Flaute auf dem Binselberg

Erneuerbare Energien: Entega und Proreo verfolgen Windkraftanlagen-Projekt bei Groß-Umstadt derzeit nicht weiter

Groß-Umstadt
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ier Windräder drehen sich über Umstadt. Mehr werden es vorerst auch nicht werden. Foto: Klaus Holdefehr
Foto: Klaus Holdefehr
Klaus Hol­de­fehr

Die Wogen schlugen hoch, als 2013 in der Groß-Umstädter Stadtverordnetenversammlung beschlossen wurde, Standorte für weitere Windkraftanlagen im Stadtwald auf dem Binselberg zur Pacht anzubieten. Ein Konsortium aus Entega und Proreo, einer in Groß-Umstadt ansässigen Projekt- und Betreibergesellschaft, erhielt 2014 den Zuschlag. Getan hat sich seitdem auf den Höhen über Groß-Umstadt allerdings nichts.
Drei große Windkraftanlagen (WKA) sollten eigentlich unweit der Landesstraße 3413 nahe der Grenze zum Odenwaldkreis errichtet werden. Dagegen lief eine Bürgerinitiative Sturm, die sich schon 2009 gegen den Bau der beiden Enercon-Anlagen mit einer Nabenhöhe von fast 140 Metern formiert hatte. Deren Rotoren mit 41 Meter langen Flügeln drehen sich aber seit 2012 etwas weiter im Norden auf der Bergkuppe. Der Versuch dieser BI, gegen das neue Projekt ein Bürgerbegehren einzuleiten, war am Nicht-Erreichen der notwendigen Zahl von Unterschriften gescheitert.
Zunächst war in den Haushalten der Stadt optimistisch mit einer Pachteinnahme von 100 000 Euro pro Jahr für die neuen Standorte kalkuliert worden. Diese Form von Beteiligung an der Wertschöpfung durch die Produktion erneuerbarer Energie war mit ein Grund für die Ausweisung der Standorte im Stadtwald. Doch ist das Geld nie geflossen.
Schützenhilfe der Flugsicherung
Unterstützung wuchs den WKA-Gegnern nämlich von zunächst unerwarteter Seite zu. Die Deutsche Flugsicherung (DFS), die bei Großostheim das Funkfeuer Charly betreibt, legte Widerspruch gegen das Projekt ein und konnte sich dabei auf Einhaltung einer von der internationalen Organisation für Flugsicherung aufgestellten Abstandsgrenze von 15 Kilometern berufen, die sich auch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) zu eigen gemacht hatte. Ein Sprecher der DFS wurde mit der Aussage zitiert, dass mit den vier in Betrieb befindlichen WKA auf dem Binselberg bereits das Höchstmaß des Tolerierbaren erreicht sei. Das Konsortium, das bereits eine Bauvoranfrage beim Regierungspräsidium Darmstadt eingereicht hatte, zog diese aufgrund dieser negativen Stellungnahme zunächst zurück, nun waren Gutachter an der Reihe. Im April 2016 entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig allerdings nach einem sechsjährigen Rechtsstreit um den Bau eines Windparks bei Hannover, dass den Aussagen der DFS fachlich besonderes Gewicht zukomme. Deshalb müssten abweichende Gutachten gar nicht in die Bewertung einbezogen werden.
Entega-Pressesprecher Michael Leukam sagte damals, man wolle grundsätzlich an dem Projekt festhalten. Aber: »Aufgrund der übergeordneten Bedeutung der Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht haben die beiden Projektpartner ihre Planungen jedoch zurückgestellt. Derzeit wird juristisch geprüft, welche Auswirkungen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes auf den geplanten Windpark hat.«
Neu-Bewertung möglich
Seitdem ist es still geworden. Doch auf Nachfrage wird klar, dass inzwischen eine juristische Bewertung stattgefunden hat. Leukam teilt mit: Aufgrund der Rechtslage verfolgen wir derzeit den Bau der Anlage nicht weiter. Sollte sich die Rechtslage oder die technische Ausgangslage ändern - beispielsweise bei der Umstellung von Funksteuerung auf Satelliten-Navigation - werden wir die Frage nach dem Bau eines Windparks am Binselberg neu bewerten.«

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