Acht Stolpersteine in Umstadt

Gedenken: Bildhauer Gunter Demnig markiert ehemalige Wohnorte ermordeter Juden

Groß-Umstadt
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Bildhauer Gunter Demnig setzte in Groß-Umstadt am Donnerstag acht »Stolpersteine« zum Gedenken an ermordete jüdische Bürger.
Foto: Klaus Holdefehr
»Groß-Umstadt war eine Hochburg der NSDAP«, steht auf dem Flugblatt, das der Groß-Umstädter Kunsthistoriker und Denkmalaktivist Norbert Kottmann an Passanten verteilt. Die wundern sich an diesem Donnerstagvormittag über einen besonderen Stadtrundgang mit großer Beteiligung.
Ehrenbürgermeister Wilfried Köbler führt Schüler der Max-Planck-Schule und andere interessierte Bürger zu den ehemaligen Wohnorten und Wirkungsstätten der Juden, von denen viele in der Zeit der Herrschaft der Nazionalsozialisten deportiert und ermordet worden sind.
50 Bürger ermordet
An insgesamt acht Stationen setzt der Bildhauer Gunter Demnig seine »Stolpersteine« vor bestimmte Häuser. Sie zeigen messingleuchtend den Namen des ehemaligen jüdischen Bewohners. »Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist«, ist der Anstoß für Gunter Demnig.
50 jüdische Bürger seien von den Nazis ermordet worden, meist in Vernichtungslagern wie Auschwitz, erklärt Köbler und nimmt auf Augenzeugenberichte über die »Kristallnacht« 1938 Bezug, als ein antisemitischer Mob durch Umstadt zog und Pogromstimmung verbreitete. Die Stolperstein-Aktion in Umstadt ist vom Bund Deutscher Pfadfinder angeregt und finanziert worden.
In den Wald geflüchtet
Den ersten Stolperstein setzt Demnig in der Curtigasse direkt vor der »Bücherkiste«, die dazu ein entsprechendes Schaufenster gestaltet hat. In diesem Haus wohnte Mina Liebmann, die 1942 nach Theresienstadt deportiert worden ist und 1944 zu Tode kam.
Köbler schildert anschaulich, welche Ängste die Frau während und nach der Pogromnacht ausgestanden hat, in der sie sich, nur mit einem Unterrock bekleidet, in den Umstädter Wald flüchtete und dort mehrere Tage verbarg.
Seltsame Stimmung
Eine seltsame Stimmung erzeugt die Musik, die das Pflastern des Gedenksteins begleitet. Renate Campos und Michael Schönfelder intonieren jüdische Musik bis hin zum Hava Nagila, manche singen mit, manche wischen eine Träne aus dem Augenwinkel. Sehr eindringlich ist die szenische Darstellung von Rebekka Bareith, Schülerin der nahen Max-Planck-Schule, in der Rolle von Frida Volk, der Tochter von Mina Liebmann.
Sprachfügungen bis heute erhalten
Wilfried Köbler erinnert daran, dass sich einige Sprachfügungen der Natio-nalsozialisten, wie »Der ist nichts wert, der ist noch weniger wert«, bis heute erhalten haben und sucht die rund 150 Besucher der Startveranstaltung dafür zu sensibilisieren, bevor er mit einer großen Gruppe zum ersten Rundgang der Stolpersteine startet, der sich an ehemaligen Synagogen-Standorten, dem Ehrenmal und dem »Judengässchen« orientiert.
Je ein weiterer Stolperstein wird gegen das Vergessen sensibilisieren vor der Kfz-Zulassung (Pfälzer Gasse), in der Unteren Marktstraße 3 und 10 sowie vier vor Uhren-Grimm (Obere Marktstraße). Klaus Holdefehr
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