Samstag, 06.03.2021
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"Millionenbetrug mit der Liebe" (5): Wie die Täter Frauen seelisch missbrauchen

Serie über die Masche "Romance Scamming"

Aschaffenburg/Berlin
Liebesbetrug
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Die Täter bauen bei den Frauen Vertrauen auf. Irgendwann sind sie deren Begleiter im Alltag. Dann beginnen sie, Notsituationen zu erfinden und von den ahnungslosen Frauen Geld zu ergaunern.
Foto: freepik
Collage Romance Scamming
Foto: Main-Echo-Grafik - Julia Oberle
Sven Steffes-Holländer, Chefarzt der Heiligenfeld Klinik in Berlin, erläutert, wie Romance-Scammer vermutlich Bindungshormone aktivieren.

Gespräche mit Opfern von Romance-Scamming zeigen, dass sie meist schwerer unter den seelischen Folgen leiden, als unter dem finanziellen Schaden. Wie sich die verlorene Bindung und das enttäuschte Vertrauen auf die Psyche auswirken und wie sich der Internet-Betrug mit dem realen Leben vergleichen lässt, erläutert der Berliner Facharzt für Psychotherapie Sven Steffes-Holländer.

Wie viele Opfer haben Sie behandelt, die von Love-Scamming betroffen waren? 
Steffes-Holländer: Vier bis fünf über die vergangenen Jahre. Der Grund für die Behandlung ist aber nicht das Scamming, sondern die Folgeerkrankungen. Das sind in der Regel Depressionen oder Ängste.

Gibt es spezielle Eigenschaften, die Frauen leichter zu Opfern werden lassen?
Steffes-Holländer: Es sind meist alleinstehende Frauen. Die Damen, die ich behandelt habe, waren jenseits der 50, geschieden oder verwitwet und sehr vereinsamt. Sie waren in einer Lebensphase, in der sie wenig positive Resonanz von Männern bekommen haben. Das sind Situationen, wo jedes Kompliment und jede positive Zuwendung aufgesogen wird. Ich glaube, jemand der mit sich selbst und seiner Lebenssituation zufrieden ist, ist dafür weitaus weniger anfällig.
Ein generelles Merkmal ist aber schwer zu benennen. Die Situation entsteht meist aus dem Zufall heraus. Das war zumindest bei den Frauen so, die ich begleiten durfte. 

Wie lief es bei diesen Frauen ab?
Steffes-Holländer:  Es entwickelt sich erst einmal ein unverfängliches Gespräch. Dem folgt etwas, das man neudeutsch »Love-Bombing« nennt: Der andere sagt ihr, wie schön, wie attraktiv, wie intelligent, wie charmant sie ist oder wie gut ihre Haare auf einem Bild aussehen. Das sind Signale, denen sich die Angesprochene nicht erwehren kann, sie fallen auf sehr fruchtbaren Boden. Dadurch entsteht eine sehr positiv besetzte Beziehung. 

Was passiert in dieser Situation?
Steffes-Holländer: Die Frau, die die Komplimente bekommt, schüttet Glückshormone aus – Dopamin, Serotonin. Dadurch entsteht ein sehr positives Grundgefühl. Davon will sie immer wieder immer mehr – es beginnt eine Spirale. All diese Damen hatten erst einmal Bedenken, sie sind nicht blindlings in ihr Schicksal gelaufen. Es gab anfangs bei allen Misstrauen und Zweifel, die Frage »Wer ist das überhaupt?«, »Kann ich dem vertrauen?« 

Wodurch ändert sich das?
Steffes-Holländer: Die Täter investieren viel Zeit. Es ergeben sich Chatverläufe, die bis in die Nacht hinein gehen. Es findet eine tägliche Kommunikation statt. So bauen die Täter Vertrauen auf. Irgendwann ist das ein Begleiter im Alltag. Je mehr positiv verstärkt wird, je dominanter dieses Gefühl ist, desto stärker treten die Zweifel in den Hintergrund. Das gilt gerade bei sozial isolierten Menschen, die keinen regelmäßigen Austausch mit Freunden oder Familie haben. Denn diese werden erfahrungsgemäß sehr schnell misstrauisch.

