Ein Muna-Museum und noch mehr Hengste

Flächennutzung: Was aus dem Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt in Münster wurde - Areal wird Besuchern dieses Jahr in Teilen zugänglich gemacht

Münster
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In einem alten Bunker wie diesem soll auf dem Muna-Gelände bei Münster ein Museum entstehen, das 2022 eröffnen soll.
Foto: Jens Dörr
Einst Waf­fen­la­ger der Na­zis, dann Mi­li­tär­ge­län­de der Ame­ri­ka­ner und heu­te un­be­rühr­tes Bio­top: Die 250 Hektar der ehe­ma­li­gen Muni­ti­ons­an­stalt (Mu­na) am Müns­te­rer Orts­teil Breite­feld ha­ben ei­ne be­weg­te und stets ge­heim­ni­s­um­wit­ter­te Ge­schich­te.

Das galt im Dritten Reich und dann im Kalten Krieg (mit dem steten Verdacht der Atomwaffen-Lagerung) ebenso wie heute - auch wenn es jetzt nur noch um heimlich angekarrte Wisente und Wildpferde geht. Dieses Jahr aber wird ein besonderes für das unter dem Verweis auf Lebensgefahr gesperrte und teils noch immer munitionsverseuchte Gebiet: Ab Sommer sollen Besucher die Gelegenheit erhalten, auf dem Gelände Einblicke zu erhalten. Planung und Umsetzung eines Museums, einer Aussichtsplattform und eines Naturlehrpfads schreiten voran.

Beim Muna-Museum schafft ein Gestattungsvertrag zwischen dem Bund und der Gemeinde Münster die Grundlage. Der Bundesforstbetrieb Schwarzenborn, die Deutsche Bahn Netz AG und die Gemeinde arbeiten auf dem spannenden Areal unter verschiedenen Zielen zusammen.

Der Bundesforst kann in der Muna mehrere Naturschutz-Projekte wie die Ansiedlung und Vermehrung der in freier Wildbahn vom Aussterben bedrohten Wisente realisieren. Seit 2020 ist bei Münster eine Herde heimisch; Bulle Shakal zeugte prompt den ersten Nachwuchs, der 2021 auf die Welt kam. Mit den beiden Kälbern Chris und Chira sind es nun elf der imposanten Wildrinder. 2022 erhoffen sich die Projektbeteiligten die nächsten Geburten. Zu den fünf Przewalski-Hengsten kamen jüngst zwei weitere aus Babenhausen und Aschaffenburg hinzu. Dieses Jahr sollen drei bis fünf weitere Hengste die rein männliche Wildpferde-Herde komplettieren.

Die Deutsche Bahn investiert in die überwiegend bewaldete, aber auch größere Offenflächen und Gewässer bietende Muna fünf Millionen Euro. Sie ermöglicht den Erhalt und die (gerade durch die als »Landschaftsgärtner« tätigen Großtiere) Entwicklung des wegen seiner militärischen Hinterlassenschaften unberührten Biotops damit finanziell. Was nicht freiwillig geschieht, sondern qua gesetzlich vorgeschriebenen ökologischem Ausgleich. Diesen muss die Bahn für den Bau von Strecken an anderer Stelle erbringen, im Muna-Fall vor allem die neue ICE-Trasse zwischen Frankfurt und Mannheim.

In Münster wiederum haben die Kommunalpolitiker - mit unterschiedlicher Leidenschaft - das Potenzial erkannt, die Muna aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken und zur Attraktion zu machen. Jetzt, im Januar, soll die kurze Ausschreibung der Bauarbeiten im Bunker erfolgen, wo das Museum (siehe »Hintergrund«) entstehen wird. Im Februar will die Gemeinde die Unternehmen beauftragen. Im März soll das museale Konzept stehen, ab April gebaut werden.

Nach der Einrichtung des Museums soll ein Probebetrieb starten. War der kürzlich noch für Juli angepeilt, spricht die Gemeinde inzwischen vom »Herbst«. Endabnahme und Abrechnung des Projekts müssen aber bis Oktober erledigt sein, weil es auch aus Mitteln des Leader-Programms der EU zur Stärkung des ländlichen Raums gefördert wird, die ansonsten verfallen würden.

Doch nicht nur das Museum geht 2022 auf die Zielgerade: Starten soll im Sommer auch ein 1,5 Kilometer langer »Naturerlebnispfad Wisentwald« mit einer Aussichtsplattform.

Hintergrund: Exponate fürs Museum gesucht

Nach Abzug der EU-Mittel muss die Gemeinde Münster bis zur Eröffnung des Muna-Museums noch rund 30.000 Euro in die weitere konzeptionelle Planung und bauliche Herrichtung des Bunkers (Stromversorgung via PV-Anlage, Lüftung, Blitzschutz) investieren. Der inzwischen gewählte konzeptionelle Ansatz stellt gegenüber früheren Ideen die »kleine« Lösung dar. Auch finanziell, denn auf die Gemeinde kommen nach dem Willen der Gemeindevertreter jetzt nur noch maximale jährliche Betriebskosten von 12.000 Euro zu.

Das Betriebskonzept fürs Museum sieht feste Öffnungszeiten vor, zu denen kein Personal vor Ort sein muss. »Die Besucher sollen sich auf dem Museumsgelände frei bewegen können«, sagt Markus Euler, Abteilungsleiter im Münsterer Rathaus und Projektzuständiger. Das Museum soll als Rundgang angelegt werden und vor allem Fotos, Texte und Zeitzeugen-Berichte an einer Hörstation präsentieren. Führungen sollen optional möglich sein.

Wer Exponate, Bilder und Texte aus der Zeit des Muna-Betriebs (1934-1945 und ab 1951) beisteuern möchte, kann sich an die Gemeindeverwaltung wenden. Das Planungsteam besteht aus Verwaltungsmitarbeitern sowie Mitgliedern des Münsterer Heimat- und Geschichtsvereins.

Den Weg zum Museum samt Entmunitionierung in diesem Bereich richtet der Bund her. Die Aussichtsplattform, von der man die Vegetation und mit Glück auch Wisente und Wildpferde sehen können soll, bezahlt komplett die Bahn. jed

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