Die Kinderfrau im Eulennest

Geburtstagskinder: Kerstin Iby lebt seit 2014 in Schlierbach und hat dort ihre Heimat gefunden

Schaafheim
2 Min.

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Der Schaafheimer Ortsteil Schlierbach aus der Luft betrachtet.
Foto: Petra Reith
Ohne südhessischen Singsang, aber mit reicher Gestik berichtet Kerstin Iby von der Reise ihres Lebens und dem Ankommen in Schlierbach.
Foto: Klaus Holdefehr
Die To­re des länd­li­chen An­we­sens in der Schul­stra­ße sind in ei­nem kräf­ti­gen Rot ge­hal­ten - ein Zei­chen da­für, dass die Be­woh­ner Far­be be­ken­nen. Die Ge­stal­tung setzt ei­nen deut­li­chen Ak­zent in der dör­f­li­chen Ru­he Sch­lier­bachs. Und auch hin­ter den To­ren des Ge­bäu­de­kom­ple­xes, der einst Bau­ern­hof und Sch­mie­de­werk­statt war, geht es leb­haft zu: Im »Eu­len­nest« be­t­reut Kers­tin Iby als Ta­ges­mut­ter sechs Klein­kin­der aus der Um­ge­bung. Sie hat am Frei­tag ih­ren 48. Ge­burts­tag ge­fei­ert.

»Die Farbe war eigentlich schon vorgegeben, als wir das Anwesen 2014 gekauft haben«, erzählt sie am rustikalen Tisch, der einer fünfköpfigen Familie als Treffpunkt und Essplatz dient. »Wir haben sie nur ein wenig kräftiger gemacht und die Farbgebung auf beide Tore ausgedehnt.« Kritische Stimmen aus der Nachbarschaft habe es dazu nicht gegeben. Im Gegenteil: »Wir sind hier sehr freundlich aufgenommen worden. Manche Nachbarn haben uns sogar beim Abladen und beim Aufbau der Möbel geholfen.«

Gemeinsinn werde groß geschrieben im kleinen Dorf, versichert die Frau, die selbst Mutter von drei Kindern ist. Samira (12) und Moritz (14) schauen kurz am Familientisch vorbei und sind schon wieder unterwegs zu anderen Aktivitäten. Sophia (16), die Älteste, ist auf Klassenfahrt. Inzwischen ist auch Kerstin Ibys Ehemann Daniel (47) eingetroffen. Er findet die Muße, sich am Familientisch niederzulassen und sich ein wenig am Gespräch zu beteiligen.

Schnell wird deutlich, dass die beiden inzwischen bestens in Schlierbach integriert sind. Daniel Iby hilft im Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr, beide gehören zudem zum Kreis der Helfer beim größten aller Schlierbacher Feste (von den Veranstaltungen des Festjahres mal abgesehen), der Kerb. Und am 14. März öffnen sie ihren Hof als Ziel für den historischen Ortsrundgang und bewirten die Teilnehmer mit Getränken sowie zweierlei Suppe.

Beide haben einen langen Weg nach Schlierbach hinter sich. Daniel Iby kommt aus Sachsen, sein Familienname eigentlich aus Österreich. Für Kerstin Iby kommt gleich eine Weltreise zusammen. Sie ist in Südafrika geboren, hat einige Jahre mit ihrer Familie auf einer Kaffeeplantage in Angola gelebt und ihre Jugend in einem Camp für ausländische Arbeitskräfte in Saudi-Arabien verbracht. Dieser Migrationshintergrund erklärt auch gewisse Grenzen der Integration: Das Gespräch am Familientisch bleibt frei von südhessischem Singsang.

Eine Zwischenstation auf dem gemeinsamen Teil der Reise ihres Lebens war für die Ibys im Rodgau. Das war ein Leben der kurzen Wege, ganz praktisch, aber nicht so richtig Heimat. »Jedenfalls war es dort ein anderes Gefühl als hier, nach Hause zu kommen«, erklärt Daniel Iby. Sie haben dann »was Eigenes« gesucht, und der Gebäudekomplex im ländlichen Schlierbach war »Liebe auf den ersten Blick«.

»Die Kinder haben anfangs etwas gelitten, weil sie ja aus gewohnten Zusammenhängen herausgerissen worden sind«, schildert Kerstin Iby die ersten Monate im neuen Domizil. »Und man muss sich auf die weiteren Wege einstellen.« Dass es in Schlierbach mal einen Tante-Emma-Laden gab, weiß sie nur vom Hörensagen. Was fehlt noch? »Eine Querungshilfe für die Hauptstraße auf Höhe des alten Rathauses, wo die Bushaltestellen sind. Da lauert vor allem für Schulkinder Gefahr«, diagnostiziert die Kinderfrau, deren eigene Kinder alle drei das Max-Planck-Gymnasium in Groß-Umstadt besuchen. »Eine Kneipe, vor allem für Freitag- und Samstagabende«, ergänzt Daniel Iby.

Aber ansonsten: »Hier ist Heimat«, fasst Kerstin Iby das Grundgefühl zusammen. Ihr Mann verdeutlicht das drastisch: »Ich will hier nicht mehr weg. Und wenn, dann tragen mich vier Leute im Sarg.«

Hintergrund: Dorf hat Geburtstag

Schlierbach, der kleinste Ortsteil der Gemeinde Schaafheim, feiert in diesem Jahr ganz groß seine urkundliche Ersterwähnung vor 1250 Jahren. Das Main-Echo gratuliert, indem es zum hohen Geburtstag Monat für Monat ein Schlierbacher Geburtstagskind vorstellt, das über sich und das Dorf berichtet. hol

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