 

Hintergrund: Begriffe aus dem Themenfeld

Capo: »Boss« (Mafia-Sprache)

Chat: aus dem Englischen, zu Deutsch Gespräch. Die Unterhaltungen spielen sich in der Regel in sogenannten Messenger-Diensten ab, teilweise auch per E-Mail.

Dating-Plattform: Partnerbörse im Internet

Internet-Forum: Ort, an dem sich Interessierte über oft festgelegte Themen austauschen. Foren gibt es zu nahezu allen Themen. Häufig haben sie einen öffentlich sichtbaren Bereich und einen, der nur für Mitglieder zugänglich ist.

Kryptowährung: Digitale Zahlungsmittel wie Bitcoin. Es handelt sich nicht um Währungen im eigentlichen Sinn.

Messenger: Online-Dienste, um Nachrichten zu verschicken, wie WhatsApp, Telegram oder Google Hangouts

Romance-Scamming: Setzt sich aus den englischen Wörtern romance, zu Deutsch Romantik, und scam, zu Deutsch Betrug, zusammen. Alternativ ist auch von Love-Scamming, also Liebes-Betrug, die Rede.

Scammer: Betrüger, Romance-Scammer: Romantik-Betrüger

Western Union/FedEx: Zahlungsdienstleister, mit deren Hilfe Geld ins Ausland transferiert wird.

Würden Sie aufgrund Ihrer Erfahrung sagen, dass die Täter besonders geschult sind?
Steffes-Holländer:  Ob sie psychologisch geschult sind, weiß ich nicht. Sie sind definitiv sehr empathisch. Sie können sehr geschickt die Bedürfnisse des anderen erspüren. Es gibt außerdem keinen »maulfaulen« Love-Scammer. Diese Leute sind in der Kommunikation eher sprudelnd, sehr eloquent.  Ein anderes Muster, das ich sehr interessant fand: Man testet ja den anderen unbewusst auf Zuverlässigkeit. Ein Scammer achtet penibel darauf, dass er Absprachen und Termine einhält, dass er tatsächlich um 19.05 Uhr anruft, wenn er das zusagt. Auch das ist vertrauensfördernd, es entsteht der Eindruck: Man kann sich auf ihn verlassen. Es gibt viele solcher Hebel, lange unbefriedigt gebliebene Bedürfnisse zu bedienen. Wer wünscht sich nicht, jemanden zu haben, der einen versteht, geduldig, aufmerksam und positiv zugewandt ist? Richtig immun dagegen ist niemand, glaube ich. Das ist keine Dummheit.

Viele Leute, die von dem Phänomen hören, reagieren mit Kopfschütteln. Aber wenn ich Sie richtig verstehe, sind wir alle empfänglich für Komplimente. Es könnte also jedem passieren?
Steffes-Holländer:  Gerade wenn man länger allein ist, gibt es die Sehnsucht nach Liebe und ein Bedürfnis nach Nähe. Love-Scammer machen ja auch keine Konflikte auf, sie verhalten sich sehr angepasst. Letztendlich ist es eine positive Eigenschaft von Menschen, anderen Menschen mit Vertrauen begegnen zu können. Das ist nicht grundsätzlich ein Fehler. Wenn man jedem und allen misstraut, wird man irgendwann paranoid.  Wenn man nicht in diesem Gefühl steckt, das die Scammer bei den Frauen hervorrufen, wirkt deren Verhalten rasch naiv. Von außen betrachtet sagt man vielleicht »Geht's noch?«, wenn man so eine Story hört. Aber wenn man in der Situation ist, vielleicht das Selbstwertgefühl sowieso angekratzt ist, wenn man gar nicht mehr die Hoffnung hat, dass einem so etwas passieren könnte und dann kommt so ein Mann des Weges – dann sind die Betroffenen bereit, ein Risiko einzugehen.

Aber ich stelle es mir schwer vor, jemandem, den ich nie persönlich getroffen habe, zu sagen »Ich liebe dich«. Was haben Ihnen die Frauen darüber gesagt?
Steffes-Holländer:  Ich erinnere mich, dass meine letzte Patientin es erstmal tatsächlich irritierend fand. Ein Teil von ihr hat gesagt »Das geht mir alles zu schnell und zu weit«. Gleichzeitig gab es aber auch den widersprüchlichen Teil, der sich geschmeichelt gefühlt hat. 

