Serie "Millionenbetrug mit der Liebe": Das erwartet Sie in den nächsten Tagen

Skrupellose Masche schädigt Opfer finanziell und emotional

Aschaffenburg
3 Min.

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SYMBOLBILD Vorsicht, Liebesbetrüger: Sobald Opfer Vertrauen zu ihren Bekanntschaften gewonnen haben, schnappt die Falle zu.
Foto: Zacharie Scheurer (dpa-tmn)
Rund 95 000 Eu­ro hat ei­ne Frau aus dem Kreis Aschaf­fen­burg an ei­nen Mann über­wie­sen, den sie im In­ter­net ken­nen­ge­lernt hat. Frei­lich nicht auf ei­nen Schlag, son­dern in Etap­pen. Im No­vem­ber be­rich­te­te die Po­li­zei Un­ter­fran­ken da­von - denn die Frau wur­de be­tro­gen.

»Romance-Scamming« nennt sich diese Form des Betrugs. Die Masche: Die Täter geben sich im Internet als Ärzte, Soldaten oder erfolgreiche Geschäftsleute aus und umgarnen Frauen. Fühlen sie sich ihrer Liebe sicher, bitten sie um Geld - zunächst kleine Beträge, die sich mit der Zeit steigern.

Vertrauen missbraucht

Die Täter lassen ihre Opfer an eine gemeinsame Zukunft glauben, in der sie alle Schulden zurückzahlen werden. Oft realisieren die Frauen zu spät, dass es dieses Miteinander nicht geben wird, dass ihr Vertrauen missbraucht wurde, dass sie ihr Geld niemals zurückbekommen werden.

In den vergangenen sechs Monaten hat die Polizei Unterfranken sechs solcher Fälle gemeldet, zuletzt am 22. Januar. Ein Mann aus dem Raum Würzburg zahlte rund 75 000 Euro an eine Frau, die ihm die große Liebe vorgaukelte und abkassierte. Dieser Fall ist selten: In der Regel sind es Frauen, die von sogenannten Scammern betrogen werden. Das geht aus Gesprächen mit Ermittlern hervor.

Ob Mann oder Frau: Laut Enrico Ball von der Polizei Unterfranken sind diese Fälle nur die Spitze des Eisbergs: »Wir melden es nur, wenn die Betrogenen sich an die Polizei gewandt haben. Viele Opfer tun das nicht, aus Scham oder weil sie sich von der Anzeige nichts erhoffen«, so der Polizeisprecher.

Das Dunkelfeld ist nach seiner Einschätzung groß - ebenso wie der Schaden. In drei Fällen, die die Polizei zuletzt aus den Kreisen Miltenberg, Aschaffenburg und Würzburg gemeldet hat, ging es um insgesamt rund 200 000 Euro. Deutschlandweit dürfte er jedes Jahr in die Millionen gehen.

Konkrete Zahlen zu dieser Betrugsform und den entstandenen Schäden gibt es nicht. Das liegt an der Struktur der Polizeistatistik: Die Täter agieren vom Ausland aus, dorthin geht das Geld der betrogenen Frauen letztendlich. Die Polizei stuft diese Fälle deswegen als Auslandsstraftaten ein. Sie tauchen in der deutschen Statistik daher nicht auf, so Enrico Ball.

Die Betrüger richten nicht nur finanziellen Schaden an, indem sie die Frauen etwa um ihre Altersvorsorge bringen und sie in Schulden treiben. Sie nehmen den Frauen, die in der Regel in ihrer zweiten Lebenshälfte stehen, zudem das Vertrauen und hinterlassen große emotionale Schäden.

Das zeigen neben Gesprächen mit der Polizei, auch Unterhaltungen mit Betroffenen. Viele scheuen sich davor, an die Öffentlichkeit zu gehen - aus Angst vor der typischen Reaktion, wenn man von diesem Betrug hört: Kopfschütteln und Unverständnis. Was den meisten Menschen nicht bewusst ist: Die Täter weben ihr Netz äußerst geschickt, bevor sie die Hilfsbereitschaft ihrer Opfer ausnutzen.

Gespräche mit Opfern

Wie das vor sich geht, erzählt in unserer neuen Serie beispielhaft Marie Kaiser*, die mindestens 30 000 Euro an einen Mann verlor, der sich als Bauingenieur ausgab. Unsere Redaktion hat sich für diese Serie (siehe »Hintergrund«) mit mehreren Opfern unterhalten. Doch nur wenige wollen ihre Geschichten in der Zeitung lesen.

Kaiser hat sich dafür entschieden, den Kampf gegen die Betrüger aufzunehmen und ihre Geschichte als Warnung für andere zu erzählen. Auch Katrin Berger* aus dem Kreis Miltenberg, die selbst nie Opfer wurde, kämpft - indem sie Geldabholer in die Falle lockt. Sie sorgt so dafür, dass Helfershelfer vor Gericht landen.

Prozesse gegen diese Handlanger zeigen, wie erniedrigt sich die betrogenen Frauen mitunter fühlen - so sehr, dass sie das Erlebte nicht ohne therapeutische Hilfe verarbeiten können. Der Psychiater Sven Steffes-Holländer hat mehrere Love-Scamming-Opfer behandelt. Im Interview erklärt er unter anderem, warum ein Hormon dazu beitragen könnte, dass die Täter Erfolg haben.

Warum das Netzwerk der Romance-Scammer mit mafiösen Strukturen vergleichbar ist, erläutern Ralf Maurer und David Schramm von der Aschaffenburger Kriminalpolizei. Um Strukturen zu verfolgen und Tätergruppen zu ermitteln, ist jede einzelne Anzeige wichtig, betont Unterfrankens Polizeisprecher Enrico Ball. »Alle Daten, die die Täter übermitteln, sind Puzzlesteine und helfen uns bei der Aufklärung.«

Welche Puzzlesteine das sind, erfahren Sie, liebe Leserin und lieber Leser, in unserer fünfteiligen Serie. > Seite

 

*Namen von der Redaktion geändert

Serie »Millionenbetrug mit der Liebe«: Das erwartet Sie

12.02.2021: Ein Opfer erzählt

16.02.2021: Die Ermittler

18.02.2021: Opfer und Täter vor Gericht

19.02.2021: Die Jägerin

23.02.2021: Der Therapeut

 

In jeder Folge hilft Ihnen ein »Glossar« dabei, Licht in das von englischen Begriffen durchsetzte Themenfeld zu bringen. (fka)

Alle Serienteile sowie einen Podcast und ein Video zum Thema finden Sie im Internet unter:www.main-echo.de/liebesbetrug

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