Akteneinsicht wohl nicht vor Jahresende

Rathausdurchsuchung: Bluttat in Asylbewerberheim beschäftigt Großkrotzenburger Gemeindevertreter - Bauroth bestätigt Rauswurf von zwei Mitarbeitern - Neue Vorwürfe

Großkrotzenburg
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Paral­lel zum lau­fen­den Mord­pro­zess vor dem Land­ge­richt in Ha­nau (wir be­rich­te­ten) be­schäf­tigt die Blut­tat vom 13. Ja­nuar in der Großkrot­zen­bur­ger Asyl­be­wer­ber-Un­ter­kunft auch die Ge­mein­de­ver­t­re­ter. Um die Rat­haus-Durch­su­chung En­de Ju­li ging es am Mon­ta­g­a­bend im Haupt- und Fi­nanz­aus­schuss. Auch wur­den neue Vor­wür­fe ge­gen die Ver­wal­tung und den par­tei­lo­sen Bür­ger­meis­ter Thors­ten Bau­roth laut.

Wie schwer sich die lokale Politik mit dem belastenden Thema und der Verantwortungsfrage tut, machten formale Scharmützel eingangs der Sitzung im Rathaus klar. Angeführt von Aloys Lenz, Sprecher der Initiative zukunftssicheres Großkrotzenburg, setzte der Ausschuss eine zunächst nicht vorgesehene Aussprache über den Bericht des Rathauschefs durch. CDU-Vertreterin Theresa Neumann zweifelte die ordnungsgemäße Ladung zur Sitzung an, weil die Tagesordnung nicht vorab im Mitteilungsblatt erschienen sei. Vorsitzender Daniel Protzmann (FDP) ließ dennoch diskutieren: Weil rechtsverbindliche Beschlüsse nichts anstünden, könne kein Schaden entstehen.

Ob und was die Ermittlungsbehörden am 28. Juli in Bauroths urlaubsbedingt verwaistem Büro, im Ordnungs- und im Personalamt gefunden haben, erfuhren die Ausschussrunde und zahlreiche Zuhörer nicht. Ihm als Dienstherrn der beiden von Korruptions- und Gewaltvorwürfen betroffenen, inzwischen gekündigten Mitarbeiter erteile die Staatsanwaltschaft keine Auskunft, erklärte der Bürgermeister. Die beantragte Akteneinsicht werde wohl nicht vor Jahresende gewährt, dem Vernehmen nach stünden noch Zeugenbefragungen aus. Bauroths Stellvertreter Ulrich Fischer (Initiative) bestätigte, dass neben dem Rathaus auch die Asyl-Unterkunft und die Privatwohnungen der Beschuldigten durchsucht worden seien.

Den Rauswurf der beiden Beschäftigten durch den Gemeindevorstand, vor vier Wochen per »Verdachtskündigung« in seiner Abwesenheit und dann noch einmal mit seiner Zustimmung, bestätigte Bauroth erstmals öffentlich. Beide hätten inzwischen auf Kündigungsschutz geklagt, was eine zügige Neubesetzung der beiden Vollzeitstellen blockiere und die Asylbetreuung im nun überlasteten Ordnungsamt behindere. Ob und warum er seine zuvor schützende Haltung gegenüber den Beschuldigten geändert habe, erklärte der Verwaltungschef auf Nachfrage nicht.

Dass die Bewohner der Unterkunft bislang nicht informiert, neue Ansprechpartner für die Flüchtlinge nicht benannt seien, räumte Bauroth auf Nachhaken von Lucas Bäuml (Krotzebojer Grüne) und Uwe Bretthauer (SPD) ein und wurde dafür besonders von Bäuml heftig kritisiert. Politiker wie Zuhörer, die in den Krotzenburger Ausschüssen mitreden dürfen, forderten zügige Abhilfe, etwa einen einfachen Telefon-Direktkontakt ins Rathaus oder feste Sprechstunden.

Fragen nach weiteren Problemen in der Unterkunft lösten teils emotionale Debatten aus. So wurden laut Bauroth und Fischer zwischenzeitlich beschädigte Brandschutz- und Notausgangstüren ersetzt, fehlende Schließzylinder verhindern freilich den Zugang von außen. Acht Monate nach der tödlichen Messerattacke sind nach der von Bauroth bestätigten Beobachtung einer Zuschauerin am Tatort noch immer Blutspuren zu sehen.

Zeugenaussagen im Hanauer Prozess, wonach der Gemeinde die kriminelle Vergangenheit des wegen versuchten Totschlags vorbestraften mutmaßlichen Mörders bekannt war, wies Bauroth zurück: Der Main-Kinzig-Kreis habe den Somalier nach Großkrotzenburger zugewiesen, ihn selbst über dessen Hintergrund nicht informiert.

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