Wodurch?
Steffes-Holländer:  In allen Fällen, die ich begleitet habe, waren die Täter jünger als die Opfer – also virtuell. Und es waren scheinbar alles erfolgreiche Menschen: Der eine war Chefarzt in einer Klinik, der andere Ingenieur auf einer Ölplattform. Durch die erfundenen Identitäten haben sich die Opfer sehr stark aufgewertet gefühlt: Dieser attraktive, jüngere Mann steht auf mich. Durch diesen Überschwang, durch dieses Verliebtheitsgefühl, bin ich in der Lage, sämtliche Zweifel auszublenden. Ich habe auf meine Zweifel schon die passenden Antworten – und schütze damit quasi die Rolle des Täters. Das Internet ist die ideale Fläche dafür, weil es so viel Raum für die eigene Fantasie lässt, weil es so wenig konkret ist. 

Das gilt aber nicht nur fürs Internet...
Steffes-Holländer:  Wenn Sie diese Phänomene herunterbrechen, sind die auch im realen Leben möglich. Ich treffe jemanden, der mir Honig um den Mund schmiert. Mir schmeichelt das, ich werde damit aufgewertet. Wenn meine Freundin mir erzählt, »Der macht das mit jeder«, will ich das in dieser Situation nicht hören. Weil mein eigener Bindungsmodus aktiviert wird. 

Der Bindungsmodus?
Steffes-Holländer:  Es gibt zum Love-Scamming keine Untersuchung, weil die Fallzahlen vergleichsweise gering sind. Aber ich vermute, dass die betroffenen Menschen Bindungshormone produzieren. Das machen wir auch beim Verliebtsein. Oxytocin ist ein Hormon, das uns offen für Bindung macht. Es macht uns aber auch beratungsresistent: Ich bin euphorisiert in dieser Situation. Deshalb kann ich so etwas wie »Ich liebe dich« sagen. Es wäre komisch, wenn ich beim zweiten Date im realen Leben sagen würde: »Du bist die große Liebe meines Lebens, die Frau, auf die ich mein Leben lang gewartet habe.« Aber: Wenn ich so etwas 20 Jahre nicht gehört habe, dann will ich das glauben.

Sie sprachen von Beratungsresistenz: Wenn ich mitbekomme, dass meine Freundin sich in so etwas verrannt hat – habe ich eine Chance, sie zu erreichen?
Steffes-Holländer:  Ja. Nicht in dem Sinne, dass die Freundin sofort ihr Verhalten ändert. Ich weiß von einem Fall, in dem eine Frau es erst verheimlicht und zwei Mal Geld überwiesen hat. Sie geriet dann aber so unter Druck, dass sie eine Freundin ins Vertrauen gezogen hat. Die ist mit ihr zu einer Beratungsstelle gegangen. Das war der entscheidende Schritt. Sie hat trotzdem nochmal überwiesen. Es ist ja auch eine Form von emotionaler Erpressung, die gestartet wird.

Inwiefern?
Steffes-Holländer:  Diese Schemata laufen ja häufig zumindest über mehrere Wochen, teilweise auch Monate. In den Fällen, die ich behandelt habe, meist nicht länger. Bei der letzten Dame war das so eine typische Scammer-Behauptung: Ein Familienmitglied ist krank. Dass er seine Familie unterstützen will, ist ja erst einmal eine positive Geschichte. Der Scammer präsentiert sich als mitfühlender Mensch, der nur für andere da ist, der keine eigenen Bedürfnisse hat. So wird Mitgefühl beim Opfer aktiviert und die Bindung immer weiter aufgebaut. Wenn das plötzlich wegfallen soll, habe ich als Betroffene auch Verlustangst: Unter Umständen ist dann die einzige Freude, die ich in meinem Alltag habe, wieder weg.

Welche Rolle spielen die Kontaktbeschränkungen durch Corona?
Steffes-Holländer:  Sie machen definitiv anfälliger. Positive Rückmeldungen laufen bei vielen derzeit sowieso nur virtuell ab, weil viele Kontakte nur in der virtuellen Ebene bestehen. Es gibt eine Verlagerung des eigenen Lebens ins World Wide Web. »Real-life-dating« (Anmerkung der Redaktion: ein persönliches Treffen, um einander kennenzulernen) ist ja fast unmöglich. Deshalb bewegen sich wahrscheinlich sowieso mehr Leute in den sozialen Netzwerken – und da finden die Täter typischerweise ihre Opfer. Man kann definitiv annehmen, dass das zu einer Zunahme führt. 

+++ Online-Exklusiv: Langversion des Interviews +++

Wie gehen Sie bei der Behandlung vor?
Steffes-Holländer: Das Love-Scamming ist ja nur indirekt der Therapieanlass. Wenn ich aus so einer Geschichte herauskomme, bin ich wie auf emotionalem Entzug. Ich werde die ganze Zeit mit emotionalen Aspekten befeuert – und dann fallen die von einem Moment auf den anderen weg. Ich verliere die für mich wichtig gewordene Bezugsperson und stelle auch noch fest, dass mein Vertrauen völlig ungerechtfertigt war, dass ich Opfer eines Betrugs wurde. In dieser Situation bin ich doppelt bestraft. Hinzu kommt: Das ist etwas, was man nicht einfach beim Bäcker erzählen kann, weil man sich total schämt. Die Menschen verurteilen sich ja auch selbst, wenn so etwas passiert und denken: „Wie doof war ich?“, „Wie kam ich denn dazu?“

Zu der Angst, abgewertet zu werden, kommen Existenzängste: Viele Frauen verlieren ihre Altersvorsorge oder verschulden sich. Enttäuschung, Verlust, die Verarbeitung des Geschehenen, das sind Aspekte, die das Auftreten einer Depression deutlich begünstigen. Zum Entstehen der Depression gibt es nicht nur den einen Aspekt, aber bei vielen ist das das i-Tüpfelchen.

Reden die Frauen bei Ihnen offen über das Erlebte?
Steffes-Holländer: Ich habe es nur bei einer Patientin erlebt, dass sie sofort die ganze Geschichte erzählt hat und das auch als Behandlungsanlass gesehen hat. Bei den anderen kam erst im Laufe der Therapie auf, dass sie Opfer eines Betrugs wurden. Am Anfang war selbst in der Therapie das Schamgefühl zu groß.

In der Therapie geht es darum zu verstehen „Wie konnte es dazu kommen?“, zu sehen, welche Bedürfnisse so lange unbefriedigt waren, dass derjenige vulnerabeler für einen Betrug war. Ein weiterer Schritt ist dann, auf realem Wege zu einer Bedürfnisbefriedigung zu kommen, nicht über illusionäre fiktive Kontakte. Der beste Schutz ist ein funktionierendes soziales Netz.

Helfen Warnungen?
Steffes-Holländer: Man muss Opfern nicht kommen mit dem Satz „Schicken Sie keinen Personen im Internet Geld“. Das wissen sie rational selber. Aber Menschen sind dazu in der Lage, Fehler zu machen. Es ist wichtig, diese Fehler in die eigene Biografie zu integrieren und festzustellen: „Aus der heutigen Perspektive würde ich nicht wieder so handeln, ich verzeihe mir aber selber, dass ich diesen Fehler begangen habe.“ In der Therapie geht es darum, das Selbstbewusstsein und Selbstliebe aufzubauen. Um die Wahrnehmung der eigenen Emotionen und Bedürfnisse. Letztendlich ist der beste Schutz, wenn ich mich selber wenig verletzbar fühle.

Das wichtige ist also, danach mit sich selbst ins Reine zu kommen?

Steffes-Holländer: Ja, definitiv. Bei Betrug geht es ja immer um Vertrauen, ein wichtiges Grundthema bei Menschen. Über unser Vertrauen regulieren wir unsere Beziehungen. Wenn ich einmal Opfer eines Betrugs werde, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit einer „Misstrauensbrille“ durch die Welt laufe, deutlich größer. Es hat also auch einen Einfluss auf meine anderen Beziehungen. Deshalb ist ein Therapieziel in der Klinik, wieder zu lernen, anderen Menschen, aber auch der eigenen Intuition zu vertrauen. Das Bauchgefühl ist ja etwas wichtiges und normalerweise etwas, worauf wir uns gut verlassen können.

Es ist also nicht wie beim Enkeltrick, von dem Sie einmal im Gespräch sagten, dass die Intuition mit zunehmendem Alter abnehme?
Steffes-Holländer: Nein, ich halte das in diesem Fall nicht für eine Altersfrage. Ich denke, Love-Scamming trifft die Altersgruppe 70 plus eher selten. Und wenn dann sind es Männer, die von vermeintlich jüngeren Frauen kontaktiert werden. Diese Variante gibt es ja auch, die habe ich persönlich nur noch nie behandelt.

Welche Rolle spielt die Fähigkeit, darüber zu reden, was passiert ist?
Steffes-Holländer: Wenn es nicht aufgearbeitet ist, ist man eher noch verletzlicher, wenn man darüber redet. Im Verlauf einer Behandlung ist es sehr sinnvoll. Wir motivieren Patienten beispielsweise, es in eine Gruppentherapie mit einzubringen. Die offene Kommunikation eines Fehlers ist auch hilfreich, um andere davor zu warnen, diesen Fehler zu machen, damit sie nicht das gleiche Schicksal erleiden. Wenn ich mir selber verziehen habe, kann ich auch zu dem stehen, was mir passiert ist. Deswegen bringt es nichts, diejenigen an die Öffentlichkeit zu zerren. Aber darüber berichten, das Phänomen bekannt zu machen, senkt die Hemmschwelle, offen darüber zu sprechen. Das ist auch für Betroffene gut.

Mir hat ein Opfer gesagt, was ihr passiert sei, sei wie eine „Vergewaltigung im Kopf“ gewesen. Deckt sich da mit dem, was Sie darüber gehört haben?
Steffes-Holländer: (zögert) Ich würde diesen Ausdruck nicht wählen, aber ich kann es nachvollziehen, wenn ein Opfer das für sich so beschreibt. Was sich vielleicht wie eine Vergewaltigung anfühlt, ist der Aspekt, dass man so völlig hilflos und machtlos ist. Dass man sich ausgenutzt, benutzt und missbraucht fühlt. Meiner Erfahrung nach ist der emotionale Schmerz noch größer als der finanzielle Schmerz. Die Aspekte der Ohnmacht sind tatsächlich sehr vorherrschend im Gefühlsleben.

Hatten die Frauen, die bei Ihnen waren, sich an die Polizei gewandt?
Steffes-Holländer: Nur eine, die anderen hatten es nicht gemacht – einerseits aus Scham, andererseits weil sie sich wenig davon versprochen haben.

Mir haben Frauen erzählt, dass sie sich von der Polizei nicht ernstgenommen fühlten. Verstärkt so etwas die Probleme?
Steffes-Holländer: Ich glaube, dass manche Opfer das schon antizipieren. Eine Strafverfolgungsbehörde ist nicht für eine psychologische Beratung zuständig, sie ist keine Institution, die so etwas gut abdecken kann. Ich denke es ist gut, wenn die Opfer sich dem nicht alleine aussetzen, sondern sich Unterstützung suchen. Es gibt ja auch web-basierte Selbsthilfegruppen von Betrugsopfern. Ich will nicht sagen, dass alle Polizeibeamten unempathisch sind, aber eine negative Erfahrung erhöht natürlich das Schamgefühl und macht es noch schwerer, darüber zu sprechen.

Anmerkung
Sven Steffes-Holländer ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Er leitet als Chefarzt die Heiligenfeld Klinik Berlin, eine Privat- und Tagesklinik auf dem Campus des Unfallkrankenhauses Berlin (ukb). Er arbeitet zudem als Gutachter und Dozent für Psychosomatik und Sozialmedizin in verschiedenen Akademien und Instituten.
Foto: Constanze Scholz (Constanze Scholz)

Sven Steffes-Holländer ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Er leitet als Chefarzt die Heiligenfeld Klinik in Berlin, eine Privat- und Tagesklinik auf dem Campus des Unfallkrankenhauses Berlin (ukb). Er arbeitet zudem als Gutachter und Dozent für Psychosomatik und Sozialmedizin in verschiedenen Akademien und Instituten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Unsere Serie "Millionenbetrug mit der Liebe"

Folge 1: Ein Opfer erzählt

Folge 2: Die Ermittler

Folge 3: Opfer und Täter vor Gericht

Folge 4: Die Jägerin

Folge 5: Der Therapeut

Folge 6: Resümee der Autorin

Alle Folgen in unserem Dossier unter www.main-echo.de/liebesbetrug

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