersingen mit den Edelweiß-Musikanten im Biergarten des Gasthofs Römischer Kaiser, Glaabsbräu-Hof;

Samstag und Sonntag, 20. und 21. Juli: Maa-Allee-Fest des TGM-Sängerchors am Mainufer;

Samstag und Sonntag, 26. und 27. Juli, jeweils abends: Vade et vide - gehen und sehen mit historischen Theaterszenen an verschiedenen Orten in der Stadt;

Montag, 28. Juni, um die Mittagszeit: Fischerstechen des Vereins Letzde Helde auf dem Main - Fischer auf Nachen versuchen, sich gegenseitig mit Stangen in den Fluss zu stoßen;

Freitag, 2. August: Festliche Stunden im Konvent - historische Szenen mit Bläserensemble und der Rokoko-Tanzgruppe des Heimatbundes im Kloster;

Samstag und Sonntag, 10. und 11 August: Unsere Stadt feiert - Hof- und Straßenfeste in den Altstadtgassen, Samstag gegen 18 Uhr Aussendung des Geleits auf dem Marktplatz; Sonntag: 6 Uhr Turmblasen auf dem Rathausturm, 13.30 Abmarsch der Zünfte und Bürger zum Empfang des Geleits am Obertor, ab 14 Uhr Geleitsfestzug durch die Innenstadt mit anschließendem Löffeltrunk auf dem Marktplatz;

Montag, 12. August: Lichterspektakel Main in Flammen mit den Rodgau Monotones, Feuerwerk und dem Großen Zapfenstreich am Mainufer. kko